Genügend Raum für Skulpturen
Insgesamt achtzehn großzügige Plätze werden in den vier Hallen der diesjährigen art Karlsruhe freigehalten, um Skulpturen zu zeigen; im Innenhof gibt es einen Skulpturengarten; und in den Gängen nochmal zweiundzwanzig Skulpturen-Spots.
Die zahlreichen Skulpturenplätze sollen den verschiedenen Facetten zeitgenössischer Bildhauerei einen angemessenen Raum verschaffen – ein wichtiges Anliegen für die Messeleitung. Die Plätze, die jeweils zehn Quadratmeter messen, sind seit der ersten Ausgabe im Jahr 2004 fester Bestandteil der Messe-Architektur und so etwas wie ein Markenzeichen der art Karlsruhe.
Katharina Schnitzler: Stoffbahnen, die von der Decke hängen
Die Skulpturen sind immer wieder Blickfang und beliebtes Fotomotiv für das Messepublikum. Mitten in der Messehalle 1 hängt ein Dutzend Stoffbahnen von der Decke. Alte ausgeblichene, teilweise eingerissene Vorhänge, Bettlaken und Tischtücher, die Lebensgeschichten erzählen. Die Künstlerin Katharina Schnitzler hat sie in Italien gesammelt und dort monatelang im Freien aufgehängt.
Im Messe-Trubel wirkt dieser Platz wie eine Oase der Ruhe und Besinnlichkeit. Fast andächtig laufen ein paar Besucherinnen zwischen den Stoffbahnen hindurch. Dass manche die Stoffe auch anfassen, stört die Künstlerin überhaupt nicht. Schließlich haben die Textilien anderthalb Jahre in der Natur hinter sich, sagt sie.
Natürlich kann man die jetzt auch anfassen, die haben ja schon so viel überstanden, dass diese zarten Berührungen mit Sicherheit eher positiv sind als negativ.
Koloman Wagner: Skulpturen wie gewachsen
Auch die Holzskulpturen des jungen österreichischen Künstlers Koloman Wagner wirken, obwohl sie aus Holz sind, leicht und fast tänzerisch-beweglich. Er hat viele kleine, dünne Holzelemente so zusammengefügt, dass ineinander gedrehte Formen entstehen, die wie organisch gewachsen wirken.
Für Wagner haben seine Werke eine musikalische Entsprechung: Die jeweiligen Partituren zu den Skulpturen hat der Künstler an die Sockel gehängt. „All die Skulpturen haben immer auch eine Musik, die ihnen entspricht. Man könnte sagen, es ist eine Materialisierung von Musik“, sagt Wagner.
Kristian Jarmuschek: Fester Bestandteil von Anfang an
Der Beiratsvorsitzende der art Karlsruhe Kristian Jarmuschek ist froh, so viel Raum für Skulpturen zur Verfügung stellen zu können – und sieht sich durch die große Nachfrage von Galerien bestätigt. Ideal sie die Präsentation im Tageslicht. „Das tut den Skulpturen gut, dass man sie in unterschiedlichen Lichtsituationen erleben kann“, sagt Jarmuschek.
Mit seiner eigenen Berliner Galerie hat Jarmuschek in diesem Jahr einen Skulpturenplatz, auf dem er die Bildhauerin Elisa Manig präsentiert. Gleich am Eingang zur Halle 2 hat die Künstlerin einen kleinen Haufen Betonschutt platziert.
Von der Decke hängen zwei große Ketten aus gebogenen Metallringen, die wie Panzerketten aussehen und deren Enden auf dem Betonschutt-Berg aufliegen. Materialien, die viele gerade von einer Künstlerin nicht erwarten. „Dann kommt immer die Frage: Machst du das selber? Und ich dann: Ja, mit ganzer Fraues-Kraft!“, betont Elisa Maning.
HA Schult und Daniel Wagenblast: Skulpturen als beliebtes Fotomotiv
Ebenso ungewöhnliches Material verwendet der Künstler HA Schult. Er zeigt auf der art Karlsruhe eine ganze Gruppe seiner bekannten „Trashman“. Lebensgroße, stilisierte Figuren aus alten Cola-Dosen und sonstigem Wohlstandsmüll. Fast neben jedem Trashman stehen Besucherinnen und Besucher und machen Selfies.
Manche schauen sich die Kunstwerke genauer an, gehen um sie herum, andere sehen gar nicht richtig hin, machen nur schnell einen Schnappschuss und ziehen weiter.
An dem Skulpturenplatz von Daniel Wagenblast aus Stuttgart ist das nicht anders. Er hat eines seiner berühmten Männchen mit auf die Messe gebracht, das auf einer Erdkugel balanciert. Aber auch größere Arbeiten wie eine drei Meter hohe Hand aus Aluminiumblech hat er dabei.
Einerseits freut er sich über die vielen Fotos, die von seinen Kunstwerken gemacht werden. Andererseits ist es für den Künstler manchmal nur schwer zu ertragen. Die gewisse Aura seiner Werke komme so nicht zur Geltung. „Dadurch, dass die Leute immer nur so Fotos machen, denke ich, dass die Aura des einzelnen Kunstwerks weggeht“, sagt der Künstler.
Für die meisten Bildhauerinnen und Bildhauer sind Kunstmessen enorm wichtig, um ihre Werke zu zeigen. Denn viele Galerien haben dafür gar nicht den nötigen Platz. Dass Sammlerinnen oder Sammler große Skulpturen vom Messestand weg kaufen, ist aber eher selten.
Und dann ist da ja auch noch die Frage nach dem Transport. Daran soll es aber nicht scheitern. „Wenn Sie jetzt daherkommen und sagen: Ich möchte diese Hand – bitte einpacken. Die bring‘ ich Ihnen bis zur Tür!“, sagt Wagenblast.
Mehr von der art Karlsruhe
Im Gespräch auf der art Karlsruhe Fast verboten: Christoph Peters über den Rechtsstreit um „Innerstädtischer Tod“
Mit seinem Roman „Innerstädtischer Tod“ sorgte Autor Christoph Peters für einen Literaturskandal, der zuletzt auch das Bundesverfassungsgericht beschäftigte.