Eine Wegbereiterin der Moderne

„Sie war zu modern, um erfolgreich zu sein“: Paula Modersohn-Becker zum 150. Geburtstag

Zu Lebzeiten hatte sie nur zwei Bilder verkauft, heute gilt Paula Modersohn-Becker als Wegbereiterin der Moderne. Sie habe sich vom Ballast des 19. Jahrhunderts befreit, sagt der Autor Boris von Brauchitsch in SWR Kultur.

Teilen

Stand

Eine emanzipierte Frau

Paula Modersohn-Becker hat in ihrem kurzen Leben ein umfangreiches Werk an Gemälden und Zeichnungen geschaffen. In ihrer Kunst sei es viel „um die Befreiung von dem ganzen Ballast des späten 19. Jahrhunderts, des Fin de Siècle“ gegangen, sagt Boris von Brauchitsch in SWR Kultur.

„Sie war eine emanzipierte Frau und hat versucht, von klein auf ihren Weg zu gehen“, so der Modersohn-Becker-Biograf. Sie bildete sich privat fort und besuchte Kunstschulen in London und Berlin.

Paula Modersohn-Becker (1876 - 1907), "Selbstbildnis", 1906, Öffentliche Kunstsammlung Basel
Paula Modersohn-Becker (1876 - 1907), "Selbstbildnis", 1906, Öffentliche Kunstsammlung Basel (Ausschnitt)

„Zu modern, um erfolgreich zu sein“

Dabei entwickelte sie ihren ganz eigenen Stil, inspiriert von ägyptischen Totenmasken. Sie zeigt flächige, kantige Motive, platte Gesichter, Körper und Gesten. Gerade bei ihrer Familie habe diese Malerei zu Lebzeiten wenig Anklang gefunden.

„Sie war zu modern, um erfolgreich zu sein“, sagt von Brauchitsch. Schöpferischen und persönlichen Austausch fand sie in der Künstlerkolonie Worpswede und bei ihrem Mann und Künstlerkollegen Otto Modersohn, den sie dennoch zwischenzeitlich verlässt, um als Künstlerin in Paris zu arbeiten.

Boris von Brauchitsch
Kunsthistoriker und Kuraor Boris von Brauchitsch hat Biografien über einige der bedeutendsten Künstler-Persönlichkeiten Europas geschrieben. Zuletzt erschien sein Buch über Paula Modersohn-Becker.

Mit nur 31 Jahren stirbt sie am 20. November 1907 an einer Embolie als Folge der schwierigen Geburt ihrer Tochter Mathilde. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg fand eine systemische Aufarbeitung ihres Gesamtwerks statt.

Nackte Haut und Cancel Culture Nacktdarstellungen im Museum: Zwischen Pornografie und Emanzipation

Nackte Haut in der Kunst – was darf gezeigt werden, wo liegen die Grenzen der Freiheit? Eine Herausforderung für die Museen im Südwesten.

SWR Kultur am Mittag SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Pia Masurczak
Pia Florence Masurczak
Interview mit
Boris von Brauchitsch