George Sand ist das Pseudonym der 1804 in Paris geborenen Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil. Nach dem frühen Tod ihres Vaters wurde sie streng erzogen, unter anderem in einem Augustinerkloster. Mit Ende zwanzig begann sie zu schreiben, unter anderem unter Pseudonym für Le Figaro, aber auch erste belletristische Texte.
Über ein knappes Jahrzehnt hinweg war Sand die Geliebte des Komponisten Frédéric Chopin und lebte mit ihm zeitweise auf Mallorca. Der Reisebericht „Ein Winter in Mallorca“ erzählt aus dieser Zeit. Sand war sozial und politisch engagiert, eine Anhängerin der Februarrevolution und starb im Alter von 72 Jahren.
„Nanon“, erschienen 1872, ist Sands letzter Roman. Erstmals kam das Buch 1991 in deutscher Fassung heraus; nun hat Elisabeth Edl das Werk erneut übersetzt und in ein sprachlich zeitgemäßes Gewand gekleidet.
Es ist die Geschichte eines Bauernmädchens, das zur Revolutionärin wird, im Rückblick erzählt aus dem Jahr 1850:
„Ich will die Dinge mit innerer Heiterkeit angehen und mich bemühen, meine frühesten Kindheitserinnerungen wiederzufinden. Sie sind sehr verworren, wie bei Kindern, deren Verstand nicht durch Erziehung gefördert wird.“
Ich weiß, ich bin 1775 geboren, schon mit fünf hatte ich weder Vater noch Mutter, und ich entsinne mich nicht, sie gekannt zu haben.
Nanon, das Bauernmädchen, wird zur Leibeigenen, doch die Revolution, deren Wirren Nanon hautnah miterlebt, reißt die gesellschaftlichen Schranken nieder. Sie lernt einen jungen Novizen kennen, der ihr Geliebter wird.
Am Ende wird Nanon reich sein und eine Marquise. Der Roman, so die Übersetzerin im Nachwort, erzähle nicht mehr, als seine Hauptfigur wissen könne. Das mache seine Unmittelbarkeit und stilistische Natürlichkeit aus. Ein historischer Roman, ein Abenteuerbuch und die Geschichte einer revolutionären Frau.