Er fährt von einem Auftrittsort zum nächsten. Die vielen Zugreisen nutzt Philipp Hochmair, um runterzukommen. „Da kühle ich ab, rücke mich zurecht, stelle mich neu ein auf Orte und Menschen“.
Zum zweiten Mal in Folge gibt der Österreicher den Jedermann bei den diesjährigen Salzburger Festspielen. Eine Traumrolle, die aber auch extreme Ansprüche stellt. Hochmair bezeichnet die Bühne vor dem Salzburger Dom als „Herdplatte“. Dort haben schon viele hervorragende Kollegen gestanden und wurden kritisch beäugt, verglichen, be- und verurteilt.
In Worms will er einem alten Klassiker neuen Klang geben
Auf Konzert- und Theaterbühnen sind klassische Stoffe der Literatur seine Spezialität. Als Teil des musikalischen Rahmenprogramms der Nibelungenfestspiele in Worms wird Hochmaier seine spezielle Version des „Hagestolz“ zum Besten geben. Allerdings nicht als Schauspieler.
Gemeinsam mit seiner Band „Die Elektrohand Gottes“ führt er eine musikalische Adaption des Klassikers von Adalbert Stifter auf. Mit einem gewissen Abstand, aber auch mit tiefer Verehrung für den Autor. „Wir bedienen uns aus Stifters Steinbruch und schaffen etwas ganz Neues.“
Gerade erschienen: Seine Biografie „Hochmair, wo bist du?“
Die Autorin Katharina von der Leyen hat den Schauspieler bei seinen Salzburger Auftritten, aber auch hinter den Kulissen der Festspiele begleitet. In der Biografie „Hochmair, wo bist du?“ mischt sie diese Eindrücke mit Reiseimpressionen und Gesprächen – zum Beispiel mit den Bandmitgliedern.
Dabei gab es für Philipp Hochmair auch Überraschendes. „Die haben Sachen gesagt über mich, die ich noch nie gehört habe. Dafür bin ich dankbar.“ Es ist keine klassische Biografie, sondern „eine Bestandsaufnahme, Rückschau, Analyse, ein Innehalten und Nachdenken“.
In der Schule sprang er auf den Tisch – seine erste Bühne
Als Kind nahm ihn die Mutter öfter mit, wenn sie als Ärztin im Wiener Burgtheater arbeitete. Diese Atmosphäre faszinierte den kleinen Philipp. Nachdem er mit einer spontanen Textrezitation in der Schule von sich reden machte, reifte der Plan, Schauspieler zu werden.
Während seines Zivildienstes im Altersheim bereitete er sich intensiv auf die Aufnahmeprüfung am Max Reinhardt Seminar vor – und wurde genommen. Klaus Maria Brandauer zählte zu seinen Lehrern.
Seit seinem Abschluss in Wien geht es steil bergauf. Philipp Hochmaier gibt im Film den blinden Kommissar genauso wie den grausamen SS-Mann oder Golo Mann.