Am 24. Mai feiert der Schriftsteller Hans Pleschinski seinen 70. Geburtstag. Zu diesem Anlass hat der C.H. Beck Verlag Pleschinskis Roman „Bildnis eines Unsichtbaren“ in einer neuen Auflage herausgebracht.
Ein autobiografisches Buch, von dem Pleschinski selbst sagt, dass es ihn beim Schreiben unendlichen Schmerz bereitet habe. Trotzdem habe dieser Roman geschrieben werden müssen.
Rauschhafte Schönheit
Die Schriftstellerin Anja Kampmann hat das Nachwort zur Neuausgabe verfasst. Sie erzählt im Gespräch, dass Pleschinskis Roman die Münchener Schwulen-Boheme ab der Mitte der 1970er-Jahre äußerst plastisch porträtiert.
Eine intellektuelle Szene, die beinahe rauschhaft Schönheit, Entgrenzung, Kreativität gefeiert habe — bis im Jahr 1983 der AIDS-Virus dieser kurzen Epoche der Leichtigkeit wie ein scharfes Schwert ein Ende bereitet habe.
Eine Zeitkapsel
Hans Pleschinski schreibt von einer Mischung aus „Lebensfreude und unbeherrschbarem Grauen“, die mit AIDS in die Szene hineingekommen sei. Jeder Sommer, so habe er selbst seinerzeit gedacht, könnte sein letzter sein.
Anja Kampmann charakterisiert „Bildnis eines Unbekannten“ als „Zeitkapsel“, in der die Magie einer kurzen Zeit der Freiheit aufgehoben sei.
Utopischer Raum
Die Sehnsucht und der utopische Raum, der in „Bildnis eines Unbekannten“ vermessen werde, sei auch hochgradig politisch, so Kampmann.
Gerade in unserer Gegenwart, in der die Rechte und die Freiheit von Minderheiten erneut beschnitten würden, sei der Roman als Chronik einer Emanzipation zu verstehen.
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