Führungen sind eine Ausnahme
Vor der Führung einer Schulklasse verteilen Ursula Fuchs und Kristina Beissel erst einmal Helme – niemand soll sich im engen Stollen den Kopf anschlagen. Beide sind aus Bonn angereist, denn Führungen im Barbarastollen dürfen nur Mitarbeitende des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz leiten.
Die Schulklasse läuft immer tiefer den kerzengeraden Stollen entlang in den Berg. Früher war das hier ein Silberbergwerk, heute idealer Schutz vor Bombardierung: „wenn es wirklich mal zu einem bewaffneten Konflikt kommen sollte, was wir nicht hoffen, und da vorne jemand Bomben zündet, dass die Druckwelle sich hier totläuft und den Behältern in den Lagerstollen nichts anhaben kann.“
1,3 Milliarden Dokumente in rund 1600 Edelstahl-Fässern
1,3 Milliarden Dokumente lagern hier in rund 1600 Edelstahl-Fässern. Nicht im mittelalterlichen Bergwerk, sondern in Seitentunneln, die 1975, bei Gründung des Archivs, gegraben wurden. Im kalten Krieg wollte man vorbereitet sein, nicht zuletzt auf den Atomkrieg. Hier lagern: Das Grundgesetz, die Lutherbibel, mittelalterliche Urkunden, Verträge, Erstausgaben wichtiger Literaten. Allerdings nicht die Originale.
Eher Sicherheitskopie als Schatzkammer
Das Amt hat die Unterlagen abfotografiert und auf Mikrofilm gesichert. Mindestens 500 Jahre soll das Material halten. Der Barbarastollen ist also keine Schatzkammer, sondern eher eine Sicherheitskopie unserer Geschichte und unserer Ideen. „Lowtec“ – denn wer weiß, über welche Fähigkeiten die Menschheit verfügt – nach einem Atomkrieg:
Deswegen ist Mikrofilm so gut geeignet: Man braucht, um sie auslesen zu können, nur das Auge, Licht und möglicherweise so eine Lupe.
Archiv mit deutscher Gründlichkeit gepflegt
Das Archiv im Berg wird laufend weiter befüllt, was reinkommt, entscheiden die Landesarchive zusammen mit dem Bundesarchiv und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Dass hier der Weltuntergang mit einer Gründlichkeit vorbereitet wird, die man Deutschland gar nicht mehr zugetraut hätte – kein Grund für Beklemmung.
Die Kinder freuen sich über jedes weitere Dokument, das sie auf der Schau- Mikrofilmrolle erkennen: ein Portrait von Beethoven, Noten von Bach und eine Urkunde Karls des Großen. Sie staunen über die Unmengen Edelstahl-Fässer und entdecken schließlich das älteste Dokument im Barbarastollen- eine Schenkungsurkunde aus „Sankt Emmeran“ in Regensburg vom 22. Februar 794.
Institutionen der Geschichte und Archive
Ausstellung in Berlin Ein Archiv lebt – 75 Jahre Archiv der Akademie der Künste
"Wir verstehen uns als ein lebendiges Archiv, als offenen Ort für den Austausch von Kunst und Wissenschaft", sagt Werner Heegewaldt Direktor des Archivs der Akademie der Künste.