Die schottische Schriftstellerin Ali Smith nannte Elspeth Barkers Roman „O Caledonia“ einmal „einen der besten und am wenigsten bekannten Romane des 20. Jahrhunderts“. Erschienen im Jahr 1991, sollte „O Caledonia“ der einzige Roman der schottischen Schriftstellerin bleiben. Barker starb im April 2022.
Düsteres Nordschottland
SWR-Literaturredakteurin Theresa Hübner hat den Roman zum ersten Mal im Alter von 16 Jahren gelesen; es ist eines der Bücher ihres Lebens geblieben. Die widerspenstige Heldin Janet, die in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg in einem Schloss in Nordschottland aufwächst, sei für sie eine starke Identifikationsfigur gewesen.
Janet ist eine hochbegabte Außenseiterin, die sich nicht an gesellschaftliche Konventionen hält, sondern sich für Literatur und Natur interessiert.
Eine weibliche Identifikationsfigur
Ein sehr zeitgemäßer Charakter: eine junge Frau, die aneckt — und die gleich auf der ersten Seite des Romans ermordet wird und deren Leben Elspeth Barker rückblickend erzählt. Barkers Sprache ist opulent, ausufernd, emotional.
Die Neuübersetzung von Verena von Koskull, so Theresa Hübner, fürchte sich nicht vor dem Pathos und den großen Bildern, sondern nehme diese dankbar auf. Der Roman lebe weniger von seiner Handlung als von seiner Stimmung.
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ars vivendi (344 Seiten, 22 Euro)
ISBN 978-3747207161
30. Juli 2025