Fünf Jahre nach der Verurteilung von Deniz Yücel zeigt sich: Für unabhängige Journalistinnen und Journalisten ist die Lage in der Türkei heute nach wie vor problematisch. „Man kann zwar immer noch Kritik äußern, aber man zahlt dann auch den Preis“, sagt Katharina Weiß von Reporter ohne Grenzen.
Präsidentschaftsvorwahl löste Verhaftungswelle aus
Nach der jüngsten Festnahmewelle kritischer Medienschaffender, ausgelöst durch die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu nach seiner Vorwahl zum türkischen Präsidentschaftskandidaten, haben sich die Repressionen erneut verschärft.
Besonders Online-Medien, YouTube-Kanäle und soziale Netzwerke sind zu wichtigen Plattformen für regierungskritische Stimmen geworden. Doch auch dort agieren viele unter großer Unsicherheit. „Gesetze werden instrumentalisiert, um prominente Journalistinnen und Journalisten mundtot zu machen“, so Weiß.
Exempel statuiert
Fälle wie der des verhafteten TV-Journalisten Fatih Altay verdeutlichten das systematische Vorgehen der Behörden. „Er wurde festgenommen, um ein Exempel zu statuieren.“ Auch internationale Reporter wie der Schwede Joakim Medin sind betroffen. Weiß kommt zu dem Schluss: „De facto gibt es keine Pressefreiheit mehr in der Türkei.“
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Feature Back to zero – Journalisten im deutschen Exil
Deutschland ist Zufluchtsort für hunderte Journalistinnen und Journalisten geworden, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten. Viele versuchen nun von hier aus, die Verhältnisse in ihren Herkunftsstaaten zu verbessern. Kann das gelingen? Ein türkischer Journalist betreibt aus einem süddeutschen Dorf einen regierungskritischen Youtube-Kanal, der in der Türkei Millionen Follower hat. Ein russischer Fotograf arbeitet in Leipzig an Bildergalerien über den Angriffskrieg gegen die Ukraine, wie sie in Russland nicht zu sehen sind. Wie viel Einfluss hat der Journalismus aus dem Exil?
Von Patrick Batarilo
WDR 2024
Feature Julian Assange – Der letzte Akt
Nach sieben Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London und vier Jahren im Belmarsh-Gefängnis ist Julian Assange, der Gründer der Plattform „WikiLeaks“, 2024 freigekommen. Eine Gruppe internationaler Aktivist*innen unterstützte Assange über all die Jahre in seinem Kampf gegen seine Auslieferung in die USA. Dort drohten ihm wegen der Veröffentlichung geheimer militärischen Dokumente 175 Jahre Haft.
Eine der Unterstützer:innen war die deutsche Theaterregisseurin Angela Richter. Ab September 2020 führte sie ein Audio-Tagebuch, aus dessen Auszügen das mitreißende Feature entstand.
Von Zoran Solomun
SWR 2025