Lieber Herr Kulturstaatsminister ...
bitte argwöhnen Sie nichts Schlechtes. Dass ich Sie durch den Kakao des linksextremen Meinungskartells ziehen möchte oder so etwas.
Im Gegenteil, lieber Herr Staatskulturminister. Eigentlich wollte ich diesen Beitrag sogar vorab selbst zur Anzeige bringen, Sie um eine verfassungsschutzrechtliche Überprüfung bitten.
Etwas spät, ich weiß. Aber vielleicht lässt sich das ja noch einrichten – sofern Sie nicht mit dem Bundeskanzler am Tegernsee wandern oder das politische Berlin zum Ludwig-Erhard-Gipfel ihres Verlags antanzt. Ach nein, da wollte ja keiner mehr hinkommen.
Extremistische Buchhandlungen
Wie auch immer, bitte prüfen Sie – oder lassen Sie überprüfen, Herr Kulturschutzminister. Ich versichere, ich bin keine linke Buchhandlung, möchte auch keinen Preis bekommen. Eine staatliche Förderung politischer Extremisten ist also ausgeschlossen.
Und lassen Sie sich bitte von den Gerichten nicht einschüchtern – von wegen, man dürfte diese Buchläden nicht als extremistisch bezeichnen. Ich bitte Sie, man weiß doch gar nicht, mit welchem Buch man dort herauskommt, wenn man erst einmal hineingeht.
Und wo kämen wir hin, wenn wirklich jeder alles sagen oder schreiben könnte? Selbstverständlich gilt die Kunstfreiheit, aber natürlich, sicher, was denn sonst. Aber wie hat es schließlich ihr Lieblingsdichter, Friedrich Schiller, im „Don Carlos“ formuliert? „Geben Sie Gedankenfreiheitsverfassungsschutz, Sire.“
Schiller lässt sich digital nachlesen
Ich bin mir nicht sicher, ob das Zitat ganz korrekt ist. Aber, lieber Herr Staatskulturregister, das werden Sie in der Deutschen Nationalbibliothek ja schnell nachschlagen können. Dort werden schließlich die wahren Kulturschätze aufbewahrt.
Wobei die vielen Bücher dort ja ganz schön stauben und niemand begreift, warum die in Leipzig dafür ständig neuen Stauraum dazubauen wollen. Den Schiller wird man ja wohl digital nachlesen können, Kultur muss doch bezahlbar bleiben.
Tja, was wollte ich eigentlich sagen, lieber Herr Kultursparminister? Ach ja, herzlichen Glückwunsch zum ersten Amtsjahr! Ad multos annos, wie der alte Grieche sagt. Bitte schützen Sie weiter unsere Kultur – solange Sie den Eindruck haben, sie sei schützenswert. Sonst, – schaffen Sie sie einfach ab.
Kontroverse Diskussion im Haus der Kulturen der Welt Jan Böhmermann vs. Kulturstaatsminister Weimer: Streit um Chefket-Konzert und Kunstfreiheit
Handyverbot und hitzige Wortgefechte: Im Berliner Haus der Kulturen der Welt diskutierten Jan Böhmermann und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer über Kunst, Politik und Sprache.