Modernisierung des Museumsbaus am Hegelplatz geplant

Die Politik ist gefordert: Sanierungsbedarf am Stuttgarter Linden-Museum

Seit Jahren tritt das Linden-Museum auf der Stelle. Das Museum hat ein neues Museumskonzept erarbeitet, das von Stadt und Land verabschiedet werden muss. Die Sanierung riskiert, zur Hängepartie zu werden.

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Von Autor/in Silke Arning

Beeindruckend mächtig ist der Eingang des Stuttgarter Linden-Museums: ein großes Rundportal, ganz klassizistisch von Säulen getragen. Im Rundbogen zwei Figuren, die wahrscheinlich Menschen aus Ozeanien und Afrika verkörpern sollen. Eine stereotype rassistische Überzeichnung, typisch für den kolonialen, weißen Blick auf das Fremde.

Das Gebäude, 1911 entstanden, atmet noch immer den Geist seiner Bauherren, der württembergischen Kolonialgesellschaft. Doch Ironie der Geschichte: Seit einigen Jahren erklimmen wechselweise Delegationen aus Namibia, dem Benin oder Kamerun die große Freitreppe, um die ihnen geraubten Kulturgüter zurückzuholen.

Fassade des Völkerkundemuseums Stuttgart, aufgenommen am 23.05.2011.
Wenn es nach Museumsdirektorin Ines de Castro geht, muss die Fassade des Stuttgarter Linden-Museums mit der kolonialistischen Geschichte des Hauses brechen. Marijan Murat

So stellt sich die Direktorin das neue Linden-Museum vor

Museumsdirektorin Ines de Castro, eine der führenden Stimmen in der Debatte um koloniale Raubkunst in Deutschland, hat daher mit Blick auf den geplanten Umbau klare Vorstellungen vom zukünftigen Auftritt des Museums.

Sie wünscht sich, „dass der Eingang auf Platzniveau erfolgen soll, um gerade auch dieses Demokratische des Museums besser zu verdeutlichen. Im Unterschied zu jetzt, wo man erst einmal die Treppe erklimmen muss, bevor man ins Museum kommt.“

Auch andere Änderungen schlägt Ines de Castro vor: „Dass die Fassade in irgendeiner Form gebrochen wird, so dass das Museum aus der Kolonialzeit architektonisch in seiner Konzeption etwas gebrochen erscheint.“

Königs Fon Sehm Mbinglo I. (links) besichtigte 2022 bei einem Besuch im Linden-Museum die ständige Ausstellung.
Vom völkerkundlichen Beobachten zum völkerverständigenden Austausch: Der Königs Fon Sehm Mbinglo I. (links) der Nso aus dem Nordwesten Kameruns besichtigte 2022 das Linden-Museum. Er ist einer von jüngst mehreren afrikanischen Staatsgästen. Bernd Weißbrod

Offenes Museumskonzept mit Lichthof in Planung

Vor anderthalb Jahren erteilte der Verwaltungsrat des Museums, in dem die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg vertreten sind, einem Neubau an einem anderen Standort eine Absage. Nun muss im Bestand völlig neu gedacht werden.

Zusammen mit dem Landesbetrieb Vermögen und Bau hat das Museumsteam in den vergangenen Monaten daran getüftelt, wie der alte Bau mit einem neuen Museumskonzept in Übereinstimmung gebracht werden könnte. Und dabei gab es erst einmal eine Überraschung: ein bislang verbauter Lichthof.

„Wenn Sie vor unserem Haus stehen, sind wir ein großes Karree mit einem Flügel an der Seite“, erklärt Museumsdirektorin de Castro. „Und in diesem großen Karree befindet sich dieser Lichthof, den wir bei der Sanierung wieder freilegen möchten, sodass wir einen Blick nach oben haben mit Verglasung über die vier Etagen. und das wird, glaube ich, sehr schön.“

Globus mit dem Namen des Linden-Museums vor dem Museumsgebäude am Stuttgarter Hegelplatz
Das Linden-Museum in Stuttgart gehört zu den größten Völkerkundemuseen in Europa und verfügt über Sammlungen von Weltrang. Arnulf Hettrich

Aufenthaltsqualität: „In unserem Haus gibt es die fast nicht“

Zunächst aber geht es vor allem darum, das Museum barrierefrei zu gestalten: ein ebenerdiger Eingang, ein größeres Foyer mit Shop und Gastronomie sowie Veranstaltungsräume. Der erste Stock ist für Sonderausstellungen gedacht, die zweite und dritte Etage für die eigenen Sammlungen in einer Dauerausstellung.

Neben diesen baulichen Planungen ist es Museumsleiterin Ines de Castro wichtig, das Haus stärker als bisher für die Stadtgesellschaft zu öffnen: „Vor allem die Aufenthaltsqualität überhaupt zu etablieren, weil in unserem Haus gibt es die fast nicht. Leute, die zu uns kommen, wissen, dass wir nicht barrierefrei sind, dass man sich bei uns nirgendwo hinsetzen kann.“

„Wenn wir ein neues Gebäude konzipieren“, so de Castro weiter, „konzipieren wir das so, dass es viel mehr Bereiche hat, wo man einfach reinkommen kann, einen Kaffee trinken kann, ein gute WLAN hat und vielleicht sich mal einen Moment hinsetzen kann, um die Zeitung zu lesen. Das gehört für mich heute zum Konzept eines guten Museums.“

Blick in die Große Landesausstellung Azteken im Linden-Museum Stuttgart (2019)
Das Linden-Museum möchte in Stuttgart die Weltgeschichte greifbar machen, etwa in der großen Azteken-Ausstellung 2019. Allerdings ist das Haus weder barrierefrei noch lädt es aktuell zum Verweilen ein, so die Museumsdirektorin. Arnulf Hettrich

Linden-Museum hofft auf schnelle Entscheidung seitens der Politik

Um mehr Platz für Besucherinnen und Besucher, aber auch für Ausstellungen zu haben, soll die Verwaltung in ein Nebengebäude am Hegelplatz einziehen, das dem Land Baden-Württemberg gehört. Auch ein neues Depot wird benötigt.

Nachdem das Linden-Museum jetzt seine Hausaufgaben gemacht und einen Bedarfsplan erstellt hat, liegt nun der Ball bei der Politik. Gemeinderat und Landtag müssen über die geplante Sanierung beraten, erst dann kann eine ein Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. Und erst dann lässt sich auch etwas über Kosten und Bauzeiten sagen.

Mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen hofft Ines de Castro auf eine rasche Entscheidung. Kopfschmerzen bereitet ihr auch die angespannte Finanzsituation der Stadt Stuttgart, die gerade erst empfindliche Kürzungen für den gesamten Kulturbereich beschlossen hat: „Uns macht das natürlich große Sorge, wie sich die Finanzen der Stadt weiter entwickeln. Bei den Nachfragen im Verwaltungsrat, ob diese Kürzungen auch die Sanierung des Gebäudes tangiert, wurde zumindest mit Nein geantwortet.“

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Autor/in
Silke Arning
Moderatorin Silke Arning
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Dominic Konrad