In einem Ausstellungsraum läuft ein Video auf einem Bildschirm, das im Kunstmuseum gedreht worden ist: Ein Mann ist darauf zu sehen, der offensichtlich als Aufseher im Museum arbeitet.
Ständig weist er im menschenleeren Museum die imaginären Besucherinnen und Besucher daraufhin, Abstand von den Kunstwerken zu halten oder Taschen bitte an der Garderobe abzugeben – bis er irgendwann fast verrückt wird und singend durch das Museum tanzt.
Es handelt sich um das Werk „En garde“ der Künstlerin Cassidy Toner, die diesjährige Preisträgerin des Manor-Kunstpreises, eines der wichtigsten Förderpreise für zeitgenössische Kunst in der Schweiz. Die 1992 geborene US-Amerikanerin lebt in Basel und nahm den mit 15.000 Schweizer Franken dotierten Preis entgegen.
Mit dem Preis verbunden ist zudem eine Ausstellung im Basler Kunstmuseum mit einem Dutzend Keramikskulpturen, einer Installation mit Gussobjekten und besagtem Videokunstwerk.
Mit dem Film „En garde“ richtet Cassidy Toner den Blick des Publikums auf das vermeintliche Nebensächliche. Aber nicht nur das, sagt Alice Wilke, Kuratorin des Kunstmuseums Basel: Die Künstlerin sei ein großer Fan von George Kuchar, einem Avantgarde-Filmemacher der Siebzigerjahre, von dessen Film „I, An Actress“ das Werk inspiriert sei.
Verzweifeln und Scheitern als Themen von Cassidy Toner
Verzweifeln, Scheitern, nicht mit der Arbeit fertig werden – diesen Themen widmet Cassidy Toner einen eigenen Raum mit einer Installation namens „Zurück in fünf Minuten“.
Dazu gehört ein Zigarettenautomat, vermeintlich am Boden liegen gelassenes Werkzeug – ein Hammer und ein mit weißer Farbe verschmierter Spachtel. Die Objekte sind zwar aus Zinn gegossen, aber so kunstvoll bemalt, dass sie wie echtes Werkzeug aussehen.
Es wirkt, als ob Handwerker es beim fluchtartigen Aufbruch einfach vergessen hätte. Auch das hat die Künstlerin mit einem Augenzwinkern inszeniert: „Alles ist gestellt, wirkt realistisch, es sieht absichtlich unvollendet aus“, als hätte sie etwas nicht fertig gestellt.
Sechszehn handgroße Keramikskulpturen
Wie sich schon im Eingangsbereich besichtigen lässt, hat Cassidy Toner eigens für ihre Ausstellung als Preisträgerin des Manor-Kunstpreises hingegen offensichtlich einiges fertiggestellt: nämlich sechszehn handgroße Keramikskulpturen.
Darunter eine täuschend echt wirkende, auf den Kopf gestellte Plastiktüte, einen orange-grüner Baumstamm mit abgesägten Ästen oder ein sitzendes schwarzes Männchen, das sich mit der Hand an den kreisrunden Kopf fasst.
Wie Kuratorin Alice Wilke erklärt, handelt es sich bei der Keramikgurppe, die den Titel „Leaning on me/lehn dich an mich“ trägt, nicht nur um Cassidy Toners umfangreichste Keramikarbeit, auch wurde sie in einem besonders aufwändigen Verfahren hergestellt: „Die Skulpturen sind dreifach gebrannt. Sie hat sie mit Airbrush glasiert, teilweise sie sind handbemalt“.
Humor und Ironie im Werk von Cassidy Toner
Für den Titel der Ausstellung „Besides the Point“ hat sich die Künstlerin ein Wortspiel ausgedacht. Darin steckt sowohl die englische Redewendung „am Thema vorbei“ als auch die Bedeutung, dass etwas – im räumlichen Sinne – daneben ist. Auch da wird klar, dass Humor für Cassidy Toner und auch in ihrem Werk eine sehr große Bedeutung hat.
Ich möchte, dass mein Werk auf verschiedenen Ebenen funktioniert. Du musst nichts über Kunstgeschichte wissen, um Kunst zu genießen. Selbst wenn die Leute nichts verstehen, können sie trotzdem Spaß haben und lachen.
Von Cassidy Toners humorvollen Werk können sich die Besucherinnen und Besucher in den drei Ausstellungsräumen im Basler Kunstmuseum ab sofort selbst überzeugen.
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