Mit sieben Jahren bekam er seine erste Gitarre und noch während der Schulzeit gründete er eine Band. Die Bühne war Chris Norman, geboren 1950 in England, quasi in die Wiege gelegt. Seine Eltern und Großeltern waren nämlich auch im Showgeschäft tätig. Aber wer hätte gedacht, dass dieser Junge aus Yorkshire einmal besonders in Deutschland riesige Konzerthallen füllen würde?
Zur rauchigen Stimme in den Pubs der 1960er-Jahre
1965 traten die Jungs aus Yorkshire erstmals als "The Elizabethans" auf und sammelten in englischen Pubs erste Erfahrungen. "In den 1960er- und 1970er-Jahren habe ich viel in verräucherten Nachtclubs gesungen", erinnerte sich Norman später.
Drei Jahre später wagte die Band den Sprung ins Profilager und veröffentlichte 1970 unter dem Namen "Kindness" ihre erste Single "Light of love". Eine schwere Stimmbandentzündung veränderte Normans Stimme wenig später dauerhaft – und machte sie zu seinem Markenzeichen.
Wenn man die Stimme so lange so strapaziert, wird sie eines Tages Teil deines persönlichen Sounds.
Der Durchbruch mit "Smokie": Von kleinen Clubs zu weltweiten Hits
Die entscheidende Wende kam 1974 mit den Produzenten Nicky Chinn und Mike Chapman. Mit Pete Spencer als neuem Mitglied nannte sich die Band "Smokey". Doch der Name führte zu Ärger: Der Soul-Sänger Smokey Robinson drohte mit rechtlichen Schritten. Am 17. November 1975 änderten sie die Schreibweise zu "Smokie" – und dann kam der Erfolg.
Und dann kam "Living Next Door to Alice"
Mit "If You Think You Know How to Love Me" landeten sie ihren ersten Hit. Besonders in Deutschland flogen "Smokie" die Teenagerherzen zu, wo sie in der Jugendzeitschrift "Bravo" sowie in Ilja Richters "Disco" regelmäßig vertreten waren. 1977 gelang ihnen mit "Living Next Door to Alice" der erste Nummer-eins-Hit in Deutschland. Insgesamt neun Wochen belegten sie damit den Spitzenplatz. Doch fast wäre es nie dazu gekommen.
1976 war die Band zu Plattenaufnahmen in Amerika. Für das Album fehlte allerdings noch ein Song und Mike Chapman schlug "Living Next Door to Alice" vor, das er schon vor einigen Jahren mit Nicky Chinn geschrieben hatte. Die australische Band "New World" hatte den Song schon einmal ohne Erfolg veröffentlicht. "Smokie" mochte das Lied nicht, es ging ihnen zur sehr in die Country-Richtung.
Dennoch nahmen sie es auf. Der Rest ist Pop-Geschichte.
Auf "Alice" folgten "Lay Back in the Arms of Someone" und "Mexican Girl”, der dritte Nummer-eins-Erfolg für die Band in Deutschland.
In England haben wir noch in Theatern vor 3.000 Leuten gespielt, da haben wir in Deutschland schon Hallen mit 12.000 Menschen gefüllt.
Nach dem Erfolg kam die Trennung
1982 löste sich "Smokie" auf, nachdem sich die Erfolgskurve konstant nach unten bewegt hatte und interne Spannungen die Arbeit erschwert hatten. Drei Jahre später fanden sich Smokie zwar wieder zusammen, doch schon 1986 stieg Norman dann endgültig aus der Band aus.
Doch für Chris Norman war das kein Ende, sondern ein Neuanfang. Bereits 1978 hatte er mit Suzi Quatro das Duett "Stumblin' in" aufgenommen, das ein großer Erfolg wurde. 1986 gelang ihm als Solokünstler der Durchbruch mit "Midnight Lady", geschrieben von Dieter Bohlen. Die Ballade wurde ein gigantischer Hit und markierte den Beginn einer kurzen Zusammenarbeit mit dem deutschen Produzenten.
Familie, Heimat und ein Schicksalsschlag
Norman zog sich später auf seine Heimatinsel zurück, wo er bis heute mit seiner Frau Linda lebt. Die beiden sind seit den 1960er-Jahren verheiratet und haben vier Kinder. Ein schwerer Schicksalsschlag traf die Familie 2001, als Sohn Brian bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Seitdem engagiert sich Norman als Botschafter für die Stiftung "Kinderhospiz Mitteldeutschland Nordhausen e.V.".
Plattencover von Chris Norman