In einem Appartement im winterlichen New York, ausgeschmückt mit protziger Kunst findet eine Trauerfeier für die Schauspielerin Rebecca statt.
Immer mehr Trauergäste aus der angesehenen Kunst und Schauspielszene füllen den Raum. Menschen, die den Gastgebern Nicole und Eugene schmeicheln wollen und heuchlerisch um die Verstorbene trauern.
In einer Ecke, auf einem weißen Leinensofa mit einem Wein in der Hand sitzt die Ich-Erzählerin. Sie war mit Rebecca befreundet. Vor einigen Jahren auch mit den Gastgebern und den anderen Gästen auf der aufgesetzten Trauerfeier.
„Fünf Jahre lang war ich genau diesen Leuten aus dem Weg gegangen, und jetzt saß ich mitten unter ihnen, diesen Leuten, die den Tod unserer Freundin Rebecca ausgenutzt hatten, um mich zurück in ihren Tempel modernistischen Rokokos an der Bowery zu locken.“
Kritik an der Kunst- und Kulturszene
Mit dieser Gesellschaftskritik wagt sich Zoe Dubno in ihrem Debütroman „Nur das Allerbeste“ an die protzigen Ränge der Kunst- und Kulturszene. Aufgewachsen in New York pendelt die Journalistin heute zwischen ihrer Heimat und London.
Ihre Ich-Erzählerin hinterfragt nicht nur ihre Freundschaft zu den Trauergästen und deren aufgesetzte Verbundenheit, sondern auch ihr Leben als Journalistin. Denn,
eigentlich wäre es mir noch lieber gewesen, ich hätte gelernt, wie man aus einem edleren Gewerbe Profit schlägt, … und nicht dem Verhökern von Worthülsen an Illustrierte, … .
Und bereut ihre damalige Abhängigkeit von den Gastgebern Nicole und Eugene. Zu oft hat sie sich verstellt, um ihnen zu gefallen und auf ihre angesagten Partys eingeladen zu werden oder kostenlos in dessen Appartement zu wohnen.
Einem Appartement voll mit wertvollen Kunststücken und Büchern deren Namen die beiden zwar nicht kennen, jedoch den lächerlich hohen Preis. Wie sie gegenüber den Gästen immer wieder betonen.
„Im Rausch kognitiver Dissonanz lieben sie große Kunst, aber schämen sich gleichzeitig maßlos dafür, dass sie reich sind und Kunstwerke horten, weswegen sie ihre Kunst einlagern, damit ihre Sucht nach der Anhäufung von Dingen – und noch wichtiger, ihr Geschmack – nie zur Sprache kommt.“
Mehr Schein als Sein
Dubno zeichnet ein scharfes Porträt einer privilegierten Welt, die sich durch Schein statt Sein definiert. Bewaffnet mit einem nahezu proustischen Schreibstil setzt nicht nur die Ich-Erzählerin, sondern auch Dubno den snobistischen pseudointellektuellen den Kampf an.
Und schreibt ohne Scham, was viele denken, aber nicht aussprechen: mehr Schein als Sein. Verpackt in exquisiter Wortwahl. Und doch erhaben und begehrt wie der Olymp im alten Griechenland.
Unbedingt wolltest du diese Leute kennen, was hast du nicht alles angestellt, um diese Leute kennenzulernen, wie toll hast du dich gefühlt, wenn du in ihrer Gesellschaft warst, wie hast du diese Leute geliebt, …
Wie in einem Tennismatch
Doch gerade diese Stilmittel verleihen dem Buch eine außergewöhnliche Authentizität - es wirkt beinahe so, als habe die Autorin die Gedanken der Protagonistin in einem Rutsch zu Papier gebracht.
Diese verschachtelten Sätze spiegeln die sprunghafte Natur menschlicher Gedanken wider und wechseln immer wieder zwischen ihrem Leben und Menschen wie ein aufgeladenes Tennismatch hin und her.
Und doch schafft es Dubno ihre philosophischen Anflüge in dieser kafkaesken Trauerfeier unterzubringen.
„Denn wenn es irgendwo leicht Geld zu verdienen gibt, vergisst man gern, dass mit einem Nettoverlust an Seele zu bezahlen sein wird.“
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