Vor fast 30 Jahren wurde Arundhati Roy mit ihrem Debütroman „Der Gott der kleinen Dinge“ beinahe über Nacht berühmt. 20 Jahre danach folgte ihr zweiter Roman. Ihr neues Buch trägt den Titel „Meine Zuflucht und mein Sturm“. Der englische Originaltitel „Mother Mary Comes to Me“ sei da viel weniger ambivalent, sagt Anglistin Miriam Nandi, Professorin für britische Literaturwissenschaft im globalen und postkolonialen Rahmen an der Universität Leipzig.
Nandi, die insbesondere zum indisch-englischen Roman forscht, zum Originaltitel: „Da spielt sie auf `Let It Be´ an, diesen Beatles-Song, aus dem die Zeile entnommen wurde. Also ein zärtliches, manche würden vielleicht sagen auch ein kitschiges Lied. Da spricht so eine große Liebe zu ihrer Mutter raus. Gleichzeitig ist ihre Mutter aber auch eine völlig unberechenbare, eine entwertende, aber auch eine gewalttätige Person.“
Das Buch ist ein Memoire das, wenn es nach der Autorin geht, jedoch als Roman gelesen werden soll. Nandi versteht diesen Wunsch „als Ermutigung, das Memoire jetzt nicht einfach auf seinen Informationsgehalt hin zu lesen, (…) sondern es zu lesen, wie man eben einen Roman liest, das heißt auch langsam sich mitreißen zu lassen von der Sprache.“
Neben ihrer persönlichen Geschichte schlägt Roy in Ihrem Buch auch kritische Töne gegenüber ihrer Heimat Indien an. Dies macht sie laut Nandi vielleicht auch, „weil sie möchte, dass es ein lebenswerter Ort ist, in dem sie und Menschen wie sie zu Hause sein können.“