Archiv für „Ewigkeitsverwahrung deutscher Geschichte“

Barbarastollen im Schwarzwald – 50 Jahre „Kulturelles Gedächtnis“ Deutschlands

In einem alten Bergwerk bei Freiburg lagert das Langzeitgedächtnis Deutschlands: Millionen von Urkunden, Verträgen und Schriften werden hier für mindestens 500 Jahre sicher aufbewahrt. 1975, im kalten Krieg, wurde das „zentrale staatliche Archiv für die Ewigkeitsverwahrung deutscher Geschichte“ aus Angst vor einem Atomkrieg angelegt.

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Stand

Von Autor/in Sandra Helmeke

Führungen sind eine Ausnahme

Vor der Führung einer Schulklasse verteilen Ursula Fuchs und Kristina Beissel erst einmal Helme – niemand soll sich im engen Stollen den Kopf anschlagen. Beide sind aus Bonn angereist, denn Führungen im Barbarastollen dürfen nur Mitarbeitende des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz leiten.

Barbarastollen in Oberried, der ehemaligen Bergwerks Grube Schauinsland
Etwas außerhalb von Oberried liegt der sogenannte Barbarastollen. Ein alter Bergwerkstollen des Freiburger Hausbergs Schauinsland. Wirestock

Die Schulklasse läuft immer tiefer den kerzengeraden Stollen entlang in den Berg. Früher war das hier ein Silberbergwerk, heute idealer Schutz vor Bombardierung: „wenn es wirklich mal zu einem bewaffneten Konflikt kommen sollte, was wir nicht hoffen, und da vorne jemand Bomben zündet, dass die Druckwelle sich hier totläuft und den Behältern in den Lagerstollen nichts anhaben kann.“

Eingang zum Barbarastollen, gekennzeichnet mit einer Dreifachkennzeichnung für Kulturgut unter Sonderschutz
Der mit drei Rauten geschützter Eingang zum Barbarastollen. Die Dreifachkennzeichnung für Kulturgut dient primär der schnellen Identifizierung. Militärkräften und Konfliktparteien ist es durch die Haager Konvention verboten, gekennzeichnete Kulturgüter anzugreifen, zu beschädigen oder zu entwenden. epd

1,3 Milliarden Dokumente in rund 1600 Edelstahl-Fässern

1,3 Milliarden Dokumente lagern hier in rund 1600 Edelstahl-Fässern. Nicht im mittelalterlichen Bergwerk, sondern in Seitentunneln, die 1975, bei Gründung des Archivs, gegraben wurden. Im kalten Krieg wollte man vorbereitet sein, nicht zuletzt auf den Atomkrieg. Hier lagern: Das Grundgesetz, die Lutherbibel, mittelalterliche Urkunden, Verträge, Erstausgaben wichtiger Literaten. Allerdings nicht die Originale.

Eher Sicherheitskopie als Schatzkammer

Das Amt hat die Unterlagen abfotografiert und auf Mikrofilm gesichert. Mindestens 500 Jahre soll das Material halten. Der Barbarastollen ist also keine Schatzkammer, sondern eher eine Sicherheitskopie unserer Geschichte und unserer Ideen. „Lowtec“ – denn wer weiß, über welche Fähigkeiten die Menschheit verfügt – nach einem Atomkrieg:

Deswegen ist Mikrofilm so gut geeignet: Man braucht, um sie auslesen zu können, nur das Auge, Licht und möglicherweise so eine Lupe.

Metallbehälter mit archivierten Dokumenten im Barbarastollen
32.000 Kilometer Mikrofilm, über eine Milliarde Aufnahmen, wurden bisher hergestellt und in Edelstahlbehältern eingelagert. Die Stahlbehälter schützen vor Feuchtigkeit, Schmutz, Chemikalien und mechanischer Zerstörung. dpa | Patrick Seeger

Archiv mit deutscher Gründlichkeit gepflegt

Das Archiv im Berg wird laufend weiter befüllt, was reinkommt, entscheiden die Landesarchive zusammen mit dem Bundesarchiv und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Dass hier der Weltuntergang mit einer Gründlichkeit vorbereitet wird, die man Deutschland gar nicht mehr zugetraut hätte – kein Grund für Beklemmung.

Barbarastollen in Freiburg
Der Barbarastollenist der einzige Ort in Deutschland, der unter dem besonderen Schutz der UNESCO steht. Denn in seinem Inneren lagern wahre Schätze der Geschichte

Die Kinder freuen sich über jedes weitere Dokument, das sie auf der Schau- Mikrofilmrolle erkennen:  ein Portrait von Beethoven, Noten von Bach und eine Urkunde Karls des Großen. Sie staunen über die Unmengen Edelstahl-Fässer und entdecken schließlich das älteste Dokument im Barbarastollen- eine Schenkungsurkunde aus „Sankt Emmeran“ in Regensburg vom 22. Februar 794.

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