Sommerreihe Inselmusik Folge 2

Madagaskar, hier wird Musik zur Sprache

Eine Allee von Affenbrotbäumen, ein Wald riesiger Kalknadeln und rund hundert verschiedene Lemuren-Arten, putzige Halbäffchen, von denen die einen miauen, jaulen und schnurren, die anderen zum Morgen-Duett anstimmt. Madagaskar, die viertgrößte Insel der Welt, die vor der Küste Südostafrikas liegt, bezirzt mit surreal anmutenden Landschaften, Pflanzen- und Tierarten, die es nur hier und nirgendwo anders gibt. Auch Musikkultur und Instrumente der Insel sind außer-gewöhnlich vielfältig.

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Von Autor/in Jane Höck

Der Gesang der Lemuren

Ganz Madagaskar ist Klang, selbst die Lemuren singen hier. Die größten unter ihnen, die Indris mit leuchtend blauen Augen, begrüßen jeden neuen Tag mit Duetten und Liedern. Sie sind vom Aussterben bedroht und leben in den letzten Bergregenwäldern im Nordosten Madagaskars.

Kopf und Arm vom Indri
Die Indris sind die größten der Lemuren. Die blauäugien Affen füllen den Wald auf Madagascar mit ihrem Gesang. IMAGO / imagebroker

In ihrer Kindheit ließen sich die sanften Lemuren – wörtlich Schattengeister – mit Brot in den Garten locken, erzählt MFA Kera, madagassisch-korsische Sängerin und Komponistin mit Wahlheimat Berlin.

Es war ein Paradies. Ich denke, was ich habe gekriegt von Madagaskar sind diese Klänge, dieser Gesang, diese wundervolle Inselmusik.

Madagascar: eine Frau

Das Video zu MFA Keras Song „Ylang Ylang Island“ fängt den Zauber des Insel-Kontinents mitten im Indischen Ozean ein. Traditionelle Segelboote gleiten über türkisblaues Wasser, Affenbrotbäume ragen majestätisch in den Himmel. Menschen arbeiten auf Reisfeldern und feilschen auf quirligen Märkten. Sommerregen tropft vom Dach. Frauen in bunten Kleidern und mit schweren Lasten auf dem Kopf tänzeln leichtfüßig über den Strand.

Für Kera ist Madagascar eine Frau, denn das Land sei sanft, lächelnd, fruchtbar, und, vom afrikanischen Kontinent isoliert. eine einzigartige Flora und Fauna hervorgebracht hat. Weiblich auch, weil vor der Kolonialzeit Matriarchat herrscht. Und Keras Mutter ist Madagassin. Nach der Scheidung nimmt der Vater das Mädchen und den Bruder mit in den Senegal. Kera vermisst die Mutter und die Lebensart der Madagassen.

Rock auf der Bambuszither

Madagaskar bedeutet Vielfalt, auch kulturell. Von allen Himmelsrichtungen schwappen unterschiedlichste Klänge ins Inselreich hinein. Die ersten Siedler waren malaysisch-polynesischen Ursprungs und brachten auch das Nationalinstrument der Insel mit: Die Röhrenzither Valiha.

Die legendäre, 1997 verstorbene Mama Sana singt und spielt die Röhrenzither aus Bambus wie eine Rockmusikerin. Die gut 20 Saiten, mit denen die Klangröhre umlaufend bespannt ist, sind ursprünglich aus Bambusrindenfasern, heute aber meist aus alten Bremszügen von Mofas und Fahrrädern.

Instrumentenvielfalt

Zu einer Insel gehört natürlich auch ein Muschelhorn aus dem Meer. Dazu kommen Trommeln und schnarrende Rasseln, eine kleine drei-saitige Geige und das perkussiv gespielte Saiteninstrument Kabosy, das vermutlich mit den Arabern auf die Insel kam.

Selbst das Akkordeon oder Trompetenklänge aus dem Jazz fügen sich heute harmonisch ein, in diese musikalische Wundertüte, die auch großartige mehrstimmige Gesänge enthält.

Antsiva , Muschelhorn aus dem 19. Jahrhundert
Das Muschelhorn, in Madagascar Antsiva genannt, kam mit den südasitatischen Seglern nach Madagascar. IMAGO / piemags

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Jane Höck