Wer schafft es auf die Leipziger Shortlist? Carsten Otte wagt eine Prognose
Er liegt oft daneben – tippt aber mit Leidenschaft: Kritiker Carsten Otte spricht mit Theresa Hübner über seine Favoriten für die Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse.
Ganz vorne sieht er Norbert Gstreins „Im ersten Licht“, plädiert aber auch für formal mutige, experimentelle Romane. Ob er diesmal richtig liegt, zeigt sich am Mittwoch.
„Ich liege meistens falsch“ – Wunsch-Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026
Tomer Gardi erzählt vom Kapitalismus auf zwei Rädern
In den Metropolen der Welt hetzen sie von A nach B: Essenskuriere prägen das Stadtbild – und bleiben doch meist unsichtbar.
In „Liefern“ macht Tomer Gardi sie zu Protagonisten und Protagonistinnen und zu Sinnbildern unserer spätkapitalistischen Gegenwart. Ständig unter Zeitdruck, oft in prekären Verhältnissen, bewegen sie sich durch ein System, das Effizienz über alles stellt.
Gardi erzählt ernsthaft, aber nie ohne Witz. Wer das Buch gelesen hat, wird den Lieferanten und Lieferantinnen in der eigenen Straße mit anderen Augen begegnen.
Tiefgründig und schelmisch-witzig zugleich – „Liefern“ von Tomer Gardi
Mehr als ein Nischenhobby: Fan Fiction kommt im Mainstream an
Fan Fiction – das sind neue Geschichten in bekannten Welten. Millionenfach schreiben Fans ihre Lieblingsbücher im Netz einfach weiter – mit alternativen Enden und neuen Konstellationen.
Lucien Haug gibt das Fan Fiction Magazin „Danke“ heraus und erklärt im Lesenswert-Gespräch, wie Fan Fiction funktioniert und warum es längst mehr als ein Nischenhobby ist.
„Fans holen sich, was in den Geschichten fehlte“ – Lucien Haug über die Macht von Fan Fiction
Cihan Acars „Casino“ – ein Familienroman über Wahrheit und Lüge
Sechs Jahre nach „Hawaii“ meldet sich Cihan Acar mit „Casino“ zurück.
Er erzählt von einem Unternehmer, der zu Reichtum kommt – doch nie dem Verdacht entkommt, einst ein Verbrechen begangen zu haben. Während ein gigantisches Casino entsteht, zerfrisst die Ungewissheit seine Familie.
Ein starker Roman über Aufstieg, Schuld und die Macht der Gerüchte.
Quälende Ungewissheit: „Casino“ von Cihan Acar
London zwischen Sehnsucht und Realität
In „Hitzetage“ schildert Oisín McKenna ein heißes Juniwochenende im Leben von vier Freunden und Freundinnen um die Dreißig: zwischen prekären Jobs, queerer Identität und zerplatzten Großstadtträumen.
Mit schnellen Perspektivwechseln und viel Gespür für Milieus zeichnet McKenna ein dichtes Porträt junger Menschen, die lernen müssen, dass London nicht alle Versprechen hält.
„Hitzetage“ von Oisín McKenna: Ein gelungenes, ambitioniertes Debüt