Förderpreis der Wüstenrot Stiftung

KI-Gebrabbel in Beton - Medienkunst beim Dokumentarfotopreis in der Staatsgalerie Stuttgart

Diese Kunst gibt klare Orientierung – trotz der medialen Verwirrung des KI-Zeitalters: Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt den aktuellen Jahrgang des Dokumentarfotografie-Förderpreises der Wüstenrot-Stiftung.

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Von Autor/in Andreas Langen

KI-Sprachmodelle seziert

KI stresst. Wo man auch hinhört: Alle schnaufen und japsen, dass man kaum noch wisse, wo man dran sei – bei all den künstlichen Texten, Stimmen, Bildern und Videos aus der Tiefe des virtuellen Raums.

Kristina Lenz und Alex Simon Klug, Videostill „read my lips“
Kristina Lenz und Alex Simon Klug, Videostill „read my lips“, aus „your choices should be grounded in reality“, Videoinstallation.

Ähnlich geht es auch dem Kölner Künstlerduo Kristina Lenz und Alex Simon Klug. Sie haben in den letzten zwei Jahren KI-basierten Sprachmodellen immer denselben Befehl erteilt: kreiere ein Video „Nahaufnahme von sprechendem Mund“.

Beton-Wandbilder gegen die rasende Gegenwart

Das Ergebnis? Hilfloses Gestammel ist längst überholt. Heute plappert die KI lebensecht. Ihr aberwitziges Entwicklungstempo mache es fast unmöglich, sich ernsthaft mit dem Stand der Dinge auseinanderzusetzen, sagt Kristina Lenz: „Dabei ist es total wichtig, dass man es bewusst anhält, um sich die Sachen genauer anschauen zu können.“

Für dieses Abbremsen und Festhalten der rasenden Rechner haben die beiden Medienkünstler Bilddaten eines KI-Brabbel-Videos umgeformt in Reliefs aus Beton – Wandbilder für die Ewigkeit.

Collagen aus Bildern öffentlicher Hinrichtungen

Lenz und Klug gehören zum aktuellen Jahrgang des Dokumentarfoto-Preises der Wüstenrot-Stiftung. „Dokumentar-Fotografie“ umfasst heute Vieles, sagt Kuratorin Giulia Cramm: „Dazu zählt künstliche Intelligenz, algorithmisch basierte Arbeiten oder eben auch Papiercollagen und Film.“

Nazanin Hafez, The Scaffold Touches the Sky, Papiercollage
Nazanin Hafez, The Scaffold Touches the Sky, Papiercollage.

Letztere verwendet Nazanin Hafez. Die in Deutschland lebende Iranerin macht
Collagen aus Agentur- und Internet-Fotos. Diese zeigen ursprünglich öffentliche Hinrichtungen in Iran.

Inszenierungen mörderischer Macht

Aus diesen Inszenierungen mörderischer Macht entnimmt Hafez Objekte wie Kräne, Haken, Gerüste und Seile; und sie filmt die Schauplätze des Grauens, wenn dort wieder vermeintlich friedlicher Alltag herrscht.

Nazanin Hafez, Mourning Women, Papiercollage
Nazanin Hafez, Mourning Women, Papiercollage.

„Das ist natürlich mit hohem Risiko verbunden, gerade als Frau ist es nochmal schwieriger, im öffentlichen Raum zu filmen und zu fotografieren – gerade in Zeiten wie diesen“, sagt Giulia Cramm.

Kunst- und Kulturgeschichte der Ameise

Von unserer Gegenwart aus spannt der Leipziger Medienkünstler Malte Uchtmann mit einer komplexen Video-Installation einen Bogen über Jahrtausende Kulturgeschichte. Das Thema sind Ameisen – und zwar als Projektionsflächen menschlicher Vorstellungen.  

Schon König Salomo lobt Ameisen für ihren sprichwörtlichen Fleiß. Später mussten sie für totalitäre Unterwerfung herhalten, dann für sozialistische Solidarität.

Malte Uchtmann, Videostill aus „ANT*HOLOGY: debugging the cultural history of ants“
Malte Uchtmann, Videostill aus „ANT*HOLOGY: de/bugging the cultural history of ants“, algorithmisch basierte Zweikanal-Videoinstallation, 2025.

Den amerikanischen Ureinwohnern Hopi galten sie als Lehrmeister der Vorratshaltung – und in Corona-Zeiten wurden Ameisen daraufhin untersucht, was Einsamkeit mit sozialen Wesen macht.

Wissen schaffen und handlungsfähig bleiben

Buchstäblich zwischen Bildschirmen und Botschaften stehend, möchte Malte Uchtmann dem Publikum eines mitgeben: „Wie schaffen wir es, aus diesen verschiedensten Perspektiven Wissen zu generieren und damit handeln zu können?“

Handlungsfähigkeit durch Kunst – wie schön wäre das, und wie bitter scheint es nötig! Der seit 1994 alle zwei Jahre vergebene Preis für Dokumentarfotografie jedenfalls hält seine Impulse jederzeit bereit – denn seine Preisträger-Arbeiten bleiben erhalten im Folkwang-Museum.

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