Mäßige Stimmung beim Einstand des neuen Polizeidirektors
Auf der Polizeidienststelle ist was los, denn der neue Polizeidirektor feiert seinen Einstand. Die Stimmung? Eher mäßig. Im Nebenraum versucht ein aufgebrachter Fahrradkurier bei Johanna Stern eine Anzeige aufzugeben. Es geht um Drogenhandel.
Plötzlich macht der junge Mann wieder kehrt und rennt aus dem Büro. Unten auf der Straße wird er von einem Transporter angefahren und stirbt. Lena Odenthal glaubt nicht an einen Unfall.
Sushi mit verbotener Beilage
Das Fahrradkurierunternehmen ist verdächtig: die „Velopunks“, ein alternatives Kollektiv. In letzter Zeit lief es offensichtlich nicht mehr so rund. Bei ihnen kann man sein Sushi auch mit verbotener Beilage bestellen – als „Sashimi spezial“. Der Zusammenhalt unter den Kurieren ist auffällig stark.
Kommissarin Johanna Stern ist betroffen, sie macht sich Vorwürfe wegen des Toten, den sie zuvor abgewimmelt hatte. Sie entscheidet sich spontan, auf eigene Faust bei den Kurieren zu ermitteln, unter falscher Identität. Damit stößt sie auch ihre Kollegin Lena Odenthal vor den Kopf.
Unkonventionelle Methoden im Odenthal-Tatort
Verdeckte Ermittlung ist normalerweise nur mit sehr langer und minutiöser Planung möglich. Dementsprechend unrealistisch ist der Einsatz auch, der sich aus der Situation entwickelt. Aber dieses Problem kann sich der 83. Tatort mit Ulrike Folkerts leisten. Immerhin gibt er so der Kommissarin Anlass, sich mehrfach mit ihrem ungeliebten Chef zu zoffen.
Sorgfältig und ernsthaft widmet sich der Film allerdings der prekären Situation von Lieferdiensten. Und den speziellen Arbeitsbedingungen von Fahrradkurieren im Straßenverkehr als täglicher Kampfzone zwischen Vier- und Zweirädern.
Spannender Tatort, in rasantem Tempo unterwegs
Schauspielerisch tut es Ulrike Folkerts und vor allem Lisa Bitter gut, dass ihre Charaktere diesmal individueller unterwegs sind. Robert Stadlober sticht heraus als schmieriger Unsympath und zwielichtiger Transportunternehmer.
Insgesamt ist „Sashimi spezial“ gute Krimiunterhaltung: spannend und am Ende überraschend. Auch dank der Kameraarbeit, die einen hier zwischenzeitlich quasi selbst aufs Fahrrad setzt, gerät der Ludwigshafen-Tatort sehr temporeich.
Tatort „Sashimi spezial“, 1.3. 20:15 Uhr im Ersten und der ARD Mediathek
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