Neugierig machen auf Geschichte
Robin Jahnke: „Wir wollen keine tiefgreifende Wissensvermittlung über Kurzvideos. Wir wollen Interesse wecken und neugierig machen.“
Hier geht es zur Onlineplattoform „Shoah Stories“
Zum einen sollen die Videos eine Antwort auf die weit verbreitete Desinformation sein. Sie sollen auch dazu beitragen, dass sich Algorithmen ändern und weniger extremistische Inhalte in die Feeds junger Menschen spülen.
Andererseits sollen die Videos dazu anregen, Gedenkstätten oder Museen zu besuchen. Kooperationen und weiterführendes Material für den Schulunterricht sind Teil des Projekts.
„Wir haben über 50 Institutionen, Gedenkstätten und Museen, die ihre Kurzvideos auf ihren Portalen zeigen. Wir bündeln das redaktionell und bieten den Lehrern dann 'Lesson Plans' an“, so Jahnke.
„90 Sekunden Wissen“ auf Tiktok vermittelt Facts über den Zweiten Weltkrieg
Holocaust und Erinnerungskultur
Gespräch Michel Friedman: „Opportunismus und Schweigen ist ein stiller Tod“
„Der Hass ist hungrig. Und der Hass ist niemals satt“, sagte der Publizist und Anwalt Michel Friedman in seiner Rede vor der CDU-Zentrale Berlin, als die Künstlergruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ dort ein Denk- und Mahnmal für den ermordeten Walter Lübcke aufstellte: gegen Kollaboration mit der extremen Rechten. Nachdem die Union im Bundestag 2025 gemeinsam mit der AfD gestimmt hatte, trat Friedman aus der CDU aus. Er setzt sich für ein AfD-Verbot ein. Geboren wurde er in Paris. Seine Eltern hatten die Shoah dank Oskar Schindler überlebt. Eine Sendung zum Holocaust-Gedenktag 2026.
Gespräch Gedenken statt Erinnern – Journalistin Susanne Siegert fordert neue Erinnerungskultur
Die Journalistin Susanne Siegert klärt auf Social Media zehntausende über den Holocaust auf. 2024 wurde sie für diese Arbeit mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In ihrem neuen Buch „Gedenken neu denken“ fordert Siegert eine neue Erinnerungskultur.
Damit meine sie vor allem, so Siegert im Interview mit SWR Kultur, dass der Begriff des „Erinnerns“ voraussetze, etwas erlebt zu haben. Es gebe aber immer weniger noch lebende Zeitzeugen und Zeitzeuginnen. Stattdessen müsse man zu einer Art des Gedenkens übergehen, der ohne Überlebende funktioniert. Deswegen schlägt Siegert einen anderen Begriff vor. Zum Beispiel „Gedenkarbeit“, um zu betonen, „dass wir eben alle auch da was reinstecken müssen“.
Dazu zähle etwa ein Fokuswechsel: Weg von bekannten Schauplätzen wie Auschwitz oder prominenten Personen wie die Widerstandskämpferin Sophie Scholl – hin zu unbekannteren Tatorten und Menschen, etwa in der eigenen Familiengeschichte. Es gebe viele Perspektiven, so Siegert, die in den letzten Jahrzehnten gefehlt hätten und die man spätestens jetzt beisteuern müsse.
Man dürfe nicht vergessen, wie sehr die Nazi-Verbrechen das Land bis heute prägten:
„Wie unsere Städte heute aussehen, die Beziehungen, die wir untereinander haben in unseren Familien, aber auch das Grundgesetz ist sehr, sehr eingefärbt von den Entwicklungen und den Folgerungen aus dieser Zeit.“