Wenn die Tage immer kürzer werden
Der Winterblues – ein Phänomen, das viele von uns kennen. Dunkelheit auf dem Weg zur Arbeit und zurück, graue Tage und kühle Temperaturen drücken auf die Stimmung. Doch es gibt Mittel, die den Winter erträglicher machen – und sogar inspirierend wirken können.
Bis zum 21. Dezember werden die Tage immer kürzer, vor allem im Norden. So haben die Sylter am Tag der winterlichen Sonnenwende anderthalb Stunden weniger Tageslicht als die Allgäuer Oberstdorf-Bewohner.
Mit 3/4-Takt in die Winterlandschaft
Hier können nun zwei Dinge helfen: entweder, man schnappt sich den dicksten Wintermantel, den der Kleiderschrank zu bieten hat, kramt den längsten Schal heraus, den die Tante zu Weihnachten 2014 gestrickt hat, stülpt sich die Handschuhe über und wagt den Schritt vor die Haustüre gen vereister Felder und frostiger Baumkronen.
Oder man sucht sich die Heizdecke, schmeißt den Wasserkocher an und holt die Teelichter für die Deko-Häuschen.
Der Winterspaziergang ist ein bewährtes Hilfsmittel gegen die sogenannte saisonal abhängige Depression. Und damit das Blut auch in Wallung gerät und die Fußspitzen nicht zu kalt werden, hilft vielleicht ein Walzer in den Ohren. Passend zur Jahreszeit vielleicht der Schneesturm-Walzer (1964) vom russischen Komponisten Georgi Wassiljewitsch Swiridow.
Musikalische Sonnenstunden
Auch wenn Forschende keinen Zusammenhang zwischen Vitamin-D Mangel und Winterdepression feststellen konnten, ist der Gang vor die Tür ratsam: Sonnenlicht tut gut und hebt die Stimmung.
Dazu passt die Helios Ouvertüre (1903) von Carl Nielsen. Die Komposition ist nach dem griechischen Sonnengott benannt. Ihr Licht bricht nicht grell hervor, sondern steigt langsam wie ein sanfter Sonnenaufgang.
Gefahr steigt mit hohen Breitengraden
Da der Winterblues vor allem mit Tageslicht und Temperaturen in Verbindung steht, steigt die Gefahr für jene Winterdepression mit steigenden Breitengraden. Eine Liste, die verschiedene Risikofaktoren für die saisonal abhängige Depression bewertet, setzt zum Beispiel Grönland an die erste Stelle, überraschend befindet sich aber auch Neuseeland auf Platz 13.
Platz 2 wird von Finnland bewegt, in der Geburtsstadt des finnischen Komponisten Jean Sibelius – Hämeenlinna – scheint die Sonne im Dezember lediglich 6 Stunden im Durchschnitt. Eine gewisse Dunkelheit und Kälte vermag auch seine Musik zu vermitteln.
Die Komposition mit Nationalhymnen-Potenzial „Finlandia“ zeichnet zu Beginn das Bild eines Landes mit unbarmherzigen Winter, doch vor allem der Chor spendet bitter notwendige Wärme.
Sommerausflug auf dem Sofa
Während einige die kalten Wintermonate kaum erwarten können – meist ist bei jenen im Keller ein Snowboard oder ein Paar Ski zu finden – gibt es auch eine Gruppe an Menschen, die sich schon im Oktober den Frühling herbeisehnen (Autor eingeschlossen).
Und falls die müden Augen zu gereizt für helles Licht sein sollten und Glatteis auf den Straßen den Winterspaziergang unmöglich machen, hilft vielleicht eine kleine Sinneswanderung an einem Stand am Mittelmeer mit Kaltgetränk und Badehose oder Bikini vor dem geistlichen Auge. Musikalische Untermalung bietet Felix Mendelssohns Bartholdys „Italienische Sinfonie“ (1833).