Er hatte eine durchgeknallte Art zu schreiben: „Pier Vittorio Tondelli war Popliterat, er hat sich auf Musik bezogen, simultan erzählt, sehr zotig erzählt, die Jugendsprache benutzt und trotzdem war er hoch gebildet und in der Literatur sehr bewandert“, so beschreibt die Literaturkritikerin Maike Albath die Texte das italienischen Kultautors.
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Zeit, Tondelli wiederzuentdecken
Sein Debütroman wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, die Kritiker rümpften die Nase – das tat aber seinem Erfolg keinen Abbruch. Tondellis Bücher standen in den 1980er Jahren in jeder italienischen WG, erinnert sich Maike Albath, die selbst in Italien studierte.
Jetzt erscheint sein letzter Roman in einer neuen Ausgabe: „Getrennte Räume“ ist eine Tondelli-typische Mischung aus Liebesgeschichte und Bildungsroman.
Ausweglose Liebe
Im Mittelpunkt steht der Held Leo: Ein Alter Ego Tondellis, der ein bekannter Autor ist und der Abschied nimmt von seinem Freund Thomas, mit dem er einige Jahre lang zusammen war und der wahrscheinlich an Aids erkrankt ist. Tondelli hat diesen Roman 1989 veröffentlicht – zwei Jahre, bevor er mit 36 Jahren an Aids gestorben ist.
Als „schwulen Liebesroman“ wollte Tondelli sein Buch nicht lesen. Für ihn war der universelle Aspekt das Wichtigste, sagt Maike Albath: „Tondelli war damals wichtig, dass es um die Liebe in ihrer Totalität und Ausweglosigkeit und enormen Größe geht.“ Das mache den Roman auch so zeitlos.
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