Vladimir Jurowski ist Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper und Chef des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Seine Familie hat eine enge persönliche Beziehung zu Dmitrij Schostakowitsch: Der Komponist war ein Freund der Familie, mit Jurowskis Vater spielte er gerne vierhändig Klavier.
Trotzdem entschied sich Jurowksi als junger Erwachsener dafür, dass ihm vieles an der Musik Schostakowitschs nicht schmeckt. Bis heute bleibe sein Zugang zu Schostakowitschs Musik zwiespältig. Es gäbe viele Stücke, die er für besondere Anlässe geschrieben habe, und das nicht immer freiwillig.
Trotzdem findet Jurowski, dass Schostakowitsch „ein großartiger und genial begabter Musiker“ gewesen sei.
Schostakowitsch 50 Jahre nach seinem Tod so aktuell wie nie
Der Komponist ist in seinem 50. Todesjahr aktuell wie nie: aufgrund der politischen Dimension, aber auch wegen seiner Musik und dramatischen Biografie. In Russland feiert man Schostakowitsch, wobei ihn der Kreml auch heute wieder für seine politischen Zwecke instrumentalisiere.
Vor kurzem wurde von Schostakowitsch ein Tagebuch in Moskau entdeckt, das seither nicht verlegt wurde. Vladimir Jurowski vermutet, dass Russlands Regime das absichtlich verhindere:
Schostakowitsch spricht dort Tacheles. Er ist wirklich offen in seiner Ablehnung des Regimes und auch der führenden Persönlichkeiten der damaligen Zeit.
50. Todestag des Komponisten Der Fall Schostakowitsch – Sprachrohr in einer Diktatur?
Die dramatische Musik Dimitri Schostakowitschs klingt so aktuell wie nie. Sie zeigt verborgene Gefühle unter autoritärer Herschafft. Eine Waffe gegen die Unterdrückung.
Musik mit Schmerz und Dramatik, aber auch Befreiung und Humanismus
In Schostakowitschs Musik liegt viel Dramatik, Schmerz, Druck und Befreiung. In diesen Zeiten kann seine Musik auch als Warnung gehört werden. Eine der stärksten Eigenschaften sei ihr Humanismus, sagt Vladimir Jurowski.
Denn Musik gebe sich oft als abstrakte Tonkunst: „Aber Schostakowitsch geniert sich nicht, sich mit Menschen, ihrem Leben mit den Problemen auseinanderzusetzen und darüber mit musikalischen Mitteln zu berichten.“, so der Dirigent.
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Alles Geschichte - Der History-Podcast Vier Töne gegen Stalin – Der Fall Schostakowitsch
In einer Diktatur Widerstand leisten und trotzdem überleben – wie geht das? Im Podcast schaut Host Malte Hemmerich auf das dramatische Leben des Komponisten Dmitri Schostakowitsch, um eine Antwort auf diese Frage zu finden.