Rockenhausen feiert den Stuttgarter Komponisten

Helmut Lachenmann: Der 90. Geburtstag eines Revolutionärs der Klänge

Helmut Lachenmann hat in den letzten 50 Jahren die zeitgenössische Musik weltweit geprägt. Mit seiner „Musique concrète instrumentale“ hat er Musikgeschichte geschrieben.

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Von Autor/in David Kirchgeßner

Das Festival Neue Musik in Rockenhausen

Rockenhausen, ein kleiner Ort im Nordpfälzer Bergland, wird zum Zentrum der Neuen Musik. Hier findet – bereits zum fünften Mal – das „Festival Neue Musik“ statt, diesmal unter der Schirmherrschaft von Helmut Lachenmann.

Zum Anlass seines 90. Geburtstages am 27. November hat Nachwuchskomponist Jonathan Spratte aus Kirchheimbolanden dem Meister ein Geburtstagsständchen geschrieben – inspiriert von Lachenmanns Musik und aufgeführt vom Kinder- und Jugendchor Münchweiler.

So sperrig und schräg die Neue Musik auch für Viele klingen mag: in Rockenhausen findet sie ihre Fans.

Helmut Lachenmann am Klavier und mit weiteren Instrumenten im Hintergrund.
Helmut Lachenmann macht auch mit 90 Jahren noch Musik zum einzigartigen Erlebnis.

Manche sagen, ja gut, neue Musik muss halt so klingen, und die ertragen es irgendwie. Andere sagen, das darf nicht wahr sein, das ist keine Musik. Und andere sagen, was ist das? Und diese Frage, die stelle ich mir fast jeden Tag, wenn ich Musik schreibe.

Was macht Helmut Lachenmann so besonders?

Helmut Lachenmann ist ein Pionier der Geräusch-Polyphonie – einer Technik, die Töne, Geräusche, Stille und Klangobjekte als gleichwertige Elemente behandelt. Seine Kompositionen überraschen durch unkonventionelle Spielanweisungen und innovative Klangexperimente, die Lachenmann als „Ordnungen“ bezeichnet.

Geiger traktieren beispielsweise alle Teile ihrer Instrumente, Trompeter knistern mit Backpapier und Hornisten spielen auf mit Wasser gefüllten Instrumenten. Immer wieder erfindet Lachenmann Instrumente neu, entlockt ihnen ungeahnte Klänge, überrascht mit unkonventionellen Spielanweisungen und bezieht Geräusche in sein Werk ein.

Lachenmann: My Melodies – Musik für 8 Hörner und Orchester ∙ hr-Sinfonieorchester ∙ Matthias Hermann

Helmut Lachenmann am Flügel
Ab 1955 studierte Helmut Lachenmann in Stuttgart Klavier bei Jürgen Uhde.

Mit meiner Musik möchte ich irritieren. Die Irritation gehört zu einem lebendigen Musikerlebnis und eröffnet neue Möglichkeiten des Denkens.

„Musik muss irritieren“ – Das Credo eines Provokateurs

Jahrzehntelang war Helmut Lachenmann aber auch einer der Umstrittensten seines Fachs. Denn seine Arbeiten brechen sinfonischen Traditionen und Hörgewohnheiten auf. Sie verstehen sich als ästhetische wie gesellschaftliche Provokation.

Helmut Lachenmann
Lachenmanns Markenzeichen: das genaue Hinhören auf die physische Entstehung des Klangs.

Das Hören seiner Musik soll zum Wahrnehmungs-Abenteuer werden, bei dem man völlig unvertraute Klangmöglichkeiten erfährt. Es soll eine radikale Schärfung der Hörwahrnehmung stattfinden, durch die Ausführende und Hörende gleichsam einen neuen Klangkosmos entdecken können.

Die Leute gehen ins Konzert, um sich zu entspannen. Die sollen ins Konzert, um Abenteuer zu erleben, da bleiben sie jung. Entspannen können sie sich auch woanders.

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