Persönliche Geschichten sind einprägsam
Das Ende der Zeitzeugenschaft, wie wir sie heute kennen, ist absehbar. Die erste Sonderausstellung des 2025 gegründeten Freiburger NS-Dokumentationszentrums stellt die Frage: Wie gehen wir in Zukunft mit den Zeugnissen von Überlebenden von NS-Verfolgung um?
Es ist die Stärke der persönlichen Geschichten, die diese Zeitzeugenberichte so einprägsam machen. Doch die meisten der noch lebenden Zeitzeugen der NS-Verbrechen werden bald das Ende ihrer Lebensspanne erreichen.
Prof. Jörg Skribeleit ist Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in Ostbayern. Gemeinsam mit dem jüdischen Museum Hohenems im österreichischen Vorarlberg haben er und sein Team eine Wanderausstellung konzipiert, die jetzt in Freiburg zu sehen ist.
Ihm geht es um die Reflexion über den Umgang mit den Zeitzeugen: „Was ist denn unsere Erwartung der Gesellschaft an die Zeitzeugen? Wir wurden oft gefragt: Puh, das ist eine ziemliche Gratwanderung. Führt ihr die vor? Und wir haben gemerkt und gesagt: Wir führen eigentlich uns vor, wir halten uns den Spiegel vor.“
Zeitzeugen im Nachkriegsdeutschland ignoriert
Die Geschichte der Zeitzeugen ist komplex. In den 1950 Jahren von einem großen Teil der Gesellschaft ignoriert, in den 1960ern vielleicht in Prozessen angehört und eigentlich erst nach der Wiedervereinigung als wichtige Erinnerungsträger akzeptiert.
Das NS-Dokumentationszentrum Freiburg ist nun die achte Station der Wanderausstellung, die dieses Verhältnis zu entwirren versucht. Damit das möglichst niedrigschwellig geschieht, wird die Schau an die jeweiligen Ausstellungsorte angepasst.
Geschichten aus Freiburg und dem Südbadener Raum
Zehn Geschichten kommen nun direkt aus Freiburg oder dem Südbadener Raum, viele wurden in den 90er-Jahren geführt und sind bei der Shoa-Foundation archiviert, erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Caroline Klemm.
Auf mehreren Medienstationen in mehreren Räumen ist nun Platz für diese Geschichten. Daneben illustrieren Leihgaben wie die KZ-Jacke eines ehemaligen Häftlings auf einem Todesmarsch die Geschichten, nehmen aber keine zu prominente Rolle ein.
Zeitzeugenberichte sind mächtige, einprägsame Geschichten für Besuchende, stellen Austellungsmacherinnen und -macher aber auch vor Herausforderungen, so Klemm.
Caroline Klemm: „Diese Menschen erzählen immer ihre persönliche Wahrheit. Und die erzählen immer, wie sie die Dinge erlebt haben. Und darüber kann man ganz viel sprechen. Und es ist nicht die einzige Quelle, die wir haben. Wenn es um historische Fakten geht, kann man sich nochmal zusätzlich absichern mit anderen Quellen.
Aber es ist ganz wichtig, um zu verstehen, wie die Gesellschaft umgegangen ist mit Überlebenden nach 1945 und was beschäftigt zum Beispiel auch die Überlebenden heute in der zweiten, dritten Generation.“
Holocaust-Gedenktag am 27. Januar
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