Die „Mutter aller Bestenlisten“

50 Jahre SWR Bestenliste – Was sagen die Autorinnen und Autoren?

Eine Feier zum Jubiläum im Literaturhaus Stuttgart: Nicola Steiner diskutiert mit den Schriftstellerinnen Dana Grigorcea, Felicitas Hoppe und Autor Eckhart Nickel über die Literaturkritik

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Stand

Die SWR Bestenliste wird 50 Jahre alt!

Mit ihren monatlichen Empfehlungslisten und öffentlichen Diskussionen gehört die dreißigköpfige Jury zu den einflussreichsten Institutionen des literarischen Lebens im deutschsprachigen Raum. Seit 50 Jahren wählen 30 Literaturkritikerinnen und Literaturkritiker aus den drei deutschsprachigen Ländern jeden Monat 10 Bücher auf die SWR Bestenliste.

Zum Jubiläum haben zwei Autorinnen und ein Autor das Wort: Nicola Steiner aus der Jury der SWR Bestenliste diskutiert im Literaturhaus Stuttgart mit Dana Grigorcea („Die nicht sterben“), Felicitas Hoppe („Prawda“) und Eckhart Nickel („Spitzweg“).

Wie beurteilen sie die SWR Bestenliste? Welche Rolle spielt die literaturkritische Debatte für ihre Arbeit? Lesen und hören sie die Besprechungen ihrer Bücher?

Die Moderatorin Nicola steiner auf der Jubiläumsfeier "50 Jahre SWR Bestenliste" im Literaturhaus Stuttgart
Die Moderatorin Nicola Steiner im Literaturhaus Stuttgart Pressestelle Sebastian Wenzel

Das Lob des Intendanten

Zum Auftakt der Veranstaltung würdigt SWR-Intendant Kai Gniffke die Idee des damaligen SWF-Literaturredakteurs Jürgen Lodemann, eine Bestenliste zu erfinden, in der nicht die Verkaufszahlen, sondern die literarische Qualität entscheiden soll.

SWR Intendant Kai Gniffke
SWR Intendant Kai Gniffke Pressestelle Sebastian Wenzel

Gniffke nennt die SWR Bestenliste „ein Stück Kulturgeschichte“: Bei der Vielzahl der Veröffentlichungen biete die „Mutter aller Bestenlisten“ den Leserinnen und Lesern eine gute Orientierung. Als Ort des öffentlichen und nicht selten leidenschaftlichen Gesprächs erfülle sie den öffentlich-rechtlichen Auftrag vorbildlich.

Was Literaturkritik ausmacht

Auch die besprochenen Autorinnen und Autoren freuen sich, dass es dieses Ranking der literarischen Qualität gibt: Für Dana Grigorcea ist die SWR Bestenliste eine „Brausetablette“, Eckhart Nickel verglich die Bestenliste mit einer Bonbonbox von „Quality Street“.

Die Autorin Dana Grigorcea auf der Jubiläumsfeier "50 Jahre SWR Bestenliste" im Literaturhaus Stuttgart
Die Autorin Dana Grigorcea Pressestelle Sebastian Wenzel

Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe hält es für „beruhigend“, in einen Raum hineinzuschreiben, in dem eine „Truppe von dreißig Weisen“ arbeite, die wissen, „wie Lesen geht“. Entscheidend sei dabei, ob es der Literaturkritik gelinge, die eigenen Maßstäbe offenzulegen und zu beschreiben, was in einem Text „sprachlich passiert“.

Nähe und Distanz

Die Autorin Felicitas Hoppe auf der Jubiläumsfeier "50 Jahre SWR Bestenliste" im Literaturhaus Stuttgart
Die Autorin Felicitas Hoppe Pressestelle Sebastian Wenzel

Die Runde kommt immer wieder auf das verwickelte Verhältnis von Autorinnen und Autoren zur Kritikerinnen und Kritikern zurück, spricht über Nähe und Distanz etwa auf Literaturveranstaltungen wie dem Bachmannpreis, auf dem sogar „das Badewasser geteilt“ werde. Doch jenseits der persönlichen Begegnung – da ist sich die Runde einig – helfe nur ein professioneller Abstand.

Das alljährliche Treffen der Literaturkritikerinnen und Literaturkritiker im Literaturhaus Stuttgart
Rollentausch im Literaturhaus Stuttgart: Die Kritikerinnen und Kritiker der Bestenliste im Publikum, zwei Autorinnen und ein Autor auf der Bühne. Carsten Otte begrüßt Felicitas Hoppe, Eckhart Nickel, Dana Grigorcea und Moderatorin Nicola Steiner. Pressestelle Sebastian Wenzel

Grigorcea sieht allerdings in den literarischen und literaturkritischen Texten eine Möglichkeit, zumindest gedankliche Nähe herzustellen. Hoppe verweist auf die produktiven und manchmal auch ärgerlichen Missverständnisse, die es im Verriss und im Lob gleichermaßen geben könne.

Nickel wünscht sich mehr Analyse in der Literaturkritik und weniger Artikel, die sich mit dem Buchlayout oder den Auftritt des Autors befassen.    

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Weiter so, mit noch mehr Breitenwirkung!

Wie könnten die nächsten 50 Jahre Bestenliste aussehen? Dana Grigorcea hofft, dass die Literaturkritik und die Debatten der Bestenliste auch ihre Kinder begeistern möge. Eckhart Nickel würde sich freuen, wenn es künftig in jeder Buchhandlung ein Regal mit Bestenliste-Büchern gebe.

Der Autor Eckhart Nickel auf der Jubiläumsfeier "50 Jahre SWR Bestenliste" im Literaturhaus Stuttgart
Der Autor Eckhart Nickel im Literaturhaus Stuttgart Pressestelle Sebastian Wenzel

„Weiter so!“, ruft er in den Saal. Felicitas Hoppe setzt auf noch mehr Breitenwirkung der Literaturkritik und hat einen Vorschlag: Warum nicht mal eine Bestenliste-Tour durch Schulen und Universitäten organisieren?

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Vor Ort SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Redakteur/in
Carsten Otte
Moderator/in
Nicola Steiner
Gespräch mit
Eckhart Nickel
Dana Gricorcea
Felicitas Hoppe