Das Festival Neue Musik in Rockenhausen
Rockenhausen, ein kleiner Ort im Nordpfälzer Bergland, wird zum Zentrum der Neuen Musik. Hier findet – bereits zum fünften Mal – das „Festival Neue Musik“ statt, diesmal unter der Schirmherrschaft von Helmut Lachenmann.
Zum Anlass seines 90. Geburtstages am 27. November hat Nachwuchskomponist Jonathan Spratte aus Kirchheimbolanden dem Meister ein Geburtstagsständchen geschrieben – inspiriert von Lachenmanns Musik und aufgeführt vom Kinder- und Jugendchor Münchweiler.
So sperrig und schräg die Neue Musik auch für Viele klingen mag: in Rockenhausen findet sie ihre Fans.
Manche sagen, ja gut, neue Musik muss halt so klingen, und die ertragen es irgendwie. Andere sagen, das darf nicht wahr sein, das ist keine Musik. Und andere sagen, was ist das? Und diese Frage, die stelle ich mir fast jeden Tag, wenn ich Musik schreibe.
Was macht Helmut Lachenmann so besonders?
Helmut Lachenmann ist ein Pionier der Geräusch-Polyphonie – einer Technik, die Töne, Geräusche, Stille und Klangobjekte als gleichwertige Elemente behandelt. Seine Kompositionen überraschen durch unkonventionelle Spielanweisungen und innovative Klangexperimente, die Lachenmann als „Ordnungen“ bezeichnet.
Geiger traktieren beispielsweise alle Teile ihrer Instrumente, Trompeter knistern mit Backpapier und Hornisten spielen auf mit Wasser gefüllten Instrumenten. Immer wieder erfindet Lachenmann Instrumente neu, entlockt ihnen ungeahnte Klänge, überrascht mit unkonventionellen Spielanweisungen und bezieht Geräusche in sein Werk ein.
Mit meiner Musik möchte ich irritieren. Die Irritation gehört zu einem lebendigen Musikerlebnis und eröffnet neue Möglichkeiten des Denkens.
„Musik muss irritieren“ – Das Credo eines Provokateurs
Jahrzehntelang war Helmut Lachenmann aber auch einer der Umstrittensten seines Fachs. Denn seine Arbeiten brechen sinfonischen Traditionen und Hörgewohnheiten auf. Sie verstehen sich als ästhetische wie gesellschaftliche Provokation.
Das Hören seiner Musik soll zum Wahrnehmungs-Abenteuer werden, bei dem man völlig unvertraute Klangmöglichkeiten erfährt. Es soll eine radikale Schärfung der Hörwahrnehmung stattfinden, durch die Ausführende und Hörende gleichsam einen neuen Klangkosmos entdecken können.
Die Leute gehen ins Konzert, um sich zu entspannen. Die sollen ins Konzert, um Abenteuer zu erleben, da bleiben sie jung. Entspannen können sie sich auch woanders.
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Portrait Helmut Lachenmann wird 90
Ein Orchester, das „nur“ Geräusche produziert. Streicher, deren Bögen schaben und knarzen, auch flüstern. Bläser, die den Ton mit Luft und Lebensgeräuschen mischen. Der Stuttgarter Helmut Lachenmann, vielleicht der berühmteste, lebende deutsche Komponist seiner Generation, ist zum Inbegriff der Geräuschmusik, aber auch der Verweigerung des vertrauten Schönklangs geworden. Und er hat die Szene damit so fasziniert, dass bald jeder Geiger hinterm Steg kratzte. Martina Seeber darüber, wie es zu dem Phänomen, das Lachenmann selbst „Musique concrète instrumentale“ nannte.
Musikthema Das Festival „Wien Modern“ feiert auch Helmut Lachenmann
Jedes Jahr im November geht für knapp fünf Wochen das Festival „Wien Modern“ über die großen und kleinen Bühnen der Stadt. Die 38. Ausgabe stellt sich breiter auf als je zuvor. Untersucht wird, wie die zunehmende Diversität sich in den Künsten widerspiegelt und welches Publikum erreicht wird. Es geht darum, mit dem Tempo der gesellschaftlichen Dynamik mitzuhalten, ohne die Wurzeln des Festivals aufzugeben, die in der westlichen Avantgarde der Nachkriegszeit liegen. So ist auch Helmut Lachenmann in Wien zu erleben. Regine Müller hat vielfältige Eindrücke gesammelt.
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