Ex-Präsident Bill Clinton und seine Frau Hillary Clinton, ehemalige Außenministerin, sagen diese Woche vor Abgeordneten des US-Parlaments aus, nachdem sie sich lange dagegen gesträubt hatten. Könnte ihre Aussage gesellschaftliche Veränderungen anstoßen?
Bewusstsein muss geschärft werden
Obwohl viele angesichts des Epstein-Skandals fassungslos seien, hätte sie sich einen größeren, kollektiven Aufschrei gewünscht, sagt Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal in SWR Kultur,
Neben den klar benennbaren Verbrechen wie die Vergewaltigung Minderjähriger gäbe es einen großen Graubereich, in dem Licht ins Dunkel gebracht werden müsse: „Wie können wir sagen: das ist juristisch noch kein Verbrechen, aber es ist trotzdem falsch und wir haben ein Bewusstsein dafür? Das ist etwas, was wir uns als Gesellschaft ganz klar auf die Fahnen schreiben müssen.“
Vergewaltigung beim Namen nennen
Die Opfer würden seit Jahren versuchen, dafür Aufmerksamkeit zu bekommen. Doch es fehle auch an der richtigen Sprache. Immer wieder heißt es in den Medien, Epstein hätte „Sex mit minderjährigen Frauen“ gehabt. Mithu Sanyal macht das wütend: „Das sind Mädchen, das sind keine Frauen. Sex mit minderjährigen Frauen ist de jure Vergewaltigung, das sollte man beim Namen nennen.“
Es gehe um echte Verbrechen und keine Kavaliersdelikte. Das klar zu benennen, dafür fehle die Sprache, beobachtet Sanyal und stellt fest: „Wie sollen wir es dann angemessen aufarbeiten?“ Sie plädiert dafür, Anklagen der Opfer ernst zu nehmen. Auch die, die sich gegen die politische und wirtschaftliche Elite richten.
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Wer sich als interessierter Laie versucht, einen Überblick über die frei im Netz zugänglichen Dateien zum Fall des mehrfach verurteilten Sexualstraftätesr Jeffrey Epstein zu verschaffen, steht zunächst mal vor einem gigantischen Datenberg aus Millionen Einzeldateien: Dokumente mit Zeugenaussagen, Fotos, Videos – zu viel um sie alle zu sichten.
Wie aber finden sich Profis in dem Datendschungel zurecht? Einer alleine könne das nicht bewältigen, sagt Investigativjournalistin Verena von Ondarza vom NDR im Gespräch mit SWR KULTUR: „Deswegen haben wir als Redaktion uns entschieden, die Daten komplett runterzuladen, um sie besser durchsuchbar zu machen“, um gezielt nach wirtschaftlichen Verbindungen zu recherchieren.
Besonders brisant ist der rekonstruierte Versuch Epsteins, 2009 über Mittelsmänner seiner damaligen Hausbank JPMorgan Chase die angeschlagene Privatbank Saal Oppenheim zu übernehmen. Zudem war Epstein ab 2013 Kunde der Deutsche Bank – obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits verurteilt war – eine Geschäftsbeziehung, die erst nach seiner erneuten Festnahme beendet wurde. Ein Fehler, wie die Deutsche Dank später bekannt gab.
Dass sich die Sexualverbrechen Epsteins von seinen Finanzgeschäften trennen lassen, scheint ausgeschlossen:
„Nein, also ich würde sagen, auf jeden Fall nicht“, sagt von Ondarza und verweist darauf, dass sein durch Kindesmissbrauch und Menschenhandel aufgebautes Netzwerk für Banken wie die Deutsche Bank offenbar als Türöffner in die Welt der Superreichen galt.
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