Ich weiß von vielen Rentnern, die gehen ins Bett, wenn es dunkel wird, um Strom zu sparen. Oder stellen die Heizung nur ganz gering an, frieren und haben zwei Wärmflaschen. Das kann es nicht sein.
Altersarmut trotz lebenslanger Arbeit
Die Scham, Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei oft sehr groß, berichtet Sandra Bisping. Es sei wichtig mit Empathie vorzugehen und den Menschen deutlich zu machen, dass sie in ihrem arbeitsreichen Leben "alles richtig gemacht" und Unterstützung verdient haben, betont sie.
Es ist oft die Generation, die immer alles alleine geschafft hat und die sagt‚ 'bevor ich Hilfe in Anspruch nehme, hungere ich lieber'.
Arm im Alter: Frauen häufiger betroffen
Frauen seien, bedingt durch Kindererziehung und Teilzeitarbeit, besonders häufig von Altersarmut betroffen. Wenn sie weniger in die Rentenkasse eingezahlt haben, haben sie dadurch auch nur geringere Rentenansprüche erworben. 70 Prozent der Anträge auf Unterstützung, die der Verein erhält, kämen von Frauen, sagt Sandra Bisping.
Beispielsweise denkt sie an eine Seniorin, Mitte 80, die drei Kinder alleine großgezogen hat. Während die Kinder schliefen, habe sie Zeitungen ausgetragen. Waren die Kinder in der Schule, habe sie bei der Post gearbeitet. Ihre Rente liege knapp unter 1.000 Euro.
Das sind so Biografien, wo man denkt 'alles richtig gemacht', aber haben im Alter letztendlich nichts zu essen.
Marlene Haupt, Volkswirtschaftlerin und Sozialwissenschaftlerin | 5.12.2025 Rente: Darum sind Frauen häufiger von Altersarmut betroffen
Wie steht es um das deutsche Rentensystem? Volkswirtschaftlerin Marlene Haupt über aktuelle Probleme, Ungleichgewichte und was wir von anderen Ländern lernen können.
Mit Spenden gegen Altersarmut
Der von Sandra Bisping gegründete Verein "Ein Herz für Rentner e.V." finanziert sich durch Spenden und unterstützt bundesweit bedürftige Rentner:innen ab 66 Jahren. Voraussetzung sei, dass man mindestens 500 Euro Rente bekommt (Ausnahme: Mütter, die Kinder großgezogen haben) und in Deutschland gearbeitet habe, erklärt sie.
Unterstützung gebe es für alle möglichen Dinge. Von der Brille und Medikamenten über Kleidung bis hin zur Waschmaschine oder Stromrechnung. Tief berührt schildert sie die Geschichte einer 75-jährigen Frau, die Geld für das Begräbnis ihres Sohnes beantragt hat.
Das waren 3.000 Euro, weil sie gesagt hat, ich möchte meinen Sohn verabschieden, ich möchte eine Stätte haben, wo ich meinen Sohn besuchen kann. Und sie konnte sich das schlicht nicht leisten.
Mit Altersarmut kommt oft auch Einsamkeit
Um nicht nur finanziell, sondern auch gegen Einsamkeit zu unterstützen, organisiere der Verein alle zwei Wochen einen Kaffeeklatsch mit kostenlosem Kaffee und Kuchen. Auch gebe es alle zwei Wochen in Köln und München Chorproben mit den "Old-Kehlchen".
Wir dürfen unsere alten Menschen nicht vergessen. Ich wünsche mir, dass wir alle wieder mehr zusammenrücken, dass es keine Scheren gibt zwischen arm und reich und alt und jung.