Körper, Disziplin, Missbrauch: „Die Routinen“ von Son Lewandowski
In „Die Routinen“ zerlegt Son Lewandowski den internationalen Leistungsturnsport als System radikaler Körperdisziplinierung.
Im Zentrum steht die Turnerin Amik, deren Alltag von Gewichtskontrolle und permanenter Grenzüberschreitung geprägt ist.
Lewandowski verwebt in ihrem Debütroman fiktionale Verdichtung mit realen Missbrauchsskandalen aus der Turnwelt und entlarvt die glitzernde Oberfläche olympischer Erzählungen als Fassade struktureller Gewalt.
Schmerzen auf dem Schwebebalken: Son Lewandowskis Debütroman „Die Routinen“
Rekonstruktion eines Lebens von Autorin Helene Bukowski
Helene Bukowski erzählt die Geschichte einer jungen Pianistin, die in der DDR unter maximalem Leistungsdruck aufwuchs und 1985 Suizid beging.
Bukowski rekonstruiert in ihrem dritten Roman „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ das Leben von Christina, die an einer Spezialschule für Musik in der DDR ausgebildet und gedrillt wurde, später in Moskau studierte.
Der Roman ist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 nominiert.
Helene Bukowski: „Ich bin sehr dafür, dass jede Generation einen Blick in die DDR wirft“
Unterwegs zur Souveränität: „Wir Königinnen“ von Anja Gmeinwieser
Zwei Frauen, ein Lkw, Kühe auf dem Weg nach Osten: „Wir Königinnen“ verbindet Road-Novel mit Western-Motivik, deutet die aber neu und weiblich um.
Die Ich-Erzählerin und die Speditionsfahrerin Anna begegnen sich durch Zufall. Als Schicksalsgemeinschaft durchqueren sie mit dem Tiertransport europäische Transitlandschaften.
Ausgezeichnet mit dem Fuldaer Literaturpreis, überzeugt Gmeinwiesers Debüt durch sprachliche Präzision und gesellschaftliche Sensibilität.
In diesem Roman hat Bud Spencer nichts verloren: Anja Gmeinwiesers „Wir Königinnen“
Täterin oder Opfer? „Sicheres Haus“ von Marina Vujčić
Der erste Satz ist eindeutig: Lada hat ihren Ehemann getötet. Doch „Sicheres Haus“ ist kein Krimi, sondern eine präzise Studie häuslicher Gewalt. Nun sitzt sie in einem Frauengefängnis in Požega, wo sie das Gefängnis ihrer Ehe rekonstruiert.
Mascha Dabić hat den Roman aus dem Kroatischen ins Deutsche übersetzt. Sie weiß: Paradoxerweise erfährt Lada Sicherheit erst hinter Gittern.
Der Roman erzählt von einem verhinderten Femizid und dekonstruiert mediale Opferbilder. Im Gespräch erläutert Übersetzerin Mascha Dabić die erzählerische Raffinesse.
„Die Geschichte eines verhinderten Femizids“: Marina Vujčićs „Sicheres Haus“
„Gelbe Monster“ von Clara Leinemann: Weibliche Gewalt
Charly, Mathematikstudentin, besucht ein Antiaggressionstraining für Frauen. Ihre Beziehung mit Freund Valentin ist zerbrochen.
„Gelbe Monster“ erzählt mit Witz und analytischer Schärfe von toxischen Liebesidealen und emotionaler Abhängigkeit. Leinemann entwirft in ihrem Debütroman eine ambivalente Antiheldin, die sich ihrer eigenen Verantwortung stellen muss. Und dabei ganz schön wütend wird.
Debütroman über weibliche Gewalt: Clara Leinemann „Gelbe Monster“