Die Begeisterung für Kunst wurde Stefanie Patruno nicht in die Wiege gelegt. Aber schon in der Grundschulzeit nahm die Familie einer Freundin sie immer wieder mit in die Kunsthalle Mannheim.
„Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen allerersten Museumsbesuch“, erzählt Patruno. „Da stand ich vor einem Werk von Otto Dix, dem kleinen ‚Streichholzhändler‘. Und ich glaube schon, dass solche frühen Begegnungen mit Kunst prägen können.“
Wenn Schulkinder nicht in die Galerie kommen, kommt die Galerie zu ihnen
Aus dieser eigenen Erfahrung heraus legt Stefanie Patruno großen Wert auf ein gutes und breites Kunstvermittlungsprogramm – jetzt wo sie selbst ein Museum leitet.
Ihr ist es wichtig, dass alle Grundschulkinder in Karlsruhe wenigstens einmal ins Museum kommen. Und wenn die Schule partout keinen Ausflug ins Museum organisieren kann, dann kommt das Museum eben zur Schule, mit einem Lasten-Fahrrad voller Kunstwerke und Bastelutensilien.
Für Azubis und Studierende gibt es kostenlose „Art Nights“, Kunstnächste mit Kurzführungen, Drinks und DJs. Für Eltern und Babys spezielle Känguru-Touren.
Was Patruno gelernt hat: „Flexibel bleiben“
Die Vermittlungsarbeit bindet viele Kräfte, aber sie ist heutzutage eine der wichtigsten Aufgaben, betont Stefanie Patruno. Da die Städtische Galerie Karlsruhe ein eher kleines Haus ist, muss sie genau überlegen, wo sie ihre Schwerpunkte setzt: „Das ist das, was ich in den letzten vier Jahren hier gelernt habe: flexibel zu bleiben.“
Mit ihrem Team konzentriere sie sich zum einen auf partizipative Vermittlungsangebote und auf Aufenthaltsqualität in den Ausstellungen. „Um da von Jahr zu Jahr zu schauen, wo wir ganz flexibel ansetzen: Was wollen wir weiterentwickeln? Was wollen wir neu hineingeben? Aber dazu braucht es natürlich auch ein Team im Rücken, dass sich darauf einlässt, so flexibel zu reagieren.“
Über 20.000 Werke besitzt die Städtische Galerie Karlsruhe
Einen neuen inhaltlichen Schwerpunkt hat Stefanie Patruno auf die Fotografie gelegt. Denn Fotokunst ist niedrigschwellig – so ihre Erfahrung. Aber sie möchte auch intensiv mit der hauseigenen Sammlung arbeiten.
Über 20.000 Werke besitzt die Städtische Galerie Karlsruhe, mit Schwerpunkt auf deutscher Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Denn traditionellerweise gibt es eine enge Verbindung zur Kunstakademie Karlsruhe.
Stefanie Patruno hat, seit sie das Museum leitet, bereits große Einzelausstellungen mit Marcel van Eden, Ulla von Brandenburg, Leni Hofmann und Kalin Lindena realisiert, die alle an der Kunstakademie Karlsruhe lehren.
Und auch die jungen Absolventen der Akademie bekommen regelmäßig Platz im Projektraum der Städtischen Galerie. Dieser ist für Besucher sogar kostenlos zugänglich.
Riesiger Lichthof bietet Raum für Großformatiges und kleine Kojen
Stefanie Patruno hat von Anfang darauf geachtet, die Räume des Hauses optimal zu nutzen. Den riesigen Lichthof im Erdgeschoss nutzt sie während der Sonderausstellungen für spektakuläre Interventionen oder baut kleine Kojen ein, während im ersten und zweiten Obergeschoss die ständige Sammlung zu sehen ist. Wobei im besten Fall immer Synergien entstehen.
„Das macht unser Museum schon sehr stark aus“, so Patruno, „dass man – egal an welchem Ort man sich gerade befindet – ins erste und zweite OG hochschauen und dort schon Ankerpunkte in die Sammlung wahrnehmen kann. Das meine ich auch mit den Dialogen und dem Verknüpfenden.“
Gut aufgestellt für die Sanierungsarbeiten in den Karlsruher Museen
Stefanie Patruno hat ihr Haus bestens aufgestellt und kann sich mit ihrem ehrgeizigen Programm durchaus mit den übrigen Museen der Stadt messen.
Dass die Staatliche Kunsthalle und bald auch das Badische Landesmuseum wegen umfassender Sanierungsarbeiten für mehrere Jahre geschlossen bleiben, sieht sie zwar für den Kunst-Standort Karlsruhe als Problem, aber für ihre kleinere Städtische Galerie auch als Chance.
Stefanie Patruno: „Dieses Standing haben wir vielleicht jetzt nach vier Jahren, um zu sagen: Wir können diese Lücke, die da in den nächsten Jahren in der Kulturlandschaft entsteht, auch in den nächsten Jahren füllen.“