Debüt auf Shortlist

Shida Bazyar zur Booker Prize-Nominierung: „Meine Übersetzerin hat ganze Arbeit geleistet“

Mit „Nachts ist es leise in Teheran“ gewann Shida Bazyar deutsche Literaturpreise. Nun war die Übersetzung für den International Booker Prize nominiert – ein Jahrzehnt nach der Erstveröffentlichung.

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Stand

Von Autor/in Hannegret Kullmann

Gute Kritiken für den ersten Roman

Vor zehn Jahren eroberte Shida Bazyar mit ihrem Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“ die deutsche Literaturszene – und das mit gerade mal 28 Jahren. Das Buch erzählt die Geschichte einer iranischen Familie, die vor dem Mullah-Regime nach Deutschland flieht. Ein multiperspektivischer Roman, dessen Handlung sich über drei Jahrzehnte erstreckt.

Für ihr Erstlingswerk erhielt Shida Bazyar den Ulla-Hahn-Autorenpreis und den Uwe-Johnson-Förderpreis. Nun steht die englische Übersetzung neben fünf anderen Werken auf der Shortlist für den International Booker Prize. Unter anderem ist auch Daniel Kehlmann für „The Director“ („Lichtspiel“) nominiert.

Der renommierte Buchpreis geht an fremdsprachige Bücher, die ins Englische übersetzt und in Großbritannien veröffentlicht wurden. Das Preisgeld von 50.000 Pfund teilen sich Autoren und Übersetzer.

Porträt-Foto Shida Bazyar
Shida Bazyars Erstlingswerk „Nachts ist es leise in Teheran“ wurde von der Kritik positiv aufgenommen.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Übersetzerin

„Nachts ist es leise in Teheran“ erschien 2025 als „The Nights Are Quiet in Tehran“ und wurde von Ruth Martin übersetzt. Martin habe „ganze Arbeit geleistet“, betont Bazyar im Gespräch mit SWR Kultur. „Sie hat im Übersetzungsprozess immer wieder Fragen gestellt, um sicher zu gehen.“ Die Autorin vertraue ihrer Übersetzerin voll und ganz.

Dass das Buch jetzt, so viele Jahre später, weltweit Aufmerksamkeit bekommt, ist auch für Bazyar überraschend: „Man weiß wirklich nicht, wann eine Reise mit so einem Buch endet.“

Porträtfoto Ruth Martin
Ruth Martin übersetzt viele bekannte Autorinnen und Autoren ins Englische, darunter Shida Bazyar, Nino Haratischvili und Volker Weidermann.

Jugendbuch als Impuls für das eigene Schreiben

Ihr Debütroman sei zwar nicht autobiographisch, betont Shida Bazyar, und doch verarbeitet sie darin die Geschichte ihrer Eltern. Für die Recherche hat sie mit ihnen Interviews über ihren Widerstand im Iran geführt, der 1987 zur Flucht nach Deutschland führte. Ein Jahr später wurde Shida Bazyar im rheinland-pfälzischen Hermeskeil geboren.

Als Kind hatte Shida Bazyar eine Lieblingslektüre: Der Klassiker „Little Women“ von der US-amerikanischen Autorin Louisa May Alcott. Die Lebensgeschichte der vier Schwestern weckte in ihr den Wunsch, selbst Schriftstellerin zu werden.

Bereits während sie „Kreatives Schreiben“ an der Uni Hildesheim studierte, begann sie mit der Arbeit an ihrem Debütroman. Ihre goldene Regel: Jeden Tag drei Seiten produzieren, unabhängig von der Qualität des Geschriebenen. So blieb sie kontinuierlich in Kontakt mit ihren Figuren und Themen und schuf die Basis für „Nachts ist es leise in Teheran“.

Inzwischen lebt Shida Bazyar als etablierte Autorin in Berlin. Ihr zweiter Roman „Drei Kameradinnen“ von 2021 schaffte es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Darin geht es um drei junge Frauen mit migrantischen Wurzeln, um bedingungslose Freundschaft, Identität und Ausgrenzung.

Shida Bazyar, Schriftstellerin, sitzt im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne auf der Bühne in den Balloni Hallen.
Autorin Shida Bazyar, hier als Teilnehmerin des Literaturfestivals Lit.Cologne 2026.

Eigene Perspektive auf den Iran

Bazyar schreibt auch immer wieder für Zeitungen und kommentierte zuletzt die Geschehnisse im Iran. Für „Zeit Online“ schrieb sie zu Beginn des Iran-Kriegs, wie sie von Deutschland aus die Geschehnisse mitverfolgte und was das in ihr auslöste: die Proteste und Massaker und später die Angriffe auf das Heimatland ihrer Eltern.

Auch gegenüber SWR Kultur drückt sie ihre Sorge um die Zukunft Irans aus: „Wir sind alle noch in Schockstarre und am Abwarten, weil wir bei Donald Trump und Benjamin Netanjahu, aber auch der Islamischen Republik überhaupt nicht wissen, was als nächstes passieren wird.“

Für September hat Shida Bazyar ihr drittes Buch angekündigt, „Die Lücken“. Der Roman spielt im fiktiven Ort Heimesbach im Hunsrück und fragt, auf welchen Fundamenten wir unsere Heimat bauen. Dort, wo einst Juden und Jüdinnen verfolgt wurden, finden Jahrzehnte später Menschen aus dem Iran eine Zuflucht – so wie Bazyars Eltern 1987 in Hermeskeil.

Gespräch Shida Bazyar: „Ich hatte nie dieses Gefühl von Zerrissenheit“

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