Seit einem halben Jahrhundert feiert die SWR Bestenliste die Literaturkritik. Mit ihren monatlichen Empfehlungen gehört die dreißigköpfige Jury zu den einflussreichsten Institutionen des literarischen Lebens – im gesamten deutschsprachigen Raum.
Dennoch haben sich die gesellschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen für profunde Besprechungen lesenswerter Bücher in den vergangenen 50 Jahren stark gewandelt. Wie sieht die Zukunft der Literaturkritik aus?
Diskussion über die ästhetische und politische Bedeutung der Literaturkritik
Auf der ARD-Bühne der Frankfurter Buchmesse diskutierten die Jury-Mitglieder der SWR Bestenliste Cornelia Geißler, Iris Radisch und Helmut Böttiger mit Carsten Otte über die ästhetische und politische Bedeutung der Literaturkritik.
Böttiger warnte vor der zunehmenden „Klickzahl-Ideologie“, die eine tiefergehende Auseinandersetzung mit literarischen Texten verhindere. Dazu gehöre auch der Verriss, der inzwischen von einigen Verlagen gar als „Geschäftsschädigung“ wahrgenommen werde.
Geißler gab zu, auch sie nutze die schwindenden Plätze für Literatur lieber für die wirklich lesenswerten Werke.
Die Mutter der deutschsprachigen Bestenlisten Einigkeit gab es selten – Die SWR Bestenliste wird 50 Jahre alt
Die SWR Bestenliste wird 50 Jahre alt – Jeden Monat wählt eine dreißigköpfige Jury von Literaturkritikerinnen und -kritikern zehn belletristische Werke. Ein Rückblick.
„Wer das Falsche liest, verklebt sich Herz und Hirn“
Auch Iris Radisch plädierte für mehr Kontroverse in der ästhetischen Debatte. Es gehe ihr um den Wahrheitswert der Literatur: „Wer das Falsche liest, verklebt sich Herz und Hirn.“
Wir sind Kritiker, wir sagen: Ist das Kunst oder kann das weg?
Und für die folgende Zuspitzung gab es Szenenapplaus vom Messe-Publikum:„Wir sind Kritiker, wir sagen: Ist das Kunst oder kann das weg?“