Wir spielen die traditionelle Musik der Insel La Réunion: den Maloya, der sich aus den Liedern und Tänzen der Sklaven entwickelt hat. So haben die Sklaven damals ihr Leid, ihren Schmerz und ihren Widerstand ausgedrückt. Dieser Musikstil ist mit dem Blues in den USA vergleichbar.
Das Wort Maloya, sagt Marie Claude Lambert-Philéas, bedeute „sprechen“. Sie ist stolz darauf, dass sie als Tochter des legendären Maloya-Musikers Gramoun Lélé die musikalischen Traditionen der Insel weiterführt.
Votia spielen den Maloya, um an ihr kulturelle Erbe zu erinnern
Seit 2019 leitet die Sängerin und Songschreiberin die Familienband Votia. Der Bandname ist der Familienname ihrer Mutter und bedeutet „Berggipfel“. Zur Formation gehören ihr Ehemann, ihre Brüder, Cousins und Kinder.
Votia spielen eine kraftvolle und schnelle Maloya-Version aus dem Osten der Insel und stehen für die Bewahrung und das Erinnern an das kulturelle Erbe, gerade auch für die jüngeren Generationen.
„Vergesst nicht eure Kultur und Traditionen“
Maloya ist für Lambert-Philéas schon immer eine Familienangelegenheit, sie ist damit aufgewachsen. Sehr früh fängt sie selbst mit der Maloya-Musik an, schon mit drei steht sie auf der Bühne, tanzt und singt. Eines Tages beginnt sie, selbst Lieder zu schreiben. Ihre Band Votia hat gerade das Album „Vié Kaz“ (Das alte Haus) veröffentlicht.
„‚Vié Kaz‘ ist unser Familienhaus, in dem meine Geschwister und ich groß geworden sind“, erklärt Lambert-Philéas den Album-Titel. „Dort haben mein Vater und meine Brüder ihre Alben realisiert. Auch ich habe an diesem Ort viele meiner Werke geschaffen, darunter auch die neue Veröffentlichung.“
Im Lied „L’identité“ wenden sich Votia direkt an die junge Bevölkerung von La Réunion: „Denkt daran, woher ihr kommt und vergesst nicht eure Kultur und Traditionen. Der Maloya macht euch aus. Das ist eure Identität. Besinnt euch auf eure Wurzeln.“
Eine Musik voll Polyphonie und Perkussion
Maloya: Das ist nicht nur der Musik- und Gesangsstil, sondern auch der Tanzstil der Insel im indischen Ozean. Heute ist das Genre ein wichtiger Bestandteil der Kultur von La Réunion und wurde von der UNESCO 2009 als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.
Komponiert und gesungen wird auf Madagassisch und Kreolisch. Geprägt ist die Musik von Polyphonie und Perkussion, sie vereint die Einflüsse von indischen und afrikanischen Musiktraditionen.
„Der Roulèr ist das Herz der Maloya-Rhythmen“, erklärt Marie-Claude Lambert-Philéas. Doch neben der großen Zylindertrommel Roulèr kommen noch andere Schlaginstrumente zum Einsatz: der Kayamb, eine Rassel aus Zuckerrohr und Samen und der Pikèr aus Bambus.
„Ich fühle mich lebendig, wenn ich zu den Maloya-Rhythmen singe“
Die Bevölkerung der Insel La Réunion setzt sich aus verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen. Die meisten Bewohner sind Kreolen, Nachkommen von afrikanischen, indischen, madagassischen und europäischen Siedlern. Es gibt auch Gemeinschaften von Tamilen, Chinesen und Festlandfranzosen.
Bei all diesem Mix spielt der Mayola eine völkerverbindende Rolle: „Ich fühle mich lebendig, wenn ich auf der Bühne bin und zu den Maloya-Rhythmen singe“, so die Sängerin. „Das ist der Moment, in dem ich mich am besten ausdrücken kann. Das ist meine Therapie.“
Beim Singen fühle sie eine tiefe Verbindung zu ihren Vorfahren, erklärt Marie-Claude Lambert-Philéas: „Ich gedenke der Ahnen und respektiere sie. Diese haben unbeirrt für die Mayola-Musik gekämpft. Ohne unsere Vorfahren hätten wir heute nicht diese wunderbare Musik.“