Ob Hokkaido, Butternut, Patisson, Muskat oder Kabocha – kaum ein Gemüse ist so vielseitig und vielgestaltig wie der Kürbis. In seinen heute genutzten Varianten stammt er aus Amerika. Nach Europa kam er erst im 16. Jahrhundert nach der sogenannten Entdeckung des Kontinents unter Christoph Kolumbus.
Als Zier- und Nutzpflanze wird der Kürbis auch in der „Alten Welt“ seit langem angepflanzt. Literarisch verewigt wurde er etwa in Charles Perraults Fassung des „Aschenputtel“-Märchens, wo die gute Fee aus dem Gewächs eine schöne Kutsche macht.
In Amerika bauten die europäischen Siedler den nahrhaften Kürbis früh in ihren Speiseplan ein. Deshalb gehört er etwa in den USA bis heute besonders zu Thanksgiving auf den Tisch. Was der Kürbis sonst noch so alles kann:
- Was hat der Kürbis mit Halloween zu tun?
- Wohliger Trendsetter: Pumpkin Spice Latte
- Was der Kürbis in der Küche kann
- Kunstwerk Kürbis: Von Stillleben bis Yayoi Kusama
- Der musikalische Kürbis: Instrumente und Kürbis-Sänger
Der Hit zu Halloween
Für viele Deutschen dürfte die erste Begegnung mit dem Kürbis keine kulinarische, sondern eine optische gewesen sein: Sitcoms aus den USA machten die Frucht in den 1990er-Jahren Halloween auch in Deutschland populär, vor allem in Form des Jack O’Lantern.
Die in einen ausgehölten Kürbis geschnitzte Grimasse ist zum internationalen Sinnbild für die Halloween-Nacht geworden. Die Tradition wird meist auf eine irische Legende zurückgeführt:
Der gerissene Trunkenbold Jack trickst den Teufel mehrfach aus, bis dieser ihm schwört, niemals seine Seele zu holen. Nach seinem Tod wird Jack im Himmel abgewiesen und auch der Teufel ist an seinen Schwur gebunden: Der Weg in die Hölle bleibt versperrt. Doch eine Kohle aus dem Höllenfeuer, die Jack in eine Rübe steckt, soll ihm den Weg zurück zur Erde weisen und ihn fortan durch die Nacht führen.
Wem ein großer Kürbis zum Schnitzen zu schade ist: Eine ähnliche Herbsttradition gab es auch schon vor dem Halloween-Boom in Deutschland. Gerade im Südwesten waren in Zucker- und Futterrüben geschnitzte Rübengeister bereits lange vor Halloween Brauch.
Halloween: Kürbis schnitzen leicht gemacht
Wie schnitzt man das gruselige Gesicht in den Kürbis? Welche Werkzeuge sind am besten geeignet? Und wie bleibt das Kürbis-Kunstwerk länger haltbar? Hier sind unsere Tipps und Tricks.
Ein würziger Trendsetter
Der Duft zieht durch alle Coffeeshops, sobald sich die ersten Blätter gelblich verfärben: Die Pumpkin Spice Latte ist ein jahreszeitliches Trendgetränk und für viele der geschmackliche Start in die kalte Jahreszeit.
Doch Kürbis findet sich meistens gar nicht in der Gewürzmischung, mit der klassischerweise der Pumpkin Pie, der amerikanische Kürbiskuchen, gewürzt wird. Meist besteht sie aus Zimt, Muskatnuss, Ingwer, Gewürznelke und Piment.
Der Kuchen ist uramerikanisch: Das erste amerikanische Kochbuch, in dem ein Rezept für Pumpkin Pie zu finden ist, erschien wenige Jahre nach der Unabhängigkeit Amerikas: In Amelia Simmons‘ „American Cookery“ aus dem Jahr 1796 findet sich ein Rezept, das mit Melasse, Muskatnuss, Muskatblüte und Ingwer zu würzen ist.
Neben dem Kürbisgewürz-Kaffee hat sich der Trend auch längst auf andere Produktkategorien ausgeweitet: Duftkerzen, Cocktails und auch Zahncreme sollen nach Kürbiskuchen schmecken und riechen; Wandfarben und Fingernägel strahlen im sattwarmen Orange des Kuchens.
Kulinarischer Tausendsassa
Aber der Kürbis kann auch kulinarisch weitaus mehr als Trägermasse für elaborierte Gewürzmischungen. Tatsächlich ist der Kürbis so vielseitig wie kaum ein anderes Gemüse.
Der mehlige Hokkaidokürbis etwa eignet sich hervorragend für Pürees oder sämige Kürbissuppen. Letztere wird nicht zuletzt mit einem Schuss steirischen Kürbiskernöls zum absoluten Herbst-Comfort-Food – mehr Hygge passt in keine Suppenschüssel!
Auch süß-sauer eingelegt, als knuspriges Kürbis-Tempura, im Risotto oder als Ofengemüse weiß der Kürbis zu überzeugen. Hier darf’s dann gerne der fein-nussige Butternut oder der aromatische Muskatkürbis sein. Oder für Experimentierfreudige: der Ufo-artige Patisson oder der Spaghettikürbis.
Und wenn es denn doch mal süß sein soll: Auch in Puddings, Muffins oder im Plunderteig weiß der Kürbis zu überzeugen.
Vom Auflauf bis zur Süßspeise Kreative Kürbisrezepte für jeden Geschmack
Kürbis lässt sich so vielfältig in der Küche verwenden. Deshalb stellen wir hier leckere Vorspeisen, Suppen, Currys, Risottos, Nudelgerichte und Süßspeisen mit Kürbis vor.
Kürbis kann auch Kunst
Der vielseitige Kürbis hat auch längst seinen Weg in die Kunst gefunden. Künstler im 17. Jahrhundert verewigten das Gemüse wegen seiner Grün- und Orangetöne und der pockigen Schale gerne in Stillleben.
Für die japanische Künstlerin Yayoi Kusama ist der japanische Kabocha-Kürbis eine große Inspiration. Er findet sich immer wieder in ihren Werken, gerne mit den für sie typischen Polka-Dots verziehrt.
„Kürbisse sind mir seit meiner Kindheit ein großer Trost“, erklärte die japanische Künstlerin ihre Liebe zu den Kürbisgewächsen. „Sie sind so zart anzufassen, so ansprechend in Farbe und Form. Sie sind bescheiden und amüsant zugleich und erzählen mir von der Freude am Leben.“
Aktuell widmet sich eine Ausstellung in der Basler Fondation Beyeler den Werken der 96-jährigen Künstlerin aus Matsumoto. Natürlich dürfen ihre Kürbisse dabei nicht fehlen.
Ein Gemüse mit Rhythmus
Doch bei weitem kann der Kürbis nicht nur Stillleben, Laut geben kann er nämlich auch! In Brasilien gehört die Rassel Cabaça zu den tradtionellen Rhythmusinstrumenten. Als Resonanzkörper des Instruments dient klassischerweise der Fruchtkörper des gleichnamigen Flaschenkürbisses.
Auch der westafrikanischen Kora, einer traditionellen Harfenlaute aus Gambia und Senegal, dient der mit einer Tierhaut bespannte Kalebassenkürbis als Korpus.
Wem das zu viel Weltmusik ist und wer nach all dem Kürbis die Frucht am liebsten gegen die Wand klatschen würde, dem seien zu guter Letzt die Alternative-Rocker von „The Smashing Pumpkins“ um Billy Corgan ans Herz gelegt. Beim Kürbis ist halt auch musikalisch für jeden Geschmack was dabei.