Georg Baselitz neben Gotthard Graubner
Gleich zu Beginn der Ausstellung fällt der Blick auf ein monumentales expressionistisches Werk von Georg Baselitz mit dem Titel „Andalusische Gitarre“. Zu sehen: eine abstrakte Figur und ihr Geist auf schwarzem Hintergrund.
Ein Ölgemälde von 2021, das ganz neu in der Sammlung ist und bei dem sich Baselitz von Picasso inspirieren ließ. Gleich daneben, nicht weniger monumental und ausdrucksstark, ein Acryl- und Tuschebild von Gotthard Graubner mit lila und schwarzen Farbflächen, wobei die Leinwand aussieht wie ein überdimensionales Kissen.
Die Frau in der Kunst
Ebenfalls ein Thema in der Ausstellung: die Frau in der Kunst. Lovis Corinth zeigt sie in seinem Gemälde „Liegender weiblicher Akt“, einem Neuzugang der Sammlung Würth – sinnlich und reduziert auf das Körperliche. Damals zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein großer Aufreger.
Deutlich anders blickt allerdings der Multimediakünstler Robert Longo auf die Frauen. Seine über zwei Meter hohe Kohlezeichnung, die aussieht wie ein begehbares aufgeklapptes Buch, zeigt die russische Kosmonautin Valentina Tereshkova. Im Astronautenanzug auf der einen Seite, auf der anderen ihr Spiegelbild in der vierten Dimension.
„Es gibt mehr zu erzählen von Frauen als einfach da zu liegen“, sagt die stellvertretende Direktorin der Sammlung Würth und Kuratorin der Schau Dr. Beate Elsen-Schwedler. „Sie scheint da in ihrer Rakete zu sitzen und zu fliegen, im Sternenhimmel, driftet durch das All.“
Reise von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart
Rund 100 Werke von 60 hochkarätigen Künstlerinnen und Künstlern nehmen den Besucher mit auf eine Reise von der klassischen Moderne bis in die Gegenwart. Dabei treten viele Neuzugänge der Sammlung und Werke, die noch nie oder lange nicht mehr ausgestellt wurden, in einen spannenden Dialog miteinander.
Die Ausstellung gipfelt in der Frage: Die Welt ist aus den Fugen – soll Kunst politisch sein? „Daniel Richter, von dem wir ganz viel zeigen, sagt ganz klar nein. Kunst soll Kunst sein und Kunst soll vor allen Dingen gut sein. Aber natürlich kann man mit den Mitteln der Kunst viel über unsere Gegenwart aussagen“, sagt Elsen-Schwedler.
Kunst mit Gegenwartsbezug bei Daniel Richter
Dass Kunst sowohl gut als auch politisch konnotiert sein kann, beweist Daniel Richter dann aber doch. Etwa in seiner Serie „10001 Nacht“, in der er mit romantischen Orientbildern und Ängsten des Westens nach 9/11 spielt - die zusätzliche Null im Titel verweist auf Ground Zero in New York.
So zeigt die Lithografie „Begegnung im Hinterland“ von 2011 vor dem skizzenhaften Hintergrund einer roten Berglandschaft maskierte Figuren in traditionellen Gewändern. Sind es Krieger oder einfach nur Turban tragende Nomaden?
Ein Blick auf eine beachtliche Sammlung
Die Antwort: eine Frage des individuellen Sehens, zu dem die Ausstellung mit dem schlichten Titel „Focus“ einlädt. Zu einem Blick auf einen Ausschnitt aus der beachtliche Sammlung Würth mit ihren über 20000 Werken, der viel Spaß macht.
Nicht nur dem Betrachter, sagt Elsen-Schwedler „Man muss die Sammlung immer wieder querlesen. Wenn wir eine neue Arbeit bekommen, dann schauen wir: Wozu könnte das passen? Das macht einfach Spaß.“
Mehr Kunst im Südwesten
Phänomen Modenschau „Catwalk – The Art of the Fashion Show“ im Vitra Design Museum
Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein zeigt eine Ausstellung über 100 Jahre Modegeschichte auf dem Laufsteg: von den intimen Anfängen in Paris bis zu den Megashows von heute.
Ausstellung in Baden-Baden Max Liebermann im Museum Frieder Burda: Wegbereiter des Impressionismus in Deutschland
Max Liebermann gilt als Wegbereiter des Impressionismus in Deutschland. Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden widmet ihm jetzt eine große Ausstellung mit rund 100 Gemälden.
Die Tänzerin und der Konstruktivist „KörperGeometrie“ - Das Museum Wiesbaden zeigt die Geschichte einer großen Künstlerliebe
Die Tänzerin Ilse Leda und der Konstruktivist Friedrich Vordemberge-Gildewart lernten sich im Hannover der 1920er-Jahre kennen. Das Museum Wiesbaden widmet ihnen eine Ausstellung.