Dass Hintergrundmusik generell einen positiven Einfluss auf das Konsumverhalten hat, wurde schon in Studien bestätigt. Bislang fehlten allerdings empirische Daten zum direkten Wert der Umsatzsteigerung.
Die im Auftrag der GEMA durchgeführte „Music Impact Studie” liefert nun erstmals einen wissenschaftlich fundierten Nachweis: Hintergrundmusik steigert den Umsatz im Einzelhandel um durchschnittlich 8 Prozent und in der Gastronomie um durchschnittlich 5,4 Prozent.
Musik ist überall
„Musik ist allgegenwärtig“, erklärt Daniel Stoiber von Radiopark. Die Firma hat sich darauf spezialisiert, Playlists für Restaurants, Kreuzfahrtschiffe und Geschäfte zu erstellen. Durch neue Medien und Streaming-Dienste wie Spotify und Apple Music hätten alle immer und überall Musik dabei.
Wir sind es also gewohnt, immer Musik als Untermalung zu haben. Stoiber zitiert da gerne den Schriftsteller Peter Bamm: „Früher rasierte man sich, wenn man Beethoven hören wollte. Jetzt hört man Beethoven, wenn man sich rasieren will.“
Bekannte Klänge wirken stärker
Musik setzt (Glücks-)Hormone frei, beeinflusst den Herzschlag und prägt damit Stimmung und Verhalten. Richtig ausgewählt, kann sie die Atmosphäre gezielt steuern.
Für die passende Atmosphäre setzen Händlerinnen und Gastronomen fast immer auf bereits veröffentlichte Musik, weil sie uns vertraut ist. Das könnten Popmusik, Elektronik oder Klassik sein, Hauptsache die Stücke seien bekannt, weiß Stoiber.
Kuratierter Sound für verschiedene Situationen
Die richtige Musik sorge für Wohlbefinden, was sich auch auf das Konsumverhalten übertrage: Wer entspannt ist und sich wohl fühlt, schlendert, probiert im Einzelhandel mehr an oder bleibt länger im Restaurant.
Doch das kann sehr komplex werden, weiß Arndt Helge Grapp, der Gründer von Radiopark. Bei Kreuzfahrtschiffen könne ein einziges Schiff bis zu 25 Musik-Kanäle gleichzeitig bespielen: Vom Fitnessstudio über das Sonnendeck bis hin zu den Restaurants brauche jede Umgebung ihren eigenen Klang, abgestimmt auf Situation und Publikum.
Balance der Sinne im Restaurant
In der Gastronomie sei das Gesamtkonzept entscheidend. Musik dürfe die anderen Sinne nicht überlagern, erklärt Daniel Stoiber. Lautstärke und Musikauswahl würden während des Essens deshalb gezielt angepasst.
Stoiber habe aber auch ein hochpreisiges Restaurant erlebt, wo den ganzen Abend AC/DC laufen würde, weil es zum Konzept passe.
Generell müsse er immer erst vor Ort sein, um das Musikprogramm individuell anzupassen. „Wir sehen die Musik als Teil des Interieurs, als Teil der Einrichtung.“, sagt Stoiber. Nach dem Dessert solle Musik dazu beitragen, dass die Gäste länger bleiben und noch ein Getränk bestellen.
Musik für schnellere Fluktuation
In Fast-Food-Restaurants könne Musik aber auch für den gegenteiligen Effekt eingesetzt werden. Hier setze man bewusst auf schnelle, dynamische und aggressivere Musik, um eine hohe Fluktuation zu gewährleisten.
Das beschleunige nicht nur die Gäste, sondern auch das Personal, erklärt Stoiber. Denn auch das Personal wird durch Musik beeinflusst. Sie kann die Motivation steigern und die Bindung an das Unternehmen stärken, wie die „Music Impact Studie” bestätigt.
Steppenwolf, Nick Drake & Co. Von der Leinwand zum Ohrwurm: Diese Musiker wurden erst durch Filme zu Stars
Würde man Steppenwolf heute ohne den Film „Easy Rider“ kennen? Diese 5 Lieder und ihre Interpreten wurden erst durch Film und Fernsehen berühmt.
Klassik im Wandel in der Hotelszene
In Hotel-Lobbys dominierten lange oft belanglose Piano-Klänge, erzählt Arndt Helge Grapp. Um die 2000er-Jahre habe sich die Hotelszene geändert und klassische Musik war kaum noch gefragt.
Viele Häuser setzten heute stärker auf Vielfalt von Jazz und Pop, um die Atmosphäre bewusst zu gestalten. Aber auch klassische Musik spielt in den letzten zwei Jahren wieder eine größere Rolle.