Ein ausgeglichenes Miteinander
Ist es nicht ein bisschen wie in einer „opera buffa“, einer komischen Oper? Zwei Außen-Stimmen führen gleich zu Beginn von Mozarts-C-Dur-Streichquintett einen munteren Dialog: das dunkle Cello hier und eine helle Geige dort. Dann finden alle fünf Instrumente zusammen, bevor der Dialog von neuem startet – nur in umgekehrter Reihenfolge.
Das Ensemble Spunicunifait arbeitet Mozarts Strukturen sehr plastisch heraus. Mehr noch: Stärker als in seinen Streichquartetten genießt Mozart in seinen Quintetten ein Mehr an Freiheit, das ihm die größere Besetzung erlaubt. Das merkt man dieser neuen Aufnahme an. Das Andante etwa fließt dahin wie ein Band aus vielen fein gesponnenen Fäden.
Das Finale dieses C-Dur-Quintetts versteht Spunicunifait als heiteres Rondo, auch wenn Mozart hier zwei Formen miteinander verschachtelt. Zwar gibt es einige Aufnahmen, in denen der Allegro-Charakter, das Schnelle, Fröhliche, entschlossener, kerniger zum Ausdruck kommt, hier höre ich dafür mehr ein ausgeglichenes Miteinander, ein gelassenes Geben und Nehmen. Mühelos vollführt Spunicunifait die vielen Farb-Wechsel und Übergänge. Ein Vortrag von hoher Geschlossenheit.
Mozarts junge Meisterleistungen
Sechs Streichquintette hat Mozart geschrieben, darunter zu seiner Salzburger Zeit ein frühes Werk in B-Dur – mit einem Kopfsatz von fast sinfonischem Ausmaß.
Spunicunifait setzt hält sich an Mozarts Vorgabe „Allegro moderato“. Die Aufnahme zeigt das Werk des knapp 18-jährigen Mozart als reife Meisterleistung. Tradition hier, Wagemut da. Treue zur Form auf der einen Seite, Spielfreude auf der anderen.
Zu raumbetont?
Die Aufnahme mit Spunicunifait ist im Laufe des Jahres 2023 an zwei verschiedenen Orten entstanden, in Berlin und Frankfurt. Dennoch ist das Klangbild insgesamt ähnlich, allerdings nicht immer optimal. Ich finde die Aufnahme stellenweise etwas stumpf und sehr raumbetont, damit nicht wirklich natürlich.
So bleiben einige Details etwas unscharf. Etwa in der langsamen Einleitung zum Finale des g-Moll-Quintetts. Die Verdunklungen hier erinnern an die traurigen Momente in der „Zauberflöte“, an Paminas Verzweiflung und Todessehnsucht. Eine direktere Aufnahmetechnik hätte diese Atmosphäre vermutlich intensiver eingefangen.
Mozart wäre nicht Mozart, würde er diesem g-Moll nicht auch etwas Lichtes abgewinnen. So entwickelt dieser Satz im weiteren Verlauf an Fahrt, alle Finsternis wirkt mindestens aufgehellt, wenn nicht gar überwunden.
Ohne volles Risiko
Das Ensemble Spunicunifait macht Mozarts Ideen gut nachvollziehbar, auch wenn die Aufnahme letzte Risiken meidet – etwa beim Tempo und bei der Phrasierung. Aber das ist kein entscheidendes Manko. Ob plötzliche Akzente, deutliche Aufschwünge ins Forte oder sanfte Zurücknahmen – all das gelingt geschlossen und vielstimmig gleichermaßen.
Im Finale des Es-Dur-Quintetts aus Mozarts Sterbejahr herrscht schließlich eine fröhliche Kehraus-Mentalität. Spunicunifait zieht die Leichtigkeit dieses Satzes konsequent bis zum Schluss durch.