Pionier der Neuen Musik

100 Jahre Luciano Berio: Das Hören trieb ihn um

Er war ein Pionier der elektronischen Musik: Vor 100 Jahren, am 24. Oktober 1925, wurde Luciano Berio geboren. Ein Blick auf sein Werk und die kreative Zusammenarbeit mit Cathy Berberian.

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Von Autor/in Martina Seeber, Lydia Jeschke

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Der vor 100 Jahren geborene Luciano Berio distanzierte sich vom Dekorativen in der Musik. Bei ihm war alles dynamisch, ein ständiger Übergang von Vergangenheit und Zukunft.

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Eine kreative Partnerschaft: Luciano Berio und Cathy Berberian

Sie trafen sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der Gesangsklasse am Mailänder Konservatorium Giuseppe Verdi: Der junge Komponist Luciano Berio verdiente dort Geld als Klavierbegleiter, die amerikanische Sängerin Cathy Berberian war mit einem Stipendium nach Europa gekommen. 1950 heirateten die beiden.

In den folgenden Jahren – die Ehe wurde 1964 geschieden – komponierte Luciano Berio zahlreiche Stücke für Cathy Berberian. Die Sängerin inspirierte auch viele andere Komponisten zu Vokalwerken, mit ihrer Interpretation der „Aria“ von John Cage oder Monteverdi-Einspielungen sorgte Berberian für Aufsehen.

Cathy Berberian bei einem Auftritt am Théâtre de la Ville im Jahr 1973
Mit der amerikanischen Mezzosopranistin Cathy Berberian war Luciano Berio 14 Jahre verheiratet. Für ihre Stimme komponierte er eine Vielzahl von Stücken.

The Beatles für Opernstimme und zeitgenössische „Folk Songs“

Berberian brachte Luciano Berio in den frühen 1960er-Jahren auf die Idee, einige damals aktuelle Songs der Beatles für sie zu arrangieren. Herausgekommen sind besondere Verbindungen aus Pop und Barockmusik für Stimme und Instrumentalensemble.

Cathy Berberian | Ticket to ride | The Beatles

Auch die berühmt gewordenen „Folk Songs“ nach verschiedenen Melodien aus Armenien, der Heimat von Berberians Eltern, sowie aus Italien, Frankreich und den USA hängen eng mit der Sängerin zusammen. 1964 sang Berberian die Uraufführung.

Später widmete sich Berio weiteren Werken und Skizzen anderer Komponisten wie Luigi Boccherini oder Claudio Monteverdi, er vollendete Schuberts 10. Sinfonie und schrieb ein Finale für die Fragment gebliebene Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini.

Tanglewood und Darmstadt schärften Berios Musik

Bereits 1951 war Berio in die USA gegangen, um in Tanglewood zu studieren. In den 1960er-Jahren kehrte er als Composer in Residence und dann als Dozent dorthin zurück. Inzwischen hatte er unter anderem bei den Darmstädter Ferienkursen viele Komponisten seiner Generation kennengelernt.

Zusammen mit Bruno Maderna hatte Berio in Mailand das Studio di Fonologia musicale gegründet, eines der ersten Studios für elektronische Musik in Europa, an dem er, aber auch viele seiner Kollegen, forschen und arbeiten konnten. Auch Cathy Berberians Stimme hat sich dort in viele Produktionen eingeschrieben.

Luciano Berio in einem grauen Pullover sitzend, im Jahr 2003 in Rom.
Für sein Werk wurde Luciano Berio mit den größten internationalen Kunstpreisen geehrt, unter anderem mit dem Praemium Imperiale 1996 und dem Siemens-Musikpreis 1989. Er starb am 27. Mai 2003 im Alter von 77 Jahren.

„Sinfonia“ wird Berios bekanntestes Werk

Luciano Berios vielleicht bekanntestes Werk wurde die „Sinfonia“ für Sänger und Orchester, die 1968 erst in New York und ein Jahr später, in einer erweiterten Fassung, bei den Donaueschinger Musiktagen uraufgeführt wurde.

Gesungene und instrumentale Zitate von Claude Lévi-Strauss, Martin Luther King und aus Mahlers 2. Sinfonie stehen für die Idee des universalen Zusammenklangs.

Berios „Sinfonia“ zur Saisoneröffnung des SWR Symphonieorchesters 2025:

Wegweiser einer neuen Virtuosität

Mit einer Serie von Solostücken, den „Sequenze“, wies Berio den wichtigsten Interpreten vor allem der Neuen Musik den Weg in eine neue Virtuosität. Später entstand aus den „Sequenze“ die Werkreihe „Chemins“.

In seinem Schaffen ging eins aus dem anderen hervor. „Nichts ist jemals vollendet“, kommentierte er das sorgfältige und kreative Fortspinnen eigener Ideen.

Mich interessiert nicht das ‚Werk‘ als fertiges Objekt, das man im Wohnzimmer aufstellen kann.

Luciano Berio – Ein hörender König

1979 komponierte er in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Italo Calvino seine einzige Oper, für die er aber den Begriff der „musikalischen Handlung“ vorzog.

Schließlich geht es in „Un Re in Ascolto“ auch um das, was ihn sein Leben lang faszinierte und umtrieb: das Hören.

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