Neues aus Kaiserslautern
Christian Baron wurde 1983 in Kaiserslautern geboren – und in der Pfälzer Industriestadt spielt sein neuer Roman „Drei Schwestern“. Wie auch schon die Vorgängerromane: „Ein Mann seiner Klasse“ und „Schön ist die Nacht“. In seinen Texten beschäftigt Baron sich mit Fragen von Herkunft, Klasse und Scham. Themen, die durch Autoren wie Didier Eribon und Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux auch international literaturfähig geworden sind.
Zurück nach Kaiserslautern: Christian Barons „Drei Schwestern“
Im Abschlussband seiner „Kaiserslauterer Trilogie“ widmet sich der Schriftsteller drei Schwestern, Anfang der achtziger Jahre wollen sie ihrer Herkunft entfliehen. Ulrich Rüdenauer hat den Roman gelesen.
Wie verändert BookTok unser Lesen?
Bücher boomen, auch im Netz. Wer heute nach Lesetipps sucht, findet sie nicht mehr nur im Feuilleton oder in der Buchhandlung, sondern auch bei TikTok und Instagram.
Einer der Buch-Creator ist Thomas Sachsenmaier, besser bekannt als „Thomas_Bookclub“. Mit über 74.000 Followern auf Instagram bringt er Literatur in Reels unter. Likes und Literatur? Das muss kein Widerspruch sein, findet er.
„Ich versuche, den Leuten heimlich auch mal einen Shakespeare unterzujubeln“
Im SWR Kultur lesenswert Magazin spricht „Thomas_Bookclub“ über den digitalen Bücherkosmos, die Kraft von Bookstagram-Communities und über die Frage, wie Social Media die klassische Literaturkritik ergänzt.
Feministischer Horror-Roman
In Ji-won wächst ein großer Wunsch: Sie will menschliche Augen verspeisen. Die Heldin in Monika Kims Horror-Roman „Das Beste sind die Augen“ wird zur Serienmörderin. Ihre Opfer: Männer. Ji-won rächt sich am männlichen Blick, dem „Male Gaze“.
Monika Kim ist eine koreanisch-amerikanische Autorin. Ihr Debüt war ein Bestseller in den USA, jetzt ist „Das Beste sind die Augen“ auf Deutsch erschienen. Und das als erster Roman im neu gegründeten Verlag „kiwi sphere“. Dessen Programm richtet sich speziell an Leserinnen in den Zwanzigern und Dreißigern.
Warum wir eine Männeraugen verspeisende Serienmörderin irgendwie gut verstehen können
Warum sollen gerade die ein Buch lesen, in dem es neben weiblicher Wut und Rassismus auch um Kannibalismus geht? Kristine Harthauer geht dem nach.
Kleine und große Lebenslügen
Die amerikanische Autorin Jessica Anthony lebt in Maine. Sie hat bislang vier Romane veröffentlicht. Nun ist ihr Roman „The Most“, mit dem sie auf der Longlist für den National Book Award stand, als erstes ihrer Bücher ins Deutsche übersetzt worden. „Es geht mir gut“ lautet der deutsche Titel.
„Es geht mir gut“ und andere Lügen
Darin erzählt Anthony von einer Ehe im Amerika der 1950er Jahre. In „Es geht mir gut“ bilanzieren die Ehepartner Kathleen und Virgil, was aus ihrem gemeinsamen Leben geworden ist. Beate Tröger hat den Roman gelesen, dessen Handlung sich entfaltet, wenn Kathleen in den Pool eintaucht: Und beschließt, diesen den ganzen Tag nicht mehr zu verlassen.
Unzuverlässige Erzählerinnen im Sanatorium
Im SWR Kultur lesenswert Magazin spricht Anna Prizkau über ihren Debütroman „Frauen im Sanatorium“, darüber, was sie an diesem Schauplatz literarisch interessierte und über ihre Liebe zur deutschen Sprache.
Im Zentrum des Romans stehen drei Frauen: die Erzählerin Anna, Elif und Marija. Jede bringt ihre eigene Biografie mit ihren eigenen Verletzungen mit. Prizkau beschreibt sie nicht als Patientinnen mit Diagnose, sondern als Menschen mit Geschichten. Die Biografien der Frauen sind voller Verletzungen, geprägt von migrantischen Lebenserfahrungen und von Widersprüchen.
„Wir sind Menschen, wir sind dazu geboren, um zu lügen“
Für die Autorin sei das Sanatorium ein idealer Ort, um Geschichten zu erzählen: „Weil wenn ich aus Berlin oder aus Hamburg oder aus irgendeiner Großstadt eine Geschichte erzählen muss, dann haben wir alle Einflüsse von den Restaurants, den Museen, der Zeitung, alles, was auf einen einspielt. Das gibt es in einem Sanatorium nicht.“
Im Laufe der Erzählung wird aber auch klar: Verlässlich sind diese Erzählstimmen nicht. Die Autorin glaubt, wir seien eben alle unzuverlässige Erzähler: „Wir sind Menschen, wir sind dazu geboren, um zu lügen“.
Ein anrührender Rückblick auf das Leben
„In Erwartung eines Glücks“ ist ein Buch über das Alter und das Abschiednehmen. Christoph Schröder hat der neue Roman der Schriftstellerin Sylvie Schenk begeistert. Schenk, 1944 in Chambéry in den französischen Alpen geboren, lebt seit den 1960er-Jahren in Deutschland. Der Durchbruch als Autorin gelang ihr 2023. „Maman“ stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.
In Sylvie Schenks neuem Roman „In Erwartung eines Glücks“ liest eine alte Schriftstellerin im Krankenhaus Houellebecq. Dabei blickt sie zurück auf ihr Leben und ihr Schreiben.