Der große Saal des Mozarteums ist beim Matinée-Konzert bis auf den letzten Platz gefüllt, obwohl Kyohei Sorita in Westeuropa noch kein Superstar ist. In Japan sind seine Konzerte innerhalb von Minuten ausverkauft und auf Instagram hat er mehr als 100.000 Follower. Seine Fans reisen mit ihm und sind auch in Salzburg dabei.
Kyohei Soritas musikalischer Werdegang war eher ungewöhnlich und keineswegs gradlinig. Aber er begann sehr früh: „Ich habe angefangen mit Geige, da war ich erst zwei Jahre alt. Aber nur für vier Monate, die Geige war nichts für mich. Ich war ein sehr kräftiges Kind, ich hatte eine Menge Energie.“
Erst später habe er mit E-Piano angefangen. Sorita wurde von seinen Eltern nicht zum Klavierspielen getrieben, sondern durfte selbst entscheiden, für was er sich interessiert. „Ich fing an, in die Musikschule zu gehen, aber zur gleichen Zeit hatte ich die Idee, dass ich eigentlich Fußballspieler werden wollte. Ein richtiger Star, so wie Cristiano Ronaldo oder Ronaldino“, erinnert sich Sorita.
Ich konnte auch zu meinen Freunden nicht sagen: Ich gehe jetzt zur Musikschule. Das war nicht cool. Deshalb habe ich immer, wenn ich in die Musikschule ging, gesagt, dass ich zum Fußballtraining gehe.
Liebe zum Dirigieren führt Kyohei Sorita ans Klavier
Lange Zeit betrieb Kyohei Sorita das Klavierspielen eher als Hobby, sein sportlicher Ehrgeiz war stärker. Doch dann kam ein Schlüsselmoment, der alles veränderte.
„Eines Tages nahm ich teil an einem Workshop für Kinder, dabei ging es darum, was eigentlich ein Dirigent macht. Und der Professor sagte: ‚Ein Dirigent ist wie ein Magier!‘ Das fand ich sehr cool und war begeistert“, erzählt Sorita. „Und dann sagte der Maestro: ‚Wer möchte jetzt hier dirigieren? Wir haben ein Orchester hier, ist irgendjemand bereit?‘“
Sorita meldete sich und dirigierte aus dem Stand eine „Mazurka“ aus Tschaikowskys „Schwanensee“, die er nur von der CD kannte. Seit dieser Erfahrung mit zwölf Jahren war er elektrisiert vom Beruf des Dirigenten. Man sagte ihm, dass man für diesen Beruf ausgezeichnet Klavier spielen können sollte. So konzentrierte er sich auf das Klavierspiel.
„Überall Fingen die Augen zu leuchten an“
Siegwald Bütow ist Orchesterdirektor des Mozarteumorchesters Salzburg. Auf Kyohei Sorita wurde er aufmerksam durch ein Video, das dessen Management ihm vor einiger Zeit zuschickte.
„Er hatte ein Mozart-Klavierkonzert geleitet und gespielt“, so Bütow. Als besonders beeindruckend empfand er Koyheis Leistung „in der Natürlichkeit, mit der er gespielt hat. Mit der Leichtigkeit, die er hatte, dann auch im Wechsel der Rollen: vom Spielen zum Dirigieren und wieder zurück.“
Bütow lud Sorita ein in der Doppelrolle als Pianist und Dirigent mit einem gemischten Programm mit Werken von Maurice Ravel, Francis Poulenc und Mozarts Klavierkonzert d-Moll.
Ich habe schon in der Probe beim Durchspielen gesehen und bei der ersten Reaktion des Orchesters auf sein Klavierspiel, wie überall die Augen zu leuchten anfingen und wie so eine ganz kammermusikalische Atmosphäre entstanden ist in der Zusammenarbeit.
2021 belegte Kyohei Sorita beim Chopin-Wettbewerb Platz 2
Gespür für Mozarts Musik und vollkommene Authentizität
Die Rückmeldungen aus dem Orchester waren schon nach den Proben so positiv, dass Siegwald Bütow den damaligen Konzertchef der Salzburger Festspielspiele, Florian Wiegand, spontan ins Konzert einlud. Der war sofort überzeugt und so verging nur ein gutes Jahr vom ersten Auftritt in Salzburg zu seinem Debüt bei den Salzburger Festspielen.
Das Mozarteumorchester Salzburg ist eine Institution in Sachen Mozart-Interpretation. Immer wieder hat der Klangkörper mit Experten für die historische Aufführungspraxis zusammengearbeitet, unter ihnen Ivor Bolton oder Riccardo Minasi.
Kyohei Sorita spielt auf einem modernen Konzertflügel und benutzt auch das rechte Pedal. Seine Mozart-Interpretation ist noch geprägt von klassischen Idealen, denn die historische Aufführungspraxis ist in Japan nur für die Interpretation von Barockmusik bekannt. Aber durch die Zusammenarbeit mit dem Mozarteumorchester gewinnt Sorita hörbar neue, frische Impulse.
„Er hat dieses Gespür dafür und und man merkt auch, es ist nicht gelernt, sondern es ist empfunden“, sagt Orchesterleiter Bütor. „Es ist wirklich vollkommen authentisch und das ist, was ihn so besonders macht. Und das überträgt sich auch auf das Publikum.“
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