- „Hinter verzauberten Fenstern“ von Cornelia Funke
- „Scheißkerle“ von Andrev Walden
- „Zuhause ist vorübergehend geschlossen“ von Antje Huhs
Der Klassiker: „Hinter verzauberten Fenstern“ von Cornelia Funke
Die Weihnachtszeit ist geprägt von Ritualen, die die Vorfreude umso größer machen. Viele Familien lesen immer wieder die gleichen Geschichten, so zum Beispiel Cornelia Funkes Adventskalender-Geschichte „Hinter verzauberten Fenstern“. Julia bekommt darin einen ganz besonderen Kalender geschenkt: zwar ohne Schokolade, aber er gewährt ihr den Zugang zu einer fantastischen Welt.
Dort trifft Julia auf die bärenstarken Elfen Melissa und Rosalinde, den verrückten Erfinder Jakobus Jammernich und den Lebkuchen essenden Prinzen Henry. Doch natürlich erfindet Cornelia Funke keine heile Fantasiewelt. Julia muss es mit dem bösen Graf Leo aufnehmen, der Kinder nicht ausstehen kann und sich die Kalenderwelt unter den Nagel reißen will.
Schauspielerin Katharina Thalbach hat Cornelia Funkes Klassiker mit ihrer Lesung neues Leben geschenkt. Ihre markante Stimme ist erstaunlich wandelbar: Ein großes Vergnügen für die ganze Familie! In 24 Kapiteln kann das Hörbuch selbst als Adventskalender genutzt werden - oder man hört es doch am Stück, weil es gerade so schön spannend ist.
Zeit der Rückschau: „Scheißkerle“ von Andrev Walden
Die Weihnachtszeit ist auch immer die Gelegenheit, auf das vergangene Jahr zurückzublicken, oder vielleicht gleich auf die Kindheit? Der schwedische Autor Andrev Walden erzählt davon, wie er als Siebenjähriger kurz vor Weihnachten erfahren hat, dass sein Vater nicht sein richtiger Vater ist. Und die anderen „Scheißkerle“ im übrigen auch nicht.
Walden erzählt aus der Perspektive eine Kindes, dass diese merkwürdige Welt der Erwachsenen nicht versteht oder deutet, sondern nur beschreiben kann. Er erzählt von den Männern, die bei ihm Zuhause ein- und ausgehen. Sie wechseln wie Wetterlagen und haben Eigenschaften als Namen: der Künstler, der Pfarrer, der Kanute.
Shenja Lacher liest die Geschichte fast beiläufig, ohne stark zu dramatisieren. Dadurch verstärkt er die Wirkung des Textes, dessen kindliche Perspektive atmosphärisch beschreibt, statt zu deuten. Ein etwas anderes Weihnachtshörbuch, das von der Suche nach Stabilität erzählt.
Die Krise: „Zuhause ist vorübergehend geschlossen“ von Antje Huhs
Ausgerechnet kurz vor Weihnachten streiken die Pflegekräfte in den Altersheimen, alle und überall. Per Notverordnung verteilt die Regierung alle alten Menschen auf Privathaushalte. So steht Herr Jankowski plötzlich bei Annett und ihrer Familie vor der Haustür. Annett, die ohnehin die Care-Arbeit zu Hause schultert, bringt das an den Rand der Verzweiflung. Aber was will man machen?
Milos wollte unterdessen ebenfalls seiner Pflicht nachkommen und seinen leicht dementen Vater zu sich nach Hause holen. Aber der ist verschwunden. Offenbar wurde er falsch zugeteilt. Zum Glück arbeitet Milos' alte Klassenkameradin Margret auf dem Rathaus und war sogar für die Verteilung zuständig. Ob sie ihm helfen kann?
Lennart hat Urlaub. Praktisch, denn so muss er sich nicht entscheiden, ob auch er mitstreiken will. Dumm nur, dass die Medien seinen Social-Media-Post entdecken. Der war als Witz gemeint war, kann aber als Streikaufruf gelesen werden. Und dann noch dieser Talkshow-Auftritt! Lennart will bei seinen Eltern untertauchen, doch auch die stecken mitten in der Pflegekrise.
Antje Huhs wirft in ihrem Roman alle relevanten Fragen zum Thema Pflege auf, geschickt mit den unterschiedlichen Handlungssträngen verwoben, unterhaltsam erzählt und voller überraschender Wendungen. Schauspielerin Vera Teltz macht daraus schönstes Kopfkino. Perfekt für die Jahreszeit, in der sich alle fragen, wer zu Weihnachten wen besuchen sollte.