Viele verschließen die Augen
Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen sind in der Klassikszene ein offenes Geheimnis, doch viele Institutionen verschließen die Augen davor. Außerhalb der Szene haben die meisten das nicht auf dem Schirm, glaubt Regisseurin Claudia Kaffanke. Es passe nicht ins Bild der schönen Klassik.
Deswegen müsse man im ersten Schritt offen über den Machtmissbrauch sprechen. So werden die Musikhochschulen gezwungen, die Veränderung zu beschleunigen.
Reportage in der ARD Mediathek Macht_Spiel: Missbraucht vom Maestro
Karriere in der Klassischen Musik - für viele junge Menschen ein Traum. Doch für manche wurde der Weg dahin zum Albtraum.
Betroffene brechen das Schweigen
Claudia Kaffanke ist erfahrene Journalistin und war überwältigt von der Resonanz auf einen Social-Media-Aufruf, in dem sie Betroffene ermutigte, ihre Geschichten zu teilen. „Ich habe noch nie mit so vielen Betroffenen gesprochen wie bei dieser Recherche“, sagt sie. Das zeige leider auch wie hoch der Leidensdruck bei dem Thema sei.
Manche entschieden sich, ihre Geschichten öffentlich zu machen. Andere Betroffene blieben anonym, fanden jedoch Trost im Austausch. „Vielen war es wichtig, dass ihnen jemand zuhört und das Thema ernst nimmt“, erzählt Kaffanke.
Macht durch Verehrung
In der klassischen Musik wird der Erfolg oft mit der Nähe zu angesehenen Lehrenden verknüpft. Studierende wählen ihre Hochschule nicht nach dem Standort, sondern nach den berühmten Namen im Lehrkörper. Diese „Genies“ genießen eine fast unantastbare Autorität. Dies verstärkt die Abhängigkeit der Studierenden.
Hinzu kommt, dass viele dieser Lehrenden in sicheren, lebenslangen Positionen arbeiten. Fehlverhalten wird selten geahndet, denn die Strukturen an Hochschulen sind oft intransparent. Die Institutionen selbst schauen weg.
Wie kann sich die Branche ändern?
Claudia Kaffanke sieht die Lösung in einem grundlegenden Umdenken. Der Geniekult müsse hinterfragt und die pädagogischen Fähigkeiten von Lehrenden stärker in den Fokus gerückt werden. „Es sollte nicht nur darum gehen, wie gut jemand spielt, sondern auch, wie gut jemand unterrichten kann“, fordert sie.
Zudem seien unabhängige Anlaufstellen für Betroffene an Musikhochschulen essenziell. Einige Hochschulen haben bereits solche Stellen eingerichtet, doch es bleibt die Frage, ob dies ausreicht, um das System nachhaltig zu verändern.
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