Große Dynastien haben beim Publikum immer Konjunktur. Zu den illustren Familien im Kultur-Bereich zählen die Wagners. Michael Lemster zeichnet in seinem neuen Buch die Spuren der Familie Wagner nach, mit Richard Wagner als Begründer des Ruhms im Zentrum.
Der Kulturwissenschaftler und Publizist hat bereits reichlich Erfahrungen mit Familien-Biographien gesammelt und Bücher über die Grimms, Mozarts und über den Wiener Strauß-Clan veröffentlicht. Jetzt also die Wagners – seit jeher ein Wespennest für Biographen.
In dieser Familienbiografie soll […] weder versucht werden, […] zu beschönigen, noch alte Anklagen zu verschärfen. […] Es sind auch einige zwielichtige Figuren unter Richards Nachkommen, besonders unter denen, die sich mit diesen Nachkommen politisch verbanden.
Visionen, Machtstreben und Bayreuth
Die Wagners: eine von Visionen und Machstreben gleichermaßen getriebene wie besessene Familie. Eines der zentralen Anliegen des Autors ist es, nicht nur die Familiengeschichte zu erzählen, sondern auch die des Werkes.
Damit gemeint sind nicht Einzelanalysen von Richard Wagners Musikdramen, sondern auch der Umgang mit seinem Gesamtschaffen. Er träumte davon, die Menschheit zu regenerieren, indem er Kunst, Natur und Lebenspraxis verband.
Bayreuth, der von Richard Wagner gegründete Festspielort, wurde zum Zentrum dieser Bestrebungen. Ursprünglich als volksnaher Ort konzipiert, verwandelte er sich unter der Leitung von Wagners Witwe Cosima nach und nach in ein exklusives gesellschaftliches Ereignis für die europäische Aristokratie und das Großbürgertum.
Ungeschminkte und vorurteilsfreie Biografie
Michael Lemster weist darauf hin, dass seine Biografie weder beschönigen noch alte Vorwürfe verschärfen möchte. Dennoch bleibt die politische Geschichte der Familie, insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ein dunkles Kapitel.
Lemster gelingt die Mischung aus Distanz und Unaufgeregtheit, wobei er sehr anschaulich erzählt. Das Buch bietet insgesamt wenig grundlegend neue Einsichten in die Wagner-Forschung als vielmehr eine auch dem Laien zugängliche Darstellung: ungeschminkt und vorurteilsfrei.
Mehr zu Richard Wagner
ARD Oper Richard Wagner: „Lohengrin“
In kritischen Zeiten hat Richard Wagners Erlöserdrama „Lohengrin“ Konjunktur. Auch die Osterfestspiele in Baden-Baden setzen ihn aufs Programm mit einer Neuinszenierung von Johannes Erath und dem neu gastierenden Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Joanna Mallwitz. Der erfahrene Piotr Beczala singt die Titelpartie und Rachel Willis-Sørensen gibt die Erlösungsbedürftige, in der Zwangslage einer Machtintrige steckende Elsa von Brabant.
Romantische Oper in 3 Akten
Lohengrin: Piotr Beczala
Elsa von Brabant: Rachel Willis-Sørensen
Ortrud: Tanja Ariane Baumgartner
Telramund: Wolfgang Koch
König Heinrich: Kwangchul Youn
Der Heerrufer des Königs: Samuel Hasselhorn
Tschechischer Philharmonischer Chor Brünn
Philharmonia Chor Wien
Mahler Chamber Orchestra
Musikalische Leitung: Joana Mallwitz
(zeitversetzte Übertragung von den Osterfestspielen im Festspielhaus in Baden-Baden)
ARD Oper Richard Wagner: „Das Rheingold“
Die konzertante Aufführung von Wagners "Rheingold" der Salzburger Osterfestspiele-Produktion unter Kirill Petrenko aus der Berliner Philharmonie.
Neuinszenierung an der Staatsoper Stuttgart Klug inszeniert und musikalisch meisterhaft: Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“
Kaum ein Werk Wagners ist kulturpolitisch so missbraucht wie „Die Meistersinger von Nürnberg“ – jede Inszenierung ist deswegen eine Herausforderung. Elisabeth Stöppler gelingt sie exzellent.