Frauen drehen härtere Filme als Männer, ihre Literatur verdient eigene Werkausgaben, als Komponistinnen müssen sie bekannter werden, und sie sollen endlich in allen Ländern der Welt frei leben können – das sagen eine Regisseurin, eine Literaturwissenschaftlerin, eine Schriftstellerin und eine Künstlerin, mit denen sich die SWR-Kultur-Redaktion unterhalten hat.
Wie sie Machtstrukturen wahrnehmen und welche kulturellen Veränderungen sie sich wünschen, damit Frauen gesellschaftlich und in der Kunst endlich anerkannt werden, können Sie in folgenden Beiträgen nachhören und -lesen.
- Drehen Frauen die härteren Filme? Regisseurin Isa Willinger im Gespräch
- Wie steht es um die Frauen im Literaturbetrieb? Feature mit Barbara Hahn
- Schriftstellerin Christine Wunnicke stellt kaum bekannte Komponistinnen vor
- Zu Besuch im Atelier der iranischen Künstlerin Jaleh Tavassoli
Warum Frauen härtere Filme drehen: Die Regisseurin Isa Willinger im Gespräch
Frauen drehen die härteren Filme, davon geht die Regisseurin Isa Willinger aus. Ihre Dokumentation „No Mercy“ folgt der provokanten These der ukrainischen Regisseurin Kira Muratova und rückt Regisseurinnen in den Fokus, darunter Céline Sciamma, Alice Diop und Valie Export.
Den „Female Gaze“ stellt sie dem „Male Gaze“, dem männlichen Blick gegenüber. Im Interview mit SWR Kultur spricht die Regisseurin darüber, warum trotz großartiger Künstlerinnen die Filmbranche von männlichen Machtstrukturen dominiert wird – und Frauen weniger Autorität zugeschrieben wird.
Welcher aktuelle Kinofilm ihr Hoffnung macht und und welche Szenen man bei männlichen Filmemachern nie sehen würde, können Sie hier nachhören:
Wie steht es um die Frauen? Literaturwissenschaftlerin Barbara Hahn über Autorinnen Literaturbetrieb
Die Literaturgeschichte wird von männlichen Autoren wie Goethe, Heine oder Rilke geprägt, deren Nachnamen allein genügen, um sie zu identifizieren.
Autorinnen hingegen kämpfen mit weiblicher Sichtbarkeit, bedingt durch Namenswechsel und Pseudonyme wie bei George Eliot oder Charlotte Brontë. Autorinnen werden zudem oft mit Artikeln („die Bachmann“) oder Vornamen („Rahel“) bezeichnet, was ihre Werke anders lesbar macht.
Laut Barbara Hahn, Autorin der einflussreichen Studie „Unter falschem Namen“, erschwert das weibliche Autorschaft und Identität. Sie kritisiert die kulturell geprägte Gender-Unterscheidung und fordert eine Neutralität in der Literaturbewertung. Schreibende Frauen müssten endlich stärker gewürdigt werden, sagt sie.
Wie wird Geschlecht bis heute im Literaturbetrieb markiert? Und wie mit Kategorien wie Nonbinarität umgegangen? Der ganze Beitrag zum Nachhören:
Die Schriftstellerin Christine Wunnicke stellt kaum bekannte Komponistinnen vor
Sie ist eine der feinsinnigsten Autorinnen der deutschen Gegenwartsliteratur: Christine Wunnicke. Für ihre präzise Sprache war sie mehrfach für den Deutschen Buchpreis nominiert, ihre Romane setzten sich oft mit historischen Figuren auseinander. Ihr jüngstes Werk „Wachs“ befasst sich mit dem brillanten Feminismus einer französischen Anatomin in Revolutionszeiten.
Seit der Schulzeit brenne sie für die Musik des Barock, sagt sie im Gespräch mit SWR Kultur. Die Schriftstellerin ist zu Gast im Studio und hat anlässlich des Weltfrauentags eine feministische Musikauswahl mitgebracht: Es werden ausschließlich klassische Werke von Frauen gespielt.
Das einstündige Gespräch über Komponistinnen, von denen Sie vielleicht noch nichts gehört haben, können Sie hier hören:
Treffpunkt Musik Gast im Studio: Die Schriftstellerin Christine Wunnicke
Am Mikrofon: Gregor Papsch
Zu Besuch im Atelier der iranischen Künstlerin Jaleh Tavassoli: „Sie schlugen mich, weil ich eine Frau bin“
Die iranische Künstlerin Jaleh Tavassoli verarbeitet in ihrer Kunst die Proteste gegen das Regime im Iran, die seit 2022 eskalierten. „Ich fühle mich schuldig. Ich bin privilegiert. Es fühlt sich nicht gut an“, sagt Tavassoli, die im Künstlerbahnhof Ebernburg Zuflucht gefunden hat.
Die Menschen im Iran leiden unter Hunger und Repression: „So schlimm war es noch nie. Sie haben absolut keine Grenzen.“ Die Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“, ausgelöst durch den Tod Jina Mahsa Aminis, prägt Tavassolis Werke. Bilder von Eskalation und Verzweiflung spiegeln die Gewalt wider, die sie selbst erlebt hat.
Trotz der Hoffnungslosigkeit malt sie weiter, um zu verstehen und zu verarbeiten. Ob sie in den Iran zurückkehren kann, bleibt ungewiss.
Wie ihre schmerzvollen Erfahrungen ihre Kunst verändert haben, erzählte sie SWR Kultur im Februar bei einem Besuch vor Ort.