Heftige Kritik im Netz

Die Debatte um Bestseller-Autorin Caroline Wahl

Ihr dritter Roman „Die Assistentin“ katapultiert die Mainzer Autorin Caroline Wahl wieder auf Platz 1 der Bestsellerliste. Gleichzeitig sorgt sie in Sozialen Medien für hitzige Diskussionen. Was ist da los?

Teilen

Stand

Caroline Wahl erlebt gerade den Höhepunkt ihrer Karriere – und zugleich die Schattenseiten literarischen Ruhms. Ende August erschien ihr dritter Roman „Die Assistentin", der sofort auf Platz eins der Bestsellerliste kletterte. Damit reiht sich das Buch nahtlos in den Erfolg ihrer Vorgänger „22 Bahnen" und „Windstärke 17" ein.

Parallel läuft im Kino die Verfilmung ihres Debüts. An Caroline Wahl kommt derzeit kaum jemand vorbei, weder in Buchhandlungen noch in Feuilletons oder Sozialen Medien.

Zwischen Kult und Shitstorm Mit neuen Büchern von Nelio Biedermann, Jehona Kicaj, Nava Ebrahimi und Pier Vittorio Tondelli

Rilkes künstlerische Seite, zwei Titel von der Longlist zum Deutschen Buchpreis könnten unterschiedlicher nicht sein und um Caroline Wahl tobt ein heftiger Shitstorm.

lesenswert Magazin SWR Kultur

Zwischen Lob und Shitstorm

Doch wo Erfolg ist, lässt Kritik nicht lange auf sich warten. In den sozialen Netzwerken formierte sich schnell Widerstand: Schlechte Rezensionen auf Amazon, harsche Kommentare und ein wachsender Shitstorm richten sich nicht nur gegen Caroline Wahls Texte, sondern auch gegen ihre Person.

Social-Media-Beitrag auf Instagram

Wahl präsentiert sich selbstbewusst, betont ihren Ehrgeiz („Ich will die Beste sein“) und äußert offen Enttäuschung über verpasste Preise. Genau dieses Auftreten sorgt wohl bei vielen für Ablehnung.

Kritik an Themenwahl und Stil

Inhaltlich werfen Leserinnen und Leser der Autorin vor, einige problematische Passagen in „Die Assistentin" geschrieben zu haben. Etwa, wenn die Protagonistin Charlotte Narben von Selbstverletzungen als „faszinierend“ beschreibt. Fans, die ihre frühen Werke gefeiert hatten, sehen darin eine Romantisierung von selbstverletzendem Verhalten.

Social-Media-Beitrag auf Instagram

Zudem stören sich manche an Wahls Inszenierung auf Instagram: Während sie selbst aus bürgerlichem Umfeld stammt und ihren Erfolg offen zeigt, handeln ihre beiden Bücher „22 Bahnen" und „Windstärke 17" unter anderem von Armut – für manche ein Widerspruch.

Literaturkritik unter Druck

Auch im Feuilleton entzündet sich eine Diskussion. Kritikerinnen wie Iris Radisch werfen der Literaturkritik vor, zu milde mit Wahl umzugehen, während Stimmen auf Plattformen wie Amazon direkter urteilen würden.

Damit wird der Fall Wahl zu einem Beispiel für das Spannungsfeld zwischen Social-Media-Debatten, Vermarktung und klassischer Literaturkritik. Die hitzige Diskussion um Wahl zeigt weniger eine Krise der Literatur als vielmehr die Dynamik von Aufmerksamkeit, Kritik und Erfolg in digitalen Zeiten.

Machtmissbrauch in der Verlagsbranche „Man denkt, dort passiert es am wenigsten“ - Caroline Wahl im Gespräch über ihr Buch „Die Assistentin“

In ihrem dritten Roman „Die Assistentin“ schlägt Caroline Wahl einen neuen Ton an. Ihre Hauptfigur Charlotte erlebt Machtmissbrauch in einem renommierten Verlag. Erfahrungen, die auch Caroline Wahl nicht fremd sind.

Neues von „22 Bahnen“-Autorin Machtmissbrauch im Verlag – Caroline Wahls neuer Roman „Die Assistentin“

Mit „22 Bahnen“ landete Caroline Wahl vor zwei Jahren einen Überraschungserfolg und Bestseller. Jetzt erscheint ihr dritter Roman, mit dem sie einen neuen Ton anschlägt.

lesenswert Magazin SWR Kultur

Neue Romane über Macht, Erinnerung und entzauberte Welten Mit neuen Büchern von Caroline Wahl, Antonia Baum, Marko Dinić und Katerina Poladjan

Neue Romane über Macht, Erinnerung und entzauberte Welten und literarische Radwege im Südwesten.

lesenswert Magazin SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Das Gespräch führte
Kristine Harthauer
Kristine Harthauer, SWR Kultur Autorin und Moderatorin
Gespräch mit
Nina Wolf