Georg-Büchner-Preis 2025

Warum Monika Rinck mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet werden sollte

Wer erhält den Georg-Büchner-Preis 2025?

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Von Autor/in Anja Höfer

Ich bin Anja Höfer, Literaturredakteurin bei SWR Kultur. Seit 1951 wurde der Büchnerpreis 72-mal vergeben: 60-mal an einen Mann und 12-mal an eine Frau. Höchste Zeit also für eine neue BüchnerpreisträgerIN!

Und zwar für eine, die nicht nur souverän und gewitzt über ihre Sprache verfügt, sondern eine, die die Sprache selbst zum Gegenstand ihrer literarischen Erkundungen und Verzauberungen macht.

Monika Rinck ist Dichterin, Essayistin, Übersetzerin, Performerin: ein literarisches Gesamtkunstwerk, immer in Bewegung. In ihrer Lyrik – etwa in „Honigprotokolle“ oder „Risiko und Idiotie“ - da nimmt sie Floskeln, Sprichwörter, Werbeslogans – und kippt sie in einen neuen Kontext, wo sie plötzlich fremd, komisch, aufgeladen wirken.

Auch in ihrem jüngsten Gedichtband „Höllenfahrt und Entenstaat“ zeigt sie sich als Meisterin der Assoziationsräume: Von Dantes Höllenkreisen bis nach Entenhausen.

Monika Rinck zerlegt die Sprache: nicht zerstörerisch, sondern sie zeigt, wie sich Bedeutung bildet, wie sie sich verschiebt oder auch entgleitet: Und sie tut das mit großem Witz, mit Eleganz, und einer Liebe zum Absurden. Das ist gar nicht so hermetisch, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern offen für alle möglichen Assoziationen und auch einen sehr handfesten Weltbezug.

Monika Rinck beherrscht das Komische im Philosophischen, das Spielerische im Theoretischen: eine Poetik des „sinnlichen Denkens“, wie sie selbst es nennt. Sie reflektiert, wie wir sprechen, schreiben, verstehen – oder auch scheitern. Das tut sie aber nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern öffentlich, geradezu performativ.

Und sie behandelt Literatur als etwas, das gerade jetzt dringend gebraucht wird: nämlich als dialogisches, offenes System: in Kollaborationen, Übersetzungen, interdisziplinären Arbeiten, etwa auch mit Musik und bildender Kunst. Monika Rinck steht für eine Literatur, die zugleich hochreflektiert und zugänglich ist.

Ihr Werk ist kein Projekt, es ist eine Haltung: wach, präzise, spielerisch. Es ist höchste Zeit, dass die deutsche Literatur diese Stimme auch mit ihrem bedeutendsten Preis ehrt.

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Anja Höfer
Anja Höfer, Autorin, Moderatorin und Redakteurin, SWR Kultur