Ein Roman wie eine Collage – Miku Sophie Kühmel im Gespräch über ihren Roman „Hannah“
Eine queere Liebe in den 1920er Jahren: Miku Sophie Kühmel setzt der Künstlerin Hannah Höch und ihrer Liebe zu der Autorin Til Brugman mit „Hannah“ ein literarisches Denkmal.
Die Künstlerin Hannah Höch ist eine Pionierin der Collage und Fotomontage, gehörte der Dada-Bewegung an und gilt als eine der wichtigsten Künstler*innen der Moderne.
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Wie überlebt man als queere Künstlerin die Nazi-Zeit?
In ihrem Roman „Hannah“erzählt Miku Sophie Kühmel im Zeitraum von 1926 bis 1936 von Hannah Höchs Beziehung zur niederländischen Autorin Til Brugman und den historischen Umbrüchen.
Im Gespräch mit SWR Kultur erzählt Miku Sophie Kühmel, dass sie gern mit einer Frage an ihre Romanprojekte rangehe.
Diesmal habe sie sich gefragt, wie Hannah Höch „als queere, offen antifaschistische, offen bisexuell lebende Künstlerin Nazis überleben kann“, so Kühmel.
Das Leben von Hannah Höch rekonstruiert
Für „Hannah“ hat sie intensiv in Archiven recherchiert, Briefe, Postkarten und Museumskataloge zu Hannah Höch gelesen. Aus diesem historischen Material über das Liebespaar collagiert sie zusammen mit einer Prise Fiktion ihren Roman.
Ihre Recherche war so intensiv, dass sie sogar eine Excel-Tabelle angelegt hat: „Ich weiß von jedem Monat in Hannah Höchst Leben, wo sie war und was sie ungefähr gemacht hat. Das habe ich schon vorher alles sehr brav und sehr, sehr lange recherchiert.“
Miku Sophie Kühmel gelingt es auf beeindruckende Weise, die Form der Montage auf ihr literarisches Schreiben zu übertragen. Ihr sei es ein Anliegen gewesen, mehr als nur Hannah Höchs Bilder zu beschreiben.
Sie habe versucht, zu verstehen, was Hannah Höchs künstlerische Prinzipien waren und dafür in der Literatur Entsprechendes zu finden: Das ist sowas wie das Spiel mit den Proportionen, der Humor natürlich, anzunehmen, dass die Welt sehr komplex ist und dass man sie nur aus sehr vielen verschiedenen Blickwinkeln verstehen kann, so Miku Sophie Kühmel.
Auf Hannah Höchs Schultern
Miku Sophie Kühmel habe es auch Kraft gegeben, zu erfahren, wie Hannah Höch die Nazi-Zeit überstanden hat. Mit Blick auf den zunehmenden Rechtsextremismus gäbe ihr es viel Kraft, auf den Schultern der Künstlerin zu stehen:
„Gerade Hannah Höch und Til Brugman eine Bühne zu geben und ein Denkmal zu setzen, war schon für mich auch wichtig, weil es mich selber sehr stark berührt und meine Community sehr stark berührt. Daraus schöpfe ich natürlich Kraft und ich hoffe, andere Leute auch.“