lesenswert Magazin

Autorinnen, die gegen Ungerechtigkeiten anschreiben

Zum Internationalen Frauentag am 8. März beleuchten wir Romane von Autorinnen, die gegen strukturelle Gewalt und Machtmissbrauch anschreiben. Neue Bücher von Helene Bukowski, Son Lewandowski, Anja Gmeinwieser, Marina Vujčić und Clara Leinemann

Teilen

Stand

Körper, Disziplin, Missbrauch: „Die Routinen“ von Son Lewandowski

In „Die Routinen“ zerlegt Son Lewandowski den internationalen Leistungsturnsport als System radikaler Körperdisziplinierung.

Im Zentrum steht die Turnerin Amik, deren Alltag von Gewichtskontrolle und permanenter Grenzüberschreitung geprägt ist.

Lewandowski verwebt in ihrem Debütroman fiktionale Verdichtung mit realen Missbrauchsskandalen aus der Turnwelt und entlarvt die glitzernde Oberfläche olympischer Erzählungen als Fassade struktureller Gewalt.

Rekonstruktion eines Lebens von Autorin Helene Bukowski

Helene Bukowski erzählt die Geschichte einer jungen Pianistin, die in der DDR unter maximalem Leistungsdruck aufwuchs und 1985 Suizid beging.

Bukowski rekonstruiert in ihrem dritten Roman „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ das Leben von Christina, die an einer Spezialschule für Musik in der DDR ausgebildet und gedrillt wurde, später in Moskau studierte.

Der Roman ist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 nominiert.

Unterwegs zur Souveränität: „Wir Königinnen“ von Anja Gmeinwieser

Zwei Frauen, ein Lkw, Kühe auf dem Weg nach Osten: „Wir Königinnen“ verbindet Road-Novel mit Western-Motivik, deutet die aber neu und weiblich um.

Die Ich-Erzählerin und die Speditionsfahrerin Anna begegnen sich durch Zufall. Als Schicksalsgemeinschaft durchqueren sie mit dem Tiertransport europäische Transitlandschaften.

Ausgezeichnet mit dem Fuldaer Literaturpreis, überzeugt Gmeinwiesers Debüt durch sprachliche Präzision und gesellschaftliche Sensibilität.

Täterin oder Opfer? „Sicheres Haus“ von Marina Vujčić

Der erste Satz ist eindeutig: Lada hat ihren Ehemann getötet. Doch „Sicheres Haus“ ist kein Krimi, sondern eine präzise Studie häuslicher Gewalt. Nun sitzt sie in einem Frauengefängnis in Požega, wo sie das Gefängnis ihrer Ehe rekonstruiert.

Mascha Dabić hat den Roman aus dem Kroatischen ins Deutsche übersetzt. Sie weiß: Paradoxerweise erfährt Lada Sicherheit erst hinter Gittern.

Der Roman erzählt von einem verhinderten Femizid und dekonstruiert mediale Opferbilder. Im Gespräch erläutert Übersetzerin Mascha Dabić die erzählerische Raffinesse.

 „Gelbe Monster“ von Clara Leinemann: Weibliche Gewalt

Charly, Mathematikstudentin, besucht ein Antiaggressionstraining für Frauen. Ihre Beziehung mit Freund Valentin ist zerbrochen.

„Gelbe Monster“ erzählt mit Witz und analytischer Schärfe von toxischen Liebesidealen und emotionaler Abhängigkeit. Leinemann entwirft in ihrem Debütroman eine ambivalente Antiheldin, die sich ihrer eigenen Verantwortung stellen muss. Und dabei ganz schön wütend wird.

Gespräch Vier Jahre Krieg gegen die Ukraine – Wie wird über den Krieg geschrieben?

Schreibblockaden, Sprachlosigkeit und der Versuch, den Schrecken in Worte zu fassen: Ukrainische Autorinnen und Autoren gehen unterschiedlich mit dem mittlerweile vier Jahre andauernden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine um.
Leben als ukrainische Hausärztin in Deutschland – Iryna Fingerovas Roman „Zugwind“
Eine von ihnen ist Iryna Fingerova. Sie kam 2018 aus Odesa nach Deutschland und arbeitet als Ärztin in Dresden. Außerdem schreibt sie. Gerade ist ihr dritter Roman erschienen. In „Zugwind“ erzählt sie von einer Frau, die ihr nicht unähnlich ist: Mira Zehmann kommt auch aus Odesa und lebt als Hausärztin in Deutschland. Ihre Praxis wird zu einer Anlaufstelle für ukrainische Geflüchtete. Einige kommen, weil sie einfach jemanden zum Reden brauchen. Die meisten aber wünschen sich von der Ärztin ein Mittel, das sie sofort gesund macht. Die Diagnose, die alle teilen, lautet: Krieg. Was die Flucht aus der Ukraine mit den Menschen macht, davon erzählt Fingerova als Ärztin mit einer sachlichen, genauen Art. Aber auch mit einem sehr menschlichen Blick.

SWR Kultur am Morgen SWR Kultur

Porträt einer Jahrhundertfrau Schriftstellerin Monique Lévi-Strauss feiert 100. Geburtstag

Sie blickt auf ein bewegtes Leben zurück: Eine Jugend unter Nazis in der Westeifel, ihre Ehe mit Claude Lévi-Strauss und eine späte Karriere als Textilhistorikerin. Nun wird sie 100.

SWR Kultur am Mittag SWR Kultur

Newsletter SWR Kultur lesenswert Newsletter – jetzt kostenlos abonnieren!

Wenn Sie regelmäßig den SWR Kultur lesenswert Newsletter erhalten möchten, tragen Sie sich bitte in unseren Verteiler ein. Dieser Service ist kostenlos.

Erstmals publiziert am
Stand
Moderator/in
Nina Wolf
Redakteur/in
Nina Wolf