Auf dem Containerschiff um die Welt
Das Reisen ist eine große Wunsch-, Illusions- und Sehnsuchtsmaschine. Man fährt mit bestimmten Erwartungen los; man sucht die Ruhe oder auch das Abenteuer, spekuliert auf das Ungewisse – und möchte trotzdem abgesichert sein gegen alle Gefahren, die einem unterwegs begegnen können.
Felicitas Hoppe ist 1998 mit einem Containerschiff einmal um die Welt gefahren; in ihrem Roman „Pigafetta“ hat sie dieses Erlebnis literarisch verarbeitet. Ihr neues Buch „Reisen“ nähert sich dem Phänomen aus unterschiedlichen Richtungen:
Hoppe denkt sich zurück in ihre Kindheit, in der nie Urlaub gemacht wurde, jedenfalls nicht im konventionellen Sinn. Man dürfe, so sagt sie es, aber nie vergessen, dass für ein Kind bereits eine Bahnfahrt von Hameln nach Hildesheim ein aufregendes Erlebnis sein könne.
Keine Innenwelt ohne Außenwelt
Der Urmotor unseres Unterwegsseins, so Hoppe, sei die Tatsache, dass die Sehnsucht, die sich hinter dem Reisen verbirgt, stets unerfüllt bleibe. Sein leben lang glaube der Mensch, dass man da draußen noch etwas entdecken könne, was noch niemand gesehen habe. Doch: „Es gibt keine Innenwelt ohne Außenwelt.“
Felicitas Hoppe erzählt im Gespräch auch von den Reisen, die sie in ihrer Eigenschaft als Schriftstellerin unternommen hat: Im Jahr 2000 fuhr sie mit 100 europäischen Schriftstellern mit einem Zug von Lissabon nach Moskau, quer durch Europa.
„Ein im doppelten Sinn fantastisches Projekt“, sagt Hoppe, von dem sie habe erzählen wollen, weil es zeigt, wie sehr der Europa-Enthusiasmus sich mittlerweile abgekühlt habe.
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