Angesagte Mode aus Pforzheim

Empowerment mit Mode feiern – Das junge Label „Kitschy Couture“

„Kitschy Couture“ sorgt international für Aufmerksamkeit: Die neuste Ausgabe der deutschen „Vogue“ listet sie als Entdeckung, ihre Kreationen wurden bereits zur Berliner Fashion Week eingeladen. Die außergewöhnlichen Kreationen von Abarna Kugathasan und Claudia Walter erzählen auch über ihr Lebensgefühl: ein schrill-bunter Stil voller Lebensfreude, Interkulturalität und Empowerment.

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Von Autor/in Marie-Dominique Wetzel

Ein riesiger Raum mit großer Fensterfront in einer ehemaligen Fabrikhalle. Gleich am Eingang thront ein gigantischer Gummi-Schwan, an ihm hängt eine ganze Traube aus Luftballons in Herzform. Auf dem Tisch, mitten im Studio, liegen Turnschuhe und T-Shirts mit glitzernden Pailletten und aufwendigen roten Rosen-Prints. Kein Zweifel, hier ist das Atelier von „Kitschy Couture“.

Sie möge Kitsch einfach gerne, sagt Label-Gründerin Abarna Kugathasan: „Wir feiern ja mit der Ästhetik des Labels auch Kitsch total. Und ‚Couture‘, weil es dann trotzdem sehr aufwendige, auch meist von Hand gefertigte Kleider sind, die wir produzieren.“

Abarna Kugathasan hat das Modelabel „Kitschy Couture“ gleich nach ihrem Abschluss an der Hochschule Pforzheim gegründet. Die junge Modedesignerin hatte für ihre Bachelorarbeit nach einem starken, persönlichen Thema gesucht. Das war während der Corona-Pandemie.

Label „Kitschy Couture“ aus Pforzheim
Kitschy Couture-Gründerin Abarna Kugathasan (rechts) und ihre Geschäftspartnerin Claudia Walter. Pressestelle Ben Mönks

„Kitschy Couture“ feiert Diversität und Individualität

Kugathasan saß damals viel zu Hause bei ihren Eltern in der Wohnung. Dabei fiel ihr auf, dass ihre Eltern im typisch deutschen Wohnzimmer auf eine künstliche Art und Weise versucht hatten, ihre Heimat Sri Lanka nach Deutschland zu holen. „Es waren überall Plastik-Lotusblüten und Schaumstoff-Bananenpalmen“, erinnert sich die Designerin.

„Das fand ich eine voll spannende Entdeckung. Ich wollte das noch ein bisschen erkunden und gleichzeitig auf eine sehr intime Weise über mein Aufwachsen erzählen“, so Abarna Kugathasan weiter. Als Mädchen fühlte sich sie oft zerrissen zwischen ihrer Heimat Pforzheim und der Prägung durch die Herkunft ihrer Eltern aus Sri-Lanka. Erst als junge Frau erkannte sie, dass man das Beste aus beidem mischen sollte.

Heute feiert sie mit ihrer Mode Diversität und Individualität. Sie druckt in roten Strasssteinchen stolz „Immigrant“ quer auf ein weißes Tanktop, das voll mit Prints von traditionellem indischen Goldschmuck ist. Viele ihrer Kreationen sind nur für den Laufsteg gedacht oder speziell für Musikvideos und Fotostrecken in Magazinen.

Label „Kitschy Couture“ aus Pforzheim
Kreationen des Modelabels Kitschy Couture. Pressestelle Boris Marberg

Fokus auf Nachhaltigkeit und Handwerks-Qualität

Inzwischen bietet „Kitschy Couture“ auch Looks, die man auf der Straße tragen kann, erklärt die Designerin und Geschäfts-Partnerin Claudia Walter: „Natürlich ist die Gesellschaft auch sehr geprägt von Fast Fashion und den Preisen. Und da sind wir öfter auch schon auf eine Diskrepanz getroffen: Was sind Leute bereit für Kunst zu zahlen? Und wie viel sind Leute bereit für Kleidung auszugeben?“

Bisher sind alle Stücke Einzelstücke, die sie in Pforzheim selbst anfertigen. Produziert wird nur auf Bestellung. Den beiden jungen Designerinnen Abarna Kugathasan und Claudia Walther sind Individualität und Diversität genauso wichtig wie handwerkliche Qualität und Nachhaltigkeit. Das heißt: möglichst bereits schon produziertes Material zu verwenden und viel Upcycling zu betreiben.

Label „Kitschy Couture“ aus Pforzheim
Kreationen des Modelabels Kitschy Couture. Pressestelle Boris Marberg

Die „Vogue“ listet sie als Entdeckung

Mit ihren außergewöhnlichen Kreationen und der Geschichte, die sie damit erzählen, hat „Kitschy Couture“ international für Aufsehen gesorgt. Die „Vogue India“ schrieb einen Artikel über sie, es folgten Einladungen zur Fashion Week nach Berlin und diverse Fotoshootings. In der neusten Ausgabe der „Vogue Deutschland“ werden sie als Entdeckung gelistet.

Die jungen Designerinnern sind natürlich stolz auf ihren Erfolg, aber er steigt ihnen nicht zu Kopf. Sie wissen genau wie schnelllebig und hart das Modebusiness ist. Deswegen wollen sie langsam wachsen und ihrer Ursprungsidee und sich selbst treu bleiben, betont Abarna Kugathasan.

„Dadurch, dass ‚Kitschy Couture‘ so eine persönliche Geschichte ist, hat man auch das Bedürfnis, sehr vorsichtig zu sein“, sagt die junge Designerin. „Das ist ja nicht einfach nur so eine Gründungsidee. Deswegen haben wir auch einen großen Beschützerinstinkt.“

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Autor/in
Marie-Dominique Wetzel
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Dominic Konrad