Zwischenwelten und Wüstenlandschaften

Wie im Fiebertraum: Pierre Huyghe entwirft in der Fondation Beyeler eine posthumane Zukunft

Der französische Künstler Pierre Huyghe ist bekannt für Installationen, die alles andere als gewöhnlich sind. Das Zusammenspiel von Mensch und Technologie, Realität und Fiktion, macht seine Werke zu unvorhersehbaren Erlebnissen. Speziell für die Räume der Fondation Beyeler hat er eine große Ausstellung konzipiert.

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Von Autor/in Kathrin Hondl

Der Atem des Künstlers ist hör- und spürbar

Der Künstler ist anwesend. Sein Atem ist überall in der Ausstellung zu hören und mit ein bisschen Fantasie auch zu spüren: Aus Löchern in den Wänden strömt zum Atemgeräusch auch ein Luftzug.

Installationsansicht, Pierre Huyghe
Pierre Huyghe, schwimmender Stein. Pressestelle Fondation Beyeler | Ola Rindal

In einem Aquarium liegt unter einem schwimmenden Vulkanstein das Objekt, das den allgegenwärtigen Atem produziert: Ein weißlich schimmerndes, amorphes Ding, eine Art künstliche Lunge, die sich immer wieder rhythmisch pumpend aufbläht, programmiert nach Tonaufnahmen der Atmung von Pierre Huyghe.

Wie ein beunruhigender Traum

Im selben Rhythmus verändern sich auch die Glaswände zwischen den Ausstellungsräumen. Sie werden abwechselnd undurchsichtig wie dichter Nebel und lichten sich wieder.

Installationsansicht, Pierre Huyghe
Dichter Nebel umspielt die Räume in der Fondation Beyeler – und lichtet sich wieder. Pressestelle Fondation Beyeler | Ola Rindal

Es ist eine seltsame Zwischenwelt, die Pierre Huyghe hier in der Fondation Beyeler inszeniert hat. „Wie ein Traum, der gleichzeitig angenehm und ein wenig düster ist, mit einer beunruhigenden Fremdheit“, sagt Kuratorin Mouna Mekouar. „Und wie im Traum kann man sich nicht alles erklären. Die Ausstellung wirft viele Fragen auf, versucht aber nicht zwangsläufig, sie zu beantworten.“

Der Platz des Menschen in der Technik

Im Film „Liminals“ sehen wir eine weibliche Figur mit einem schwarzen Loch anstelle des Gesichts. Das von KI generierte Wesen bewegt sich in einer düsteren Wüstenlandschaft – gräbt mit den Händen in matschiger Erde und scheint, obwohl gesichtslos, irgendwie existieren zu wollen. Der Soundtrack dazu wurde mit einem Quantencomputer erzeugt.

„Spekulative Fiktionen“ nennt Pierre Huyghe seine Werke. In den aufwändig produzierten Filmen geht es immer wieder um die Frage nach dem Platz des Menschen in einer von Technologie dominierten Welt.

Pierre Huyghe, Human Mask, 2014, Film
Pierre Huyghe, Human Mask, 2014, Film. Pressestelle Fondation Beyeler © Pierre Huyghe, represented by ProLitteris (CH) / ADAGP (FR)

In „Human Mask“ aus dem Jahr 2014 sehen wir ein Äffchen mit einer Mädchen-Maske, das in verlassenen Gebäuden im Katastrophenort Fukushima herumirrt. In „Camata“ von 2024 liegt ein Skelett in der Landschaft der Atacama-Wüste in Chile, der trockensten Wüste der Welt. Um das Gerippe herum zelebrieren Roboter und Maschinen eine Art langsamen Totentanz.

Eine düstere Vision der Zukunft

Die menschliche Existenz sei in den Fiktionen von Pierre Huyghe nur ein Element von vielen, sagt Kuratorin Mouna Mekouar. „In den Aquarien hier haben wir Vulkansteine, die über 500 Millionen Jahre alt sind, dazu ebenso alte kleine Krebstiere. In diesen Zeitdimensionen ist die Rolle des Menschen fast schon vergänglich.“

Die posthumane Zukunft, die der Künstler Pierre Huyghe in der Fondation Beyeler entwirft, mag düster erscheinen und ist zugleich auch ein wunderbarer Raum der Möglichkeiten. Und sei es nur die Möglichkeit, sich für eine gewisse Zeit in faszinierende „spekulative Fiktionen“ zu versenken und über neue Wege, eine andere Zukunft nachzudenken. Oder einfach mal tief durchzuatmen.

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Kathrin Hondl