Initiative des Anne-Frank-Zentrums

„Shoah Stories“ – Neue Plattform bündelt Social-Media-Content über den Holocaust

Das Wissen zum Holocaust nimmt immer mehr ab. NS-Gedenkstätten und Zeitzeugen wollen mit kurzen Videos bei jungen Menschen „Interesse wecken und neugierig machen“, so Robin Jahnke vom Anne-Frank-Zentrum Berlin, das die Videos auf der neuen Plattform Shoah Stories bündelt.

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Von Autor/in Robin Jahnke

Neugierig machen auf Geschichte

Robin Jahnke: „Wir wollen keine tiefgreifende Wissensvermittlung über Kurzvideos. Wir wollen Interesse wecken und neugierig machen.“

Zum einen sollen die Videos eine Antwort auf die weit verbreitete Desinformation sein. Sie sollen auch dazu beitragen, dass sich Algorithmen ändern und weniger extremistische Inhalte in die Feeds junger Menschen spülen.

Andererseits sollen die Videos dazu anregen, Gedenkstätten oder Museen zu besuchen. Kooperationen und weiterführendes Material für den Schulunterricht sind Teil des Projekts.

„Wir haben über 50 Institutionen, Gedenkstätten und Museen, die ihre Kurzvideos auf ihren Portalen zeigen. Wir bündeln das redaktionell und bieten den Lehrern dann 'Lesson Plans' an“, so Jahnke.

Gespräch Gedenken statt Erinnern – Journalistin Susanne Siegert fordert neue Erinnerungskultur

Die Journalistin Susanne Siegert klärt auf Social Media zehntausende über den Holocaust auf. 2024 wurde sie für diese Arbeit mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In ihrem neuen Buch „Gedenken neu denken“ fordert Siegert eine neue Erinnerungskultur.
Damit meine sie vor allem, so Siegert im Interview mit SWR Kultur, dass der Begriff des „Erinnerns“ voraussetze, etwas erlebt zu haben. Es gebe aber immer weniger noch lebende Zeitzeugen und Zeitzeuginnen. Stattdessen müsse man zu einer Art des Gedenkens übergehen, der ohne Überlebende funktioniert. Deswegen schlägt Siegert einen anderen Begriff vor. Zum Beispiel „Gedenkarbeit“, um zu betonen, „dass wir eben alle auch da was reinstecken müssen“.
Dazu zähle etwa ein Fokuswechsel: Weg von bekannten Schauplätzen wie Auschwitz oder prominenten Personen wie die Widerstandskämpferin Sophie Scholl – hin zu unbekannteren Tatorten und Menschen, etwa in der eigenen Familiengeschichte. Es gebe viele Perspektiven, so Siegert, die in den letzten Jahrzehnten gefehlt hätten und die man spätestens jetzt beisteuern müsse.
Man dürfe nicht vergessen, wie sehr die Nazi-Verbrechen das Land bis heute prägten:
„Wie unsere Städte heute aussehen, die Beziehungen, die wir untereinander haben in unseren Familien, aber auch das Grundgesetz ist sehr, sehr eingefärbt von den Entwicklungen und den Folgerungen aus dieser Zeit.“

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Holocaust-Gedenken Welche Bedeutung KZ-Besuche und Zeitzeugen für die Erinnerungskultur haben

Neue Studien belegen zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, dass Jugendliche immer weniger über den Holocaust wissen. Woran das liegt und wie man das ändern kann, erklärt ein Professor aus Gießen.