Zum 90. Geburtstag des Maestros

Zubin Mehta: Ein Leben für die Musik und interkulturelle Verständigung

Mit 90 Jahren blickt Zubin Mehta auf ein Leben zwischen Weltbühnen und Einsatz für die Menschlichkeit zurück. Der Dirigent mit parsischen Wurzeln prägte Spitzenorchester, setzte Zeichen für Verständigung und blieb stets überzeugt: Musik kann Grenzen überwinden.

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Stand

Von Autor/in Janine Putzek

Kulturelle Wurzeln bei den Parsen

Zubin Mehta wurde am 29. April 1936 im indischen Bombay (heute Mumbai) in eine Parsi-Familie geboren, die der zoroastrischen Religion angehört. Die Parsen sind eine kleine ethnische und religiöse Minderheit in Indien.

Die zoroastrischen Werte durchziehen Mehtas gesamtes Schaffen, sei es in seiner Interpretation von Musik oder in seinem Engagement für Völkerverständigung.

Musik wurde Mehta schon in die Wiege gelegt: Vater Mehli Mehta war Geiger und Gründer des Bombay Symphony Orchestra, außerdem war er Zubins erster Lehrer. Schon mit 16 dirigierte Zubin Mehta das Orchester seines Vaters in Bombay.

Für sein Studium verließ der Inder 1954 seine Heimat und ging nach Wien. Dort studierte er Dirigieren unter Hans Swarowsky und außerdem Klavier, Komposition und Kontrabass.

50 Jahre mit dem Israel Philharmonic Orchestra

Einzigartig ist Mehtas Verbindung mit dem Israel Philharmonic Orchestra. Bereits 1961 dirigierte er das Orchester zum ersten Mal. 1977 wurde er zu dessen Musikdirektor ernannt, eine Position, die er über vier Jahrzehnte inne hatte. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Orchester zu einem der besten weltweit.

Eines der denkwürdigsten Ereignisse mit dem Israel Philharmonic Orchestra war 1971 das erste gemeinsame Konzert in Berlin. Es war seit Ende des Zweiten Weltkriegs der erste Auftritt eines Klangkörpers mit jüdischen Musikern in der Bundesrepublik Deutschland.

Am Ende hatten Orchester und Publikum alle Tränen in den Augen. So einen Anlass kann man nicht vergessen. 

Auch bei anderen Gelegenheiten setzte Mehta Zeichen: Sei es durch Konzerte in Kriegsgebieten oder durch die Förderung junger Talente in Israel und darüber hinaus. Für seine Verdienste wurde er 2019 zum „Music Director Emeritus“ des Israel Philharmonic Orchestra ernannt.

Mehtas humanitäres Engagement

Zubin Mehta sieht Musik als universelle Sprache, die Menschen verbindet. Dieser Gedanke prägte zahlreiche seiner Projekte. Während des Bosnienkriegs reiste er nach Sarajevo, wo er in der zerstörten Nationalbibliothek das „Requiem“ von Mozart dirigierte.

In Indien setzt er sich durch die Mehli Mehta Music Foundation für die musikalische Bildung von Kindern ein. Die Initiative bringt westliche klassische Musik zu Schülern, die sonst keinen Zugang dazu hätten. Mehta betont immer wieder, dass Musik jungen Menschen Hoffnung und Perspektive geben kann.

Mehtas musikalisches Vermächtnis

Zubin Mehta hat die Welt der klassischen Musik über Jahrzehnte hinweg geprägt. Er verstand es, den Orchestern seinen unverkennbaren Stil zu vermitteln, der europäische Tradition mit einer universellen Musiksprache verbindet.

Ich war der erste Dirigent in Amerika, der Wiener Trompeten und die Wiener Klarinette eingeführt hat. Aber ich musste die Musiker auch überzeugen, diese Wechsel zu machen.

Am liebsten dirigiert Mehta Musik der Wiener Klassik bis zur Zweiten Wiener Schule. Er sei dabei ein sehr herzlicher Mensch und habe einen freundlichen und kooperativen Führungsstil, so seine Musiker.

Am 29. April 2026 wird der auch für seine humanitären Engagements und politischen Botschaften geschätzte Dirigent 90 Jahre alt.

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Autor/in
Janine Putzek
SWR-Reporterin Janine Putzek.